Autonomes Fahren: Mobileye und Sixt starten Robotaxi-Dienst in München

Ein neues Gesetz erlaubt autonome Fahrdienste nach Level 4 in Deutschland. Das wollen Mobileye und Sixt im nächsten Jahr gemeinsam nutzen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Die autonomen Autos von Mobileye sind schon in Tel Aviv unterwegs.
Die autonomen Autos von Mobileye sind schon in Tel Aviv unterwegs. (Bild: Mobileye)

Vom kommenden Jahr an wollen der Autovermieter Sixt und die Intel-Tochter Mobileye einen autonomen Taxidienst mit selbstfahrenden Fahrzeugen anbieten. Das kündigten Intel-Chef Pat Gelsinger und Sixt-Co-Chef Alexander Sixt am Dienstag auf der Automesse IAA Mobility in München an. Mobileye hatte entsprechende Pläne bereits im April dieses Jahres bekanntgegeben.

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Zu Beginn des Probelaufs wird es sich um selbstfahrende Autos der Automatisierungsstufe 4 handeln - das heißt, das System übernimmt dauerhaft den Fahrbetrieb. In dem Auto sitzt jedoch weiterhin ein Fahrer, der aber nur im Ausnahmefall eingreift. Umgesetzt wird das Konzept mit einem siebensitzigen Fahrzeug des chinesischen Herstellers Nio, das mit Mobileye-Technik ausgerüstet wurde.

Das autonome System basiere auf acht EyeQ5-SoCs (System on Chips). Die 2020 vorgestellten Chips erreichen eine Leistung von 24 Tera-Operationen pro Sekunde (Tops) bei einem Verbrauch von 10 Watt. Der Dienst wird auch in Tel Aviv angeboten.

Der vollständige Sensorsatz des Mobileye-Systems (PDF) besteht aus 13 Kameras, drei Fernbereichs-Laserscannern (Lidar), sechs Nahbereichs-Lidaren und sechs Radarsensoren. Neben Sensoren nutzt das System eine crowdbasierte Karte sowie ein formales Modell für sichere Fahrentscheidungen (Responsibility-Sensitive Safety [RSS]/Verantwortungsbewusste Sicherheit).

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Fahrgäste sollen den Service sowohl über die Moovit-App von Intel als auch über die App von Sixt buchen können. Das autonome Angebot werde dabei in die Mobilitätsplattform One von Sixt integriert, die Dienste für etwa Autovermietung, Carsharing und Auto-Abonnements in einer App vereint.

Begrenztes Programm zum Start

Der Betrieb soll im kommenden Jahr zunächst mit einem begrenzten Programm starten, sagte Mobileye-Manager Johann Jungwirth der Nachrichtenagentur dpa. Für diese Diensterprobung würden Sixt und Mobileye Kunden einladen. Parallel werde man sich um die notwendigen Genehmigungen für den Regelbetrieb kümmern. Der Prozess der Fahrzeugzulassung laufe bereits beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und dem Tüv Süd.

Laut Jungwirth wird das von Sixt und Mobileye betriebene Taxi das erste Fahrzeug sein, das den Rahmen des neuen Gesetzes zum autonomen Fahren in Deutschland ausnutzt. Das Gesetz war Ende Juli in Kraft getreten. "Sobald das Fahrzeug die Zulassung bekommt, werden wir hier auch fahrerlos unterwegs sein können." Dem Gesetz zufolge können die Autos auch ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein. Dann ist aber eine Überwachung der Fahrzeuge aus der Ferne erforderlich.

Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität

Intel-Konzernchef Gelsinger sagte, durch die rasche Weiterentwicklung des Rechtsrahmens für autonomes Fahren habe Deutschland "seine globale Führungsrolle für die Zukunft der autonomen Mobilität demonstriert". "Ohne dieses neue Gesetz wäre es uns nicht möglich, im nächsten Jahr den Robotaxi-Betrieb in München aufzunehmen."

Technik-Fans als Zielgruppe

Sixt-Vorstandmitglied Nico Gabriel rechnet damit, dass zu Beginn vor allem technikbegeisterte Kunden die Taxis buchen werden. Diesen Effekt habe man auch gesehen, als Sixt erstmals Elektrofahrzeuge in seine Flotte aufgenommen habe. Preise für den Service wollen Sixt und Mobileye erst kurz vor dem Start des Projekts nennen. Jungwirth betonte, "Mobileye und Sixt können aber schon heute sagen, dass das Vorhaben wirtschaftlich funktioniert. Selbst ab einer relativ kleinen Flottengröße ist das ein vernünftiges Geschäft."

Deutsche Autohersteller halten sich bislang bei solchen Diensten noch eher zurück. Zuletzt war bekanntgeworden, dass Daimler und der Zulieferer Bosch eine entsprechende Entwicklungskooperation beenden wollen. BMW-Entwicklungschef Frank Weber hatte im Interview mit Golem.de erklärt, dass Robotaxis nicht zu den Entwicklungszielen gehörten. VW arbeitet jedoch mit seiner neuen Software-Abteilung Cariad an einem einheitlichen Betriebssystem, das vom Jahr 2025 an auch autonomes Fahren nach Stufe 4 enthalten soll.

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