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Autonomes Fahren: Rivian-Chef verspricht Autobahnpiloten für 2027

Das US-Start-up Rivian liefert die Software für VW . Schon in zwei Jahren soll es Elektroautos mit Level 3 geben, aber weiter kein Apple Carplay .
/ Friedhelm Greis
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Rivian-Chef RJ Scaringe sieht große Fortschritte beim autonomen Fahren. (Bild: Terrence Antonio James/Chicago Tribune/TNS/ABACAPRESS.COM)
Rivian-Chef RJ Scaringe sieht große Fortschritte beim autonomen Fahren. Bild: Terrence Antonio James/Chicago Tribune/TNS/ABACAPRESS.COM

Der US-amerikanische Elektroautohersteller Rivian will bereits im Jahr 2027 einen selbstfahrenden Autobahnpiloten anbieten. Das sagte Firmenchef RJ Scaringe im Gespräch mit dem US-Techportal The Verge(öffnet im neuen Fenster) . "Diese Funktionen werden wir 2027 einführen. Und ich denke, das ist ein großer Fortschritt, denn Sie gewinnen Ihre Zeit zurück" , sagte der Rivian-Chef.

Das Start-up will im kommenden Jahr das Elektro-SUV R2 nach Europa bringen , zunächst in Großbritannien. Rivian hat eine Kooperation mit VW vereinbart und soll für das Einstiegsmodell ID.1 die Software liefern. Die VW-Tochter Cariad ist im Grunde nur noch für die Integration der Rivian-Software in VW-Modelle zuständig .

Sensoren selbst entwickelt

Rivian hat laut Scaringe nicht nur die Autosoftware, sondern auch die Fahrzeugsensoren selbst entwickelt. Deren Daten würden von einer neu entwickelten Rechnerplattform verarbeitet. Die neue Generation des autonomen Fahrens nutze ein KI-basiertes Modell mit mehreren Milliarden Parametern. "Dieses Modell ist ein neuronales Netz, das das Fahrverhalten eines Fahrzeugs abbildet. Das Schöne daran: Wenn Sensoren verbessert, Sensoren verändert oder Fahrzeuganwendungen erweitert werden, bleibt dieses neuronale Netz des Fahrverständnisses erhalten" , sagte Scaringe.

Er verglich diesen Ansatz mit einem Autofahrer, der ohne eine Brille fahren gelernt habe. "Wenn man mir plötzlich eine Brille gibt, vergesse ich nicht alles, was ich gelernt habe. Ich fahre einfach besser und präziser, weil ich präziser und besser wahrnehme" , sagte Scaringe.

In diesem Zusammenhang schloss der Rivian-Chef den Einsatz von Laserscannern nicht aus: "Wenn man mehrere Kameras mit Radar und möglicherweise Lidar kombiniert, erhält man ein umfassenderes und genaueres Bild. Außerdem lässt sich das Modell so besser trainieren." Lidare böten nach Ansicht von Rivian "einen echten Nutzen" . Zudem seien die Kosten auf wenige Hundert Dollar pro Stück gesunken.

Scaringe verwies dabei auf die Evolution in der Tierwelt: "Diejenigen, die in extremsten Umgebungen, beispielsweise bei extremer Dunkelheit, leben müssen, kombinieren in der Regel optische Wahrnehmung mit wellenlängenbasierter Wahrnehmung." Ein Beispiel dafür seien Fledermäuse. Tesla-Chef Elon Musk hält den Einsatz von Laserscannern und Radaren hingegen für überflüssig, weil menschliche Fahrer ebenfalls nur mithilfe der Augen navigierten.

Laut Scaringe sollen neue Assistenzsysteme in den kommenden 18 bis 24 Monaten beim Kunden ankommen.

Zunächst Level 2++ geplant

Zunächst soll es eine sogenannte Punkt-zu-Punkt-Navigation geben. Dabei navigiert das Fahrzeug selbständig, muss aber noch vom Fahrer überwacht werden. Das wird als Level 2++ bezeichnet. Zuletzt stellte Mercedes-Benz ein solches System auf der IAA in München vor .

Der Sprung zu Level 3 soll dann in zwei Jahren erfolgen. Der Autobahnpilot reduziere "nicht nur die kognitive Belastung, die durch die Bedienung des Fahrzeugs und die volle Aufmerksamkeit entsteht, sondern ermöglicht auch andere Dinge" , sagte Scaringe. Solche Systeme bieten Mercedes-Benz und BMW bereits in Deutschland an, allerdings ohne Spurwechsel und nur bis zu bestimmten Geschwindigkeiten.

Laut Scaringe wird es aufgrund der raschen Fortschritte Anfang der 2030er Jahre "undenkbar sein, ein neues Auto zu kaufen, ohne dass es in Sachen autonomes Fahren über ein Höchstmaß an Leistung verfügt" .

Weiterhin kein Apple Carplay

Eine Softwarefunktion, die in fast allen Autos inzwischen selbstverständlich ist, lehnt Rivian hingegen weiter ab. So soll es weiterhin keine Integration von Apple Carplay geben. "Wir sind davon überzeugt. Für manche Leute bedeutet das, dass sie keinen Rivian kaufen werden. Wir akzeptieren das" , sagte Scaringe. Er verwies darauf, dass Dienste wie Youtube, Spotify, Google Maps oder Apple Music bereits in die Rivian-Software integriert seien. "Schritt für Schritt wird also alles, was man bei seiner Carplay-Nutzung möglicherweise vermisst hat – sei es die Kartendarstellung oder die bald verfügbare Spracherkennung – verfügbar sein, und es wird großartig sein" , sagte Scaringe.

Rivian steht mit dieser Entscheidung jedoch nicht alleine auf dem Markt. Auch Tesla oder Nio bieten keine Integration von Apple Carplay oder Android Auto an. Allerdings ist das bei VW problemlos möglich.

Nachtrag vom 8. Oktober 2025, 13:13 Uhr

Ein Sprecher von VW wies auf Nachfrage darauf hin, dass das Unternehmen nicht pauschal die Rivian-Software übernehme. "Wir entwickeln gemeinsam im Joint Venture eine neue Software-Architektur (SDV). Auf dem Weg dahin werden wir unterschiedliche Stufen des SDV in erste Produkte der Konzern-Familie einbringen und übernehmen hierfür spezifische Komponenten von Rivian" , sagte der Sprecher. SDV steht für Software Defined Vehicle (softwaredefiniertes Fahrzeug).

Die Entscheidung von Rivian, Apple Carplay nicht anzubieten, habe jedoch nichts mit dem Joint Venture, der dortigen Entwicklung oder der Marke Volkswagen zu tun. "Über die (digitalen) Fähigkeiten des ID.Everyone werden wir uns zu gegebener Zeit äußern" , sagte der Sprecher.


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