Autonomes Fahren: Gehe ein Level zurück
Es wirkt wie eine technische Niederlage. Das Auto gibt die Verantwortung fürs Fahren wieder zurück an den Fahrer. Schluss mit Videostreaming und E-Mails beantworten während der Fahrt auf der Autobahn. Mit der Modellpflege beim 7er von BMW und der S-Klasse von Mercedes-Benz wird kein Level-3-Assistent mehr angeboten.
Dabei galt hochautomatisiertes Fahren als wichtiger Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug (Level 4). Das ist auch der Politik wichtig. Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung steht: "Wir werden die Voraussetzungen dafür schaffen, dass autonomes Fahren in den Regelbetrieb kommt. Wir machen Deutschland zum Leitmarkt für autonomes Fahren." Wie soll das gehen, wenn man einen Schritt auslässt?
Der Grund für den Verzicht ist weniger technischer als monetärer Natur. Ein Level-3-System ist teuer, und nur wenige Kunden haben beim Bestellen hier das Häkchen gesetzt. Wie niedrig die sogenannte Take Rate, also der Anteil der Besteller, ausfiel, verraten weder BMW noch Mercedes-Benz.
Die Preise sind allerdings bekannt: 6.000 Euro bei BMW. Der Preis gilt für zwei Jahre. Wie viel danach berechnet wird, steht nicht im Konfigurator. Bei Mercedes-Benz sind es bei der S-Klasse ebenfalls rund 6.000 Euro und beim elektrischen EQS sogar 8.841 Euro. Hier gelten die Preise für drei Jahre.
Schönwetter-Piloten
Bei den Preisen mag der klassische Käufer einer Oberklasse-Limousine nur müde mit den Schultern zucken. Doch ein Aufreger wird daraus, wenn man sich die mögliche Nutzungszeit der Level-3-Systeme anschaut.
Ich habe sie mal als "Schönwetter-Piloten" bezeichnet und das fasst es gut zusammen. Sie funktionieren nur auf Autobahnen, weil hier die Spurmarkierungen gut sichtbar sind, es keine Kreuzungen und keinen Gegenverkehr gibt. Das Auto muss nur ein vorausfahrendes Fahrzeug erkennen.
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Angefangen hat es mit maximal 60 km/h, weshalb der Assistent als Staupilot vermarktet wurde . Mercedes-Benz ist inzwischen bei Tempo 95. Das Ziel von 130 km/h haben beide Hersteller nie realisiert.
Nichts für den Auslandsurlaub
Der Assistent funktioniert nur bei guter Sicht, also tagsüber. Es darf nicht regnen oder schneien. Das Thermometer sollte nicht unter 3 °C fallen. Tunnel, Baustellen und Mautstrecken sind ausgeschlossen. Erfassen die Mikrofone Sirenen von Rettungsdiensten oder Polizei, bittet das Fahrzeug den Fahrer höflich um Übernahme des Lenkrads.

Ist man im Ausland auf einer Autobahn unterwegs, kann man den Assistenten überhaupt nicht aktivieren. Die geringe Nutzungszeit lässt den Preis in einem anderen Licht erscheinen.
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