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Autonomes Fahren: Terahertz-Sensor soll bei Nebel und Sonne funktionieren

Das MIT-Spin-off Teradar entwickelt eine neue Sensortechnologie für autonome Fahrzeuge. Sie soll die Vorteile von Radar und Lidar vereinen.
/ Michael Linden
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Teradar-Sensor (Bild: Teradar)
Teradar-Sensor Bild: Teradar

Teradar(öffnet im neuen Fenster) , ein Start-up aus Boston, hat eine Finanzierungsrunde über 150 Millionen Dollar abgeschlossen, um seine Terahertz-basierte Sensortechnologie voranzutreiben, wie Techcrunch berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Teradar behauptet, sein Sensor biete Fähigkeiten, die zwischen traditionellen Radar- und Lidar-Systemen liegen(öffnet im neuen Fenster) und potenzielle Schwachstellen aktueller Sensorlösungen im Automobilbereich beheben könnten.

An der Finanzierungsrunde beteiligten sich die Capricorn Investment Group, Lockheed Martin Ventures, Ibex Investors und VXI Capital. Letzterer ist ein auf den Rüstungssektor fokussierter Fonds.

Mitgründer und CEO Matt Carey gründete Teradar 2021 zusammen mit Gregory Charvat und Nick Saiz im MIT-Inkubator The Engine. Das Unternehmen entwickelt seither eine sogenannte modulare Terahertz-Engine, die im elektromagnetischen Spektrum zwischen Mikrowellen und Infrarot arbeitet.

Laut Carey versucht das Unternehmen, die Fähigkeit von Radar, bei widrigen Wetterbedingungen zu funktionieren, mit der höheren Auflösung zu kombinieren, die typischerweise mit Lidar-Systemen verbunden ist. Das Solid-State-Design kommt ohne bewegliche Teile aus, und das Unternehmen positioniert die Technologie als kostengünstigere Alternative zu Lidar bei gleichzeitig besserer Leistung als herkömmliches Radar.

Automobilanwendungen stehen im Fokus

Teradar berichtet, dass das Unternehmen seine Technologie derzeit mit fünf Automobilherstellern aus den USA und Europa ausprobiert. Der Sensor soll bis 2027 serienreif sein. Carey deutete an, dass die Preisgestaltung zwischen Radar- und Lidar-Kosten liegen würde, also einige Hundert US-Dollar pro Einheit statt mehrerer Tausend.

Das Funktionsprinzip selbst ist dem von Radar und Lidar sehr ähnlich. Der Sensor emittiert Terahertz-Wellen(öffnet im neuen Fenster) , die von Objekten in der Umgebung reflektiert werden. Aus den zurückkehrenden Echos berechnet das System dann Entfernung, Geschwindigkeit und Form der erkannten Objekte. Der entscheidende Unterschied liegt im sogenannten Solid-State-Design: Anders als klassische Lidar-Scanner kommt der Terahertz-Sensor ohne mechanisch rotierende Teile aus. Stattdessen lenkt er den Strahl elektronisch durch Phased-Array-Antennen, ähnlich wie moderne Radarsysteme.

Die Position im elektromagnetischen Spektrum verleiht Terahertz-Sensoren theoretisch einzigartige Eigenschaften. Gegenüber herkömmlichem Radar bieten sie durch ihre kürzere Wellenlänge eine deutlich höhere Auflösung. Objekte lassen sich präziser erfassen und ihre Form besser erkennen. Gleichzeitig haben Terahertz-Wellen gegenüber dem Infrarotlicht von Lidar-Systemen einen entscheidenden Vorteil: Ihre längere Wellenlänge ermöglicht eine bessere Durchdringung von Nebel, Regen und Staub.

Allerdings war dieser Frequenzbereich lange Zeit technisch kaum nutzbar. Fachleute sprechen von der Terahertz-Lücke. Das Problem: Es war extrem schwierig, effiziente Sender und Empfänger für diesen Bereich zu bauen. Fortschritte in der Halbleitertechnologie der vergangenen Jahre haben die Tür für kommerzielle Anwendungen geöffnet. Heute lassen sich integrierte Terahertz-Transceiver-Chips(öffnet im neuen Fenster) herstellen, die effiziente Signalverarbeitung ermöglichen und die prinzipiell kostengünstig in Masse produziert werden können.


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