Autonomes Fahren: Daimler und Bosch beenden Kooperation

Nach mehr als vier Jahren trennen sich die Wege von Daimler und Bosch bei der Entwicklung autonomer Taxis wieder.

Artikel veröffentlicht am ,
Autonomes Testautos von Mercedes und Bosch in San José
Autonomes Testautos von Mercedes und Bosch in San José (Bild: Daimler)

Der Autohersteller Daimler und der Automobilzulieferer Bosch beenden ihre Zusammenarbeit bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. Eine Sprecherin von Bosch bestätigte am 11. August 2021 auf Anfrage von Golem.de einen Bericht der Süddeutschen Zeitung: "Wir können bestätigen, dass Bosch und Daimler derzeit Gespräche führen, um ihre Entwicklungskooperation zum hoch- und vollautomatisierten Fahren in der Stadt zum Abschluss zu bringen. Zeitpunkt und weitere Details werden derzeit besprochen."

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Die beiden Firmen hatten ihre Zusammenarbeit im April 2017 angekündigt. Demnach sollten schon Anfang der 2020er Jahre Autos ohne Fahrer im urbanen Umfeld fahren. Von November 2018 waren gemeinsam entwickelte Testautos im kalifornischen San José unterwegs. Ein Schwerpunkt der Kooperation lag auf der Entwicklung KI-basierter Sensorsysteme.

Wenige Testkilometer in Kalifornien

Die Tests mit selbstfahrenden Autos in Kalifornien fanden ohnehin auf vergleichsweise niedrigem Niveau statt. Auf Anfrage von Golem.de hatte Daimler im März 2020 mitgeteilt, dass im Jahr 2019 15 Fahrzeuge aktiv im Einsatz gewesen seien, um Automatisierungstechniken zu testen. Diese hätten 2019 zusammen etwas mehr als 14.000 Meilen (22.500 Kilometer) absolviert.

Das waren lediglich 1.500 Kilometer pro Fahrzeug. Verglichen mit anderen Anbietern war die Zahl der Testkilometer von Daimler in Kalifornien sehr gering. So gab die Google-Schwester Waymo 1,45 Millionen gefahrene Meilen (2,3 Millionen Kilometer) an, die GM-Tochter Cruise nannte rund 831.000 Meilen (1,3 Millionen Kilometer).

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Von den 18 Mercedes-Fahrzeugen, die in der Statistik der kalifornischen Verkehrsbehörde DMV gelistet waren, habe ein Großteil im Rahmen des gemeinsamen Bosch-Projektes operiert, hieß es weiter. Einige dieser Fahrzeuge seien bei dem selbstfahrenden Mitfahrdienst in San José im Einsatz gewesen. Innerhalb dieses Pilotprojektes seien rund 30 Fahrzeuge in einer gemischten Flotte aus manuellen und automatisierten Fahrzeugen unterwegs gewesen. Dabei sollten Einblicke in die Effizienz von gemischten und autonomen Flotten generiert werden.

Daimler-Chef Ola Källenius soll schon im vergangenen Jahr den Fokus auf selbstfahrende Lkw verlagert haben. "Im Hinblick auf vollständig autonome Fahrzeuge haben wir die Prioritäten geändert und geben nun Lkw den Vorrang gegenüber Pkw", wurde er im März 2020 zitiert. Bei Lkw sei das Geschäftsmodell am attraktivsten.

Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität

Durchaus Fortschritte erzielt

Auch wenn selbstfahrende innerstädtische Taxis noch längst nicht serienreif sind, haben beide Firmen durchaus Fortschritte beim autonomen Fahren gemacht. So will Mercedes-Benz noch in diesem Halbjahr einen hochautomatisierten Staupiloten der Stufe 3 auf den Markt bringen. In Stuttgart gibt es ein gemeinsames Pilotprojekt zwischen Bosch und Daimler zum sogenannten Automated Valet Parking (AVP), bei dem die Autos selbstständig in einem Parkhaus navigieren.

  • Mit Stereo-Kameras nimmt Daimler ein dreidimensionales Bild der Umgebung auf. (Bild: Daimler)
  • Neuronale Netze erkennen in den Aufnahmen die unterschiedlichen Objekttypen, wie Fußgänger, Fahrzeuge oder die Fahrbahn. (Bild: Daimler)
  • Fußgänger werden dann detailliert analysiert, um ihre mutmaßliche Bewegungsrichtung zu erkennen. (Bild: Daimler)
  • Entwickler Jascha Freess erläutert, wie sich das autonome Auto in einer belebten Straße orientiert. (Bild: Daimler)
  • Uwe Franke hat die Bilderkennung bei Daimler von Anfang an mit aufgebaut. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mit Hilfe neuronaler Netze lassen sich auch Lidar-Aufnahmen klassifizieren. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Aus der 3D-Punktwolke wird eine Darstellung mit den unterschiedlichen Objekten. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Sensorfusion führt die Daten zusammen und erzeugt ein kohärentes Umgebungsbild. (Bild: Daimler)
  • Auf der Teststrecke in Immendingen lassen die Entwickler die Autos selbstständig fahren. (Bild: Daimler)
  • Dabei müssen sie in der Lage sein, alle Fahrsituationen sicher zu beherrschen. (Bild: Daimler)
  • Bosch und Daimler setzen für ihren Taxi-Dienst im kalifornischen San José die luxuriöse S-Klasse ein. (Bild: Daimler)
  • Ungewöhnlich die Anbringung von vier Laserscannern auf einer Art Dachgepäckträger.  (Bild: Daimler)
  • Für eine mögliche Serienproduktion soll das Design jedoch noch verändert werden.  (Bild: Daimler)
Bosch und Daimler setzen für ihren Taxi-Dienst im kalifornischen San José die luxuriöse S-Klasse ein. (Bild: Daimler)

Beide Firmen wollen zudem das Thema weiter verfolgen und eigenständig voranbringen. So soll automatisiertes Fahren für Bosch ein "strategisches Geschäftsfeld" bleiben. Zum einen entwickle Bosch Lösungen für Privatfahrzeuge mit dem Fokus auf Fahrerassistenz und teilautomatisierte Systeme, um Fahren komfortabler und sicherer zu machen. "Auf der anderen Seite arbeiten wir auch an Lösungen für höhere Automatisierungsstufen mit Fokus auf Flottenfahrzeuge und neue Betreibermodelle. Insbesondere im Bereich der Logistik sehen wir attraktive Anwendungsmöglichkeiten und großes Geschäftspotenzial", hieß es weiter.

Bosch "gibt unvermindert Gas beim fahrerlosen Fahren" und bescheinigt sich "das nötige Durchhaltevermögen". Ziel sei es, "die Technologie in die Serienreife zu entwickeln und sicher auf die Straße zu bringen".

Für Daimler ist dies bereits die zweite Kooperation beim autonomen Fahren, die beendet wird. Eine Zusammenarbeit mit dem Münchner Konkurrenten BMW war vor gut einem Jahr wieder beendet worden.

Nachtrag vom 11. August 2021, 11:43 Uhr

Eine Sprecherin von Daimler bestätigte ebenfalls das beabsichtigte Ende der Kooperation. "Nach intensiver Prüfung und im besten partnerschaftlichen Einvernehmen haben sich die Unternehmen darauf verständigt, sich in Zukunft in dem hochkomplexen Entwicklungsumfeld des vollautomatisierten und fahrerlosen Fahrens im urbanen Umfeld auf ihre individuellen Entwicklungspfade zu fokussieren", sagte sie auf Anfrage von Golem.de.

Beide Firmen hätten im Rahmen der Kooperation "große Fortschritte" erzielt. So habe man unter anderem "im Bereich der Umfeldwahrnehmung, Lokalisierung und der Fahrstrategie wichtige neue Technologien, Software und Patente erarbeitet"

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hansblafoo 12. Aug 2021

...dass das auf dem Artikelbild gar kein Mercedes ist, sondern der Peugeot 406 aus Taxi...

hansblafoo 12. Aug 2021

Schlechter Trollversuch. Bosch ist der größte Automobilzulieferer der Welt, beschäftigt...

PiEater 12. Aug 2021

... was ein Bullshit. Das Problem beim Autonomen Fahren besteht doch hauptsächlich in der...

Eheran 11. Aug 2021

Tesla führt warum genau? Mediale präsenz? Die ganzen unfassbar lächerlichen/gefährlichen...

chefin 11. Aug 2021

Was nutzt es Milliarden auszugeben, wenn nix dabei rüber kommt. Sowas wie Tesla will...



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