Vorsprung von zwei Jahren

Im Vergleich zu anderen traditionellen Autoherstellern hat VW nach Einschätzung von Diess einen Vorsprung von "rund zwei Jahren" bei der Elektrifizierung und Digitalisierung. Die anfänglichen Softwarefehler beim ID.3 und ID.4 seien nun behoben. "So ein System ist komplex und es dauert, bis man alle Fehler behoben hat. Das haben wir aber inzwischen getan, deshalb sollte es jetzt besser laufen. Dass es überhaupt diese Probleme mit der Software gab, liegt aber auch daran, dass wir einen besonders großen Schritt gemacht haben", sagte Diess.

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Nachholbedarf sieht Diess hingegen im Vergleich mit neueren Anbietern wie Tesla. "Sie verstehen das Auto eher als Softwareprodukt. Hier sind wir noch nicht auf Augenhöhe. Das gilt aber für die gesamte traditionelle Autoindustrie", sagte Diess.

Beeindruck von Waymo-Autos

Einen Vorsprung von Tesla sieht Diess auch beim autonomen Fahren. Zwar zeigte er sich beeindruckt von den Fähigkeiten der Google-Schwesterfirma Waymo, die selbstfahrende Taxis entwickelt. "Ich bin zuletzt vor 18 Monaten mit einem Waymo-Auto gefahren, und das war beeindruckend. In einer ruhigen Verkehrsumgebung, bei gutem Wetter und Geschwindigkeiten unter 70 Kilometern pro Stunde funktioniert das alles schon recht gut", sagte Diess und fügte hinzu: "Wir sind hier ein direkter Wettbewerber durch unsere Kooperation mit der Ford-Tochter Argo AI, an der wir uns beteiligt haben. Einige Wettbewerber geben jetzt auf, weil die Kosten unglaublich hoch sind. Wir haben bis dato schon zweieinhalb Milliarden Euro investiert."

Die Stärke des Tesla-Konzeptes sieht er hingegen darin, "dass sie mit ihrer inzwischen schon sehr großen Flotte von Fahrzeugen ständig Fahrdaten sammeln und mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz das System damit immer besser machen. Wenn Sie so wollen, ist Tesla nicht nur ein Autounternehmen, sondern ein neuronales Netz, das immer besser fahren lernt." Tesla-Chef Elon Musk lehnt den Einsatz von Laserscannern beim autonomen Fahren ab, während Hersteller wie Daimler dieses Sensorprinzip aus Sicherheitsgründen für unverzichtbar halten. Ob VW ebenfalls auf Laserscanner verzichten will, geht aus dem Interview jedoch nicht direkt hervor.

Diess fordert schnellen Kohleausstieg

Aber auch beim Thema Elektrifizierung muss Volkswagen dem Interview zufolge auf die Konkurrenz von Tesla reagieren. "Tesla baut in Deutschland eine große Batteriezellfabrik mit extrem aggressiven Kostenzielen. Wie stellen wir uns diesem Wettbewerb? Wie geht es mit der Ladeinfrastruktur weiter?", fragte Diess mit Blick auf die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, in Grünheide bei Berlin die weltgrößte Batteriefabrik bauen zu wollen.

Mit Blick auf den Klimawandel forderte der VW-Chef einen schnellen Kohleausstieg. Der Grund: "Das ist die günstigste Methode, den CO2-Ausstoß zu senken. Es wäre völlig unsinnig, jetzt Elektromobilität einzuführen und nicht gleichzeitig die erneuerbaren Energien schnell auszubauen. Wenn wir unsere Elektroautos nur mit Kohlestrom laden, haben sie für den Klimaschutz keinen Vorteil gegenüber einem Verbrenner." Aus wissenschaftlicher Sicht müsse "jetzt einfach gehandelt werden, denn der Klimawandel ist real und duldet keinen weiteren Aufschub". Allerdings müsse man bei der Regulierung aufpassen, dass man an der richtigen Stelle ansetze. "Man sollte den Klimaschutz so effizient wie möglich gestalten", forderte Diess.

Nachtrag vom 9. Dezember 2020, 13:33 Uhr

Auf Anfrage von Golem.de sagte Firmensprecherin Maj-Britt Peters, dass VW bei autonomen Autos im Gegensatz zu Tesla nicht auf Laserscanner verzichten wolle. "Der Volkswagen Konzern setzt bei vernetzten Fahrerassistenzsystemen (Level 2) auf eine 360-Grad-Erkennung mittels Kameras und Radarsensoren rund um das Fahrzeug. Für höhere Automatisierungsgrade sieht unser skalierbares Architekturkonzept ergänzend Laserscanner vor. Diese Sensorvielfalt und damit verbundene zusätzliche Redundanz in der Umfelderkennung erhöht sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Sicherheit der Systeme."

Mit Blick auf das Betriebssystem VW.OS ergänzte Peters, dass das System schrittweise aufgebaut und bereits im MEB eingesetzt werde. Die "einheitliche Software-Plattform mit dem vollen Funktionsumfang" werde hingegen erst 2024 in dem Audi-Projekt Artemis eingesetzt. "Wir vollziehen damit den Paradigmenwechsel von einer vertikalen hin zu einer horizontal geschichteten Elektronik-Architektur und entkoppeln die Hardware von der Software", sagte Peters weiter. Von Mitte des Jahrzehnts an sollen dann sukzessive alle neuen Modellgenerationen im Volkswagen-Konzern auf der einheitlichen Software-Plattform mit dem VW.OS laufen.

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SirAstral 08. Dez 2020

Dann solltest du gar nichts mehr verwenden dürfen ;)

Maddix 08. Dez 2020

Gab es Pläne für eine Akkufabrik auf deutschem Boden. Gebaut von deutschen...

svlewe 08. Dez 2020

Wer Navigant Research zitiert hat wirklich jeglichen Hauch von Seriösität abgelegt..

tomate.salat.inc 07. Dez 2020

... kommen dann VW Autos zukünftig auch ausm Baumarkt :-) *scnr*


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