Autonomes Fahren: Tesla wirbt angeblich mit Fantasiezahlen für EU-Zulassung
Der US-Autohersteller Tesla versuche mit offenbar überzogenen Angaben zur Sicherheit seiner Fahrzeuge, eine EU-Zulassung für das überwachte autonome Fahren (FSD) zu erhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Unterlagen, die Tesla bei europäischen Zulassungsbehörden eingereicht haben soll. Demnach behauptete der Hersteller, dass mit FSD ausgestattete Teslas zwischen Unfällen mehr als siebenmal längere Strecken zurücklegen als der durchschnittliche menschliche Fahrer in den USA.
Reuters befragte Ende Mai 2026 zahlreiche Experten zu den von Tesla aufgestellten Unfallstatistiken. Zehn Forscher bezeichneten demnach die Aussage als irreführendes Marketing und nicht als ernsthafte Untersuchung eines kritischen Sicherheitsproblems. So berücksichtige Tesla bei den eigenen Fahrzeugen nur Unfälle, bei denen der Airbag auslöse, während die allgemeine Unfallstatistik auch weniger schwere Unfälle enthalte. Zudem liege das Durchschnittsalter der Teslas mit 4,1 Jahren deutlich unter dem US-Durchschnitt von 12,8 Jahren.
In einer Präsentation für die schwedische Verkehrsbehörde behauptet Tesla laut Reuters, FSD hätte potenziell 32.000 Menschenleben retten und 1,9 Millionen Verletzungen verhindern können.
Niederlande berufen sich auf eigene Tests
Derzeit gibt es in der EU noch keine allgemeinen Zulassungskriterien für das überwachte autonome Fahren, was als Level 2++ bezeichnet wird. Die bestehende UN/ECE-Regelung 171 (DCAS) soll jedoch ergänzt werden, so dass Level 2++ von Anfang 2027 an zulässig wäre. Bis dahin strebt Tesla eine Ausnahmegenehmigung an, die in den Niederlanden und Litauen schon gewährt wurde. Für eine EU-weite Zulassung müssten Vertreter von 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, das System akzeptieren.
Die niederländische Verkehrsbehörde RDW wollte sich auf Nachfrage von Reuters nicht zu den von Tesla vorlegten Statistiken äußern. In einer Stellungnahme habe die Behörde lediglich erklärt, sich bei ihren Entscheidungen "nicht auf Marketingaussagen oder externe Statistiken" zu stützen. Statt dessen führe sie eigene "Tests, Analysen und Überprüfungen" des Systems auf öffentlichen Straßen und Teststrecken durch.
Auch die schwedische Verkehrsbehörde wollte sich laut Reuters nicht zu den von Tesla vorgelegten Daten äußern. Ein Sachverständiger habe jedoch erklärt, dass die schwedischen Behörden "über die reinen Schlagzeilenzahlen hinausblicken" und dass die Bewertung eines solchen Systems nicht "allein auf aggregierten Sicherheitsbehauptungen, sondern auf der gesamten vorgelegten Beweislage" basiert.
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