Autonomes Fahren: ÖPNV-Anbieter will mit autonom fahrendem Bus auf die Straße

Fließender Verkehr, Kreuzungen, Kreisverkehre: Es ist schon einiges, was das französische ÖPNV-Unternehmen Transdev dem autonom fahrenden Bus I-Cristal zumuten will. Aber damit nicht genug: Er soll mit normaler Geschwindigkeit durch eine französische Großstadt kurven.

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Autonomer Bus I-Cristal (auf der Innotrans 2018):  zeigen, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Nahverkehr ergänzen
Autonomer Bus I-Cristal (auf der Innotrans 2018): zeigen, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Nahverkehr ergänzen (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Noch ein autonomer Bus aus Frankreich? Der Verkehrstechnikhersteller Lohr und das Nahverkehrsunternehmen Transdev stellen auf der Innotrans einen autonom fahrenden Bus vor, der in Kürze in einem Vorort von Paris unterwegs sein soll. Der Einsatz im Straßenverkehr ist in Planung.

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I-Cristal basiert auf Lohrs Minibus Cristal, der für autonomes Fahren umgerüstet wurde. Grund sei, dass das Fahrzeug so schneller zur Verfügung gestanden habe, als wenn es hätte neu entwickelt werden müssen, sagt Jean-François Argence, bei Lohr für neue Mobilität zuständig. Das Fahrzeug ist kleiner als andere autonome Busse wie der EZ10 von Easymile oder der Navya. Mit einer Länge von knapp vier Metern und einer Breite von knapp 1,90 Metern ist es eher so groß wie ein Pkw. Der Unterschied: Es ist über 2,60 Meter hoch. Bis zu 17 Fahrgäste passen laut Argence hinein.

Vor allem aber unterscheidet sich der I-Cristal durch seine Geschwindigkeit: Zuckelt der EZ10 etwa mit 15 Kilometern pro Stunde durch den bayerischen Kurort Bad Birnbach, soll I-Cristal mit vergleichsweise flotten 30 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Das Fahrzeug hat einen Elektroantrieb mit einer Leistung von 100 Kilowatt und einen Akku mit einer Kapazität von 32 Kilowattstunden. Die Reichweite gibt Lohr mit 100 Kilometern an. Das erscheint für diese Akkukapazität wenig. Aber es sei wichtig, dass auch genug Strom für Heizung im Winter oder Kühlung im Sommer zur Verfügung stehe und dass das Fahrzeug nicht auf halber Strecke ohne Strom liegen bleibe.

Das Nahverkehrsunternehmen Transdev plant ein erstes Projekt mit dem I-Cristal im kommenden Winter. Im Pariser Vorort Saclay soll er als Ergänzung zum konventionellen Bus eingesetzt werden. Abends, wenn die Busse nicht mehr so häufig fahren, soll I-Cristal Fahrgäste von Bahnstation zur Universität Paris-Saclay oder zurück befördern. "Die Idee ist zu zeigen, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Nahverkehr ergänzen können",sagt Christine Peyrot, kaufmännische Leiterin für den Bereich Autonome Transportsysteme bei Transdev, im Gespräch mit Golem.de.

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Nur etwas mehr als ein Jahr danach soll ein zweites Projekt starten: In Rouen in der Normandie bietet Transdev zusammen mit dem Autoverleiher Avis einen On-Demand-Transportservice mit vier Renault Zoé an. Der I-Cristal soll im Januar 2020 dazukommen.

Der Anspruch an das Projekt ist hoch: "Er wird auf öffentlichen Straßen im gemischten Verkehr in so komplexen Umgebungen wie Kreuzungen, Ampeln, Kreisverkehren, Fußgängerüberwegen unterwegs sein", sagt Peyrot - und das mit mindestens 30 Kilometern pro Stunde, wenn es Umgebung und Verkehr zulassen sogar mit 50 Kilometern pro Stunde.

Anfänglich wird dabei noch eine Begleitperson an Bord sein - nicht zuletzt wegen gesetzlicher Vorgaben. Die wird aber nur im Notfall eingreifen und kann den Bus dann per Joystick steuern. Hinzu kommt ein Kontrollzentrum, das den Bus überwacht. "Dieses Fahrzeug, das auf einem bereits existierenden basiert, hat die nötigen Sicherheitsanforderungen, um schneller zu fahren. Das ermöglicht uns neue Anwendungsfälle, etwa schneller auf längeren Routen zu fahren", sagt Peyrot.

Transdev hat schon circa 40 Pilotprojekte und Tests mit autonomen Fahrzeugen in Frankreich, Australien, den Niederlanden und den USA durchgeführt. Es hat also schon Erfahrungen gesammelt, auch mit Passagieren. Deren Reaktionen seien positiv gewesen, sagt Peyrot. Sie hätten Vertrauen in das System. Doch bei den Tests waren die Busse ebenfalls mit niedrigen Geschwindigkeiten unterwegs. Die Herausforderung besteht laut Peyrot nun darin, das gleiche Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, wenn I-Cristal viel schneller unterwegs sein wird. Ob das gelingt, wird sich in knapp anderthalb Jahren zeigen.

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