Autonomes Fahren: Tesla startet FSD-Testfahrten in Deutschland
Ab dem 1. Dezember 2025 bietet Tesla in München, Berlin, Hamburg, Gießen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover und weiteren Städten Testfahrten mit dem FSD-System(öffnet im neuen Fenster) an. Die Technologie, mit der Tesla-Fahrzeuge weltweit bereits über 10 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben, war in Europa bisher nicht verfügbar.
Kamera statt Lidar
Das System arbeitet ausschließlich mit Kamerabildern und neuronalen Netzwerken – teure Sensoren wie Lidar oder hochauflösende Karten benötigt Tesla nach eigenen Angaben nicht. Trainiert wurde die Software mit Daten aus Milliarden Kilometern, die von über 6 Millionen Fahrzeugen der weltweiten Flotte stammen.
Volle Assistenz unter Aufsicht
Full Self-Driving (Supervised) übernimmt im Stadtverkehr, auf Autobahnen und in Kreisverkehren das Lenken, Beschleunigen und Bremsen. Spurwechsel und Abbiegevorgänge laufen automatisch. Der Fahrer muss das System durchgehend überwachen und trägt die volle rechtliche Verantwortung.
Tesla gibt an, dass das Risiko schwerer Kollisionen bei Nutzung des Systems um den Faktor sieben sinkt. Alle 3,5 Minuten fährt die Tesla-Flotte eine Strecke, für die ein einzelner Fahrer 50 Jahre bräuchte – aus dieser Datenmenge lernt das System kontinuierlich.
Zulassung für Anfang 2026 erwartet
In Europa hat Tesla bereits über eine Million Testkilometer in 17 Ländern absolviert und Aufsichtsbehörden Demonstrationsfahrten vorgeführt. Die Markteinführung hängt von regulatorischen Genehmigungen ab – Tesla rechnet mit einer Freigabe Anfang 2026. In den USA, Kanada, Australien, China, Mexiko und Neuseeland ist das System bereits verfügbar.
Alle aktuellen Tesla-Modelle – Model S, Model 3, Model X und Model Y – sind für Full Self-Driving ausgelegt und erhalten Software-Updates mit neuen Assistenzfunktionen.
Kontroverse um Autopilot-Sicherheit
Das System ist umstritten, weil es damit auch schon zahlreiche Unfälle gab. Ein US-Bundesgericht in Florida verurteilte Tesla im August 2025 zu 243 Millionen US-Dollar Schadenersatz nach einem tödlichen Unfall aus dem Jahr 2019. Die Geschworenen gaben dem Autohersteller eine Mitschuld von "33 Prozent". Der Fahrer hatte den Autopiloten aktiviert und während der Fahrt nach seinem heruntergefallenen Handy gegriffen. Dabei übersah er ein Stoppschild und fuhr auf ein geparktes Auto auf – eine Frau starb, ein Mann wurde schwer verletzt.
Besonders brisant: Tesla soll die Unfallaufklärung rund um das autonome Fahren jahrelang behindert haben. Das Fahrzeug hatte unmittelbar nach dem Unfall umfangreiche Daten auf Tesla-Server hochgeladen, doch das Unternehmen gab diese erst im Dezember 2024 heraus – nachdem ein forensischer Experte Hinweise auf das Datenpaket im Autopilot-Steuergerät gefunden hatte. Die Daten zeigten, dass der Autopilot aktiv war und das System trotz Kartendaten über eine "eingeschränkte Autosteer-Zone" nicht deaktiviert wurde. Tesla kündigte Berufung an.
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