Autonomes Fahren: Wenn der Wagen das Volk nicht versteht

VW testet in Hamburg das vollautonome Fahren in der Stadt - und das recht erfolgreich, wie eine Probefahrt zeigt. Als größtes Problem erweist sich ausgerechnet die Höflichkeit der Fußgänger.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Video: Fahrt mit dem autonomen Golf in Hamburg (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Wären wir auf der Autobahn, wäre es keine Sensation mehr, was VW-Mitarbeiter Jens Spehr jetzt tun wird: Als das Ping ertönt, nimmt er die Hände vom Lenkrad. "Ich muss nichts mehr machen", sagt er. Das Auto fährt von allein. Und das in einer größeren Straße in der Hamburger Neustadt.

Inhalt:
  1. Autonomes Fahren: Wenn der Wagen das Volk nicht versteht
  2. Die Software geht immer vom schlimmsten Fall aus
  3. Lidar und Kameras
  4. Pilotprojekt für Verkehrskongress

VW demonstriert in der Hansestadt mehr als das bereits vielfach erprobte Level 3 des automatisierten Fahrens. Das Unternehmen zeigt eine ganz neue Qualität: Level 4, hochautomatisiert, in der Stadt. Der Fahrer muss nur noch eingreifen, wenn das Auto nicht mehr weiterweiß. Hamburg hat dafür eine rund neun Kilometer lange Teststrecke eingerichtet, auf der die Tester seit dem Frühjahr einiges erlebt haben. Wir sind mitgefahren.

Von der Wüste in die Stadt

VW beschäftigt sich seit gut 15 Jahren mit autonomem Fahren. Der Konzern war bei den Darpa Grand Challenges in der Wüste dabei. Bei der ersten Auflage 2004 erreichte kein Fahrzeug das Ziel. Der Sieger der zweiten Grand Challenge war der VW Stanley. Zwei Jahre später, bei der Darpa Urban Challenge, belegte ein VW den zweiten Platz. Anfang 2015 fuhr ein Audi automatisiert von San Francisco nach Las Vegas - einige aus dem Hamburg-Team waren auch schon an diesem Projekt beteiligt.

Und jetzt Hamburg. Zuvor wurde das System von den Entwicklern auf dem Werksgelände und in Wolfsburg getestet. Das sei aber etwas ganz anderes gewesen, sagt Helge Neuner, Leiter Automatisches Fahren bei VW. In der Stadt gebe es einige Überraschungen, mit denen das Auto erstmal klarkommen muss.

Pferde, Menschenmassen und winkende Fußgänger

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"Es gab viele Sachen, die wir tatsächlich so nicht vorhersehen konnten, beispielsweise die Dichte des Verkehrs oder das Verhalten von Menschen, die sich nicht komplett an Regeln halten", erzählt Neuner. "Wir haben gerade im Bereich der Messe viele Sachen erlebt, von Leuten, die in großen Strömen nach dem Ende der Messeveranstaltung quer über die Straßen rannten. Das ist etwas, was man sich vorher nicht so überlegt." Auch dass die Hamburger Polizei bei einer Veranstaltung auf Pferden unterwegs war, hätten sie nicht erwartet.

Das größte Problem sei die Möglichkeit, mit anderen Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren, sagt Simon Großjohann, Software-Entwickler bei VW, im Gespräch mit Golem.de. "Der Fußgänger, der für uns anhält und uns durchwinkt: Wenn wir prädizieren, dass der über die Straße geht, fahren wir nicht. Bleiben wir stehen, dann gehen sie. Wir denken aber, sie bleiben stehen und fahren los", erzählt er. "So gibt es immer mal wieder Missverständnisse, hauptsächlich mit Fußgängern, die winken."

Mit solchen Problemen beschäftigen sich bereits Designer: Manche setzen auf eine Art Display an der Front des Fahrzeugs, das Fußgängern beispielsweise mit Pfeilen anzeigt, dass sie die Straße überqueren können. Ein Vorschlag der VW- Designer ist es, dass das Auto einen Zebrastreifen auf den Boden projiziert und dem Fußgänger so den Weg freigibt.

Trotz dieser Herausforderungen zeigt unsere Testfahrt, wie viel sich beim autonomen Fahren bereits getan hat.

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Die Software geht immer vom schlimmsten Fall aus 
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plutoniumsulfat 26. Nov 2019

Eben aufgrund der Verkehrsdichte :D Und die wenigsten Autofahrer dürften wissen, wann die...

plutoniumsulfat 19. Nov 2019

Nein, da es auch in den Autos vorhanden sein müsste, was es wieder teurer macht. Wer...

ichbinsmalwieder 19. Nov 2019

Für stehende Fahrzeuge hat sich das ROTE Licht der Bremsleuchte durchgesetzt...

cpt.dirk 15. Nov 2019

Genau und ich denke, durchschnittlich gute FahrerInnen werden mit solchen intelligenten...



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