Ein weiteres Plus dranhängen
Die Lösung des Dilemmas ist ein Schritt zurück. Die Autohersteller würden es natürlich auf andere Art formulieren.
Ihre Marketingabteilungen hängen ein weiteres Plus an das teilautomatisierte Fahren. Level 2++ hat mit der UN-Regelung 171 für Driver Control Assistance Systems (DCAS) neue Möglichkeiten bekommen.
Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen entwickelt Regeln für Automobiltechnik. Der Vorteil: Wird ein Assistenzsystem nach UN-Regel zugelassen, gilt die Zulassung für alle teilnehmenden 59 Länder. Zudem gestattet DCAS eine Hands-off-Funktion im Level 2. Bislang musste der Fahrer stets Augen auf der Straße und Hände am Lenkrad halten, was Kameras und Sensoren überwachten.
Mit einem Augenblick überholen
BMW konnte seinen Autobahn- und City-Assistenten im iX3, dem ersten Modell der Neuen Klasse, unter Regel 171 auf die Straße bringen. Die L2++-Option kostet den Käufer gerade mal 1.450 Euro.
Auf der Autobahn übernimmt der Assistent bis Tempo 130 km/h. Er schlägt selbstständig Überholvorgänge vor, die der Fahrer durch einen Blick in den linken Außenspiegel bestätigt. Die Hände können die gesamte Zeit im Schoß liegen bleiben, während die Augen nach vorn gerichtet sind. Natürlich hat auch dieser Assistent seine Grenzen bei Nebel, Schneefall und Starkregen.
Doch ein leichter Schauer oder Dunkelheit machen ihm nichts aus. Er braucht keinen Vorausfahrenden und wechselt selbstständig die Autobahn an einem Autobahnkreuz. In der Stadt erkennt das System rote Ampeln und fährt eigenständig los.
Bis Jahresende wird der Assistent von BMW so erweitert, dass er von Start- bis Zieladresse den gesamten Weg bewältigt. Etwas Vergleichbares präsentierte Ola Källenius bei der Vorstellung der neuen S-Klasse. Günstiger und längere Nutzungszeit sind die Vorteile. Nachteil: Der Fahrer ist verantwortlich für das Fahrverhalten.
Robotaxi ohne Fahrer
Somit wird die Entscheidung beider Autohersteller für den Level-3-Verzicht nachvollziehbar. Doch aus China und den USA kommt Druck.
Hoch- bis vollautomatisiertes Fahren ist in diesen Regionen sehr gefragt. Waymo ist mit seinem Level-4-Angebot erfolgreich in den USA unterwegs. Uber, Lyft und Taxidienste wie Freenow (Teil von Lyft) arbeiten mit Hochdruck daran, den menschlichen Fahrer zu ersetzen.
Auch in Europa geht es beim Level 4 zügig voran. In Hamburg nehmen im Sommer 2026 der autonom fahrende Moia ID Buzz AD und der Urban-Shuttle von Holon ihren Testbetrieb mit einer geschlossenen Nutzergruppe auf. "In einem Robotaxi rechnen sich die höheren Kosten für Technik und Regulatorik anders als in einem Pkw. Doch mit dem Erfolg von Robotaxen dürfte langfristig auch der Pkw profitieren," sagt Mobileye-CEO Amnon Sashua in einem Gespräch während der diesjährigen CES in Las Vegas.
Mit steigenden Stückzahlen sinken Hardware-Kosten. Mit mehr Erfahrung sinken die Anforderungen des Gesetzgebers. Vielleicht ist es aktuell nur ein kleiner Schritt zurück, um besser Anlauf nehmen zu können für das, was im privaten Fahrzeug noch kommt.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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