Autonomer Schiffsverkehr: Fähre ohne Steuermann für Stockholm
Im Sommer nächsten Jahres wird die schwedische Hauptstadt Stockholm um eine Attraktion reicher. Zwischen den malerischen Inseln Södermalm mit originellen Geschäften und individuellen Cafés sowie Kungsholmen im Zentrum der Stadt wird dann eine Elektrofähre pendeln, die ihren Weg über das Wasser vollkommen autonom findet. Die dazu nötige Technik liefert Zeabuz, ein junges Unternehmen, das aus der Norwegian University of Science and Technology (NTNU)(öffnet im neuen Fenster) in Trondheim hervorgegangen ist.
Zwölf Passagiere dürfen mitfahren
Die Generalprobe findet derzeit in Trondheim statt. Dort pendelt Milliampere 2 zwischen den Ufern des Nidelva, einem Flüsschen, das die Stadt teilt und sich kurz darauf in die Nordsee ergießt. Sie hat Platz für 20 Passagiere, aber im gerade angelaufenen Probebetrieb dürfen nur zwölf mitfahren. Mit der Vorgängerin, der viel kleineren Milliampere 1, hatten die NTNU-Ingenieure so viel an Erfahrungen gesammelt, dass sie eine Größenordnung mehr wagen konnten.
Digitale Zwillinge
NTNU verfügt über eine komplette Infrastruktur für Forschung, Entwicklung und Innovationen im Zusammenhang mit autonomen Passagierfähren. Außer den beiden Schiffen sind das deren digitale Zwillinge, mit denen der Betrieb virtuell getestet werden kann. In einem Hybridlabor lassen sich mit Hilfe von virtueller Realität Verbesserungen erproben, ohne dass ein Schiff tatsächlich damit ausgerüstet ist. Erst wenn sie als Fortschritt erkannt worden sind, werden sie in Hardware umgesetzt.
Das Navi arbeitet zentimetergenau
Die Milliampere 2 ist mit einer Fülle von Sensoren ausgestattet, mit deren Daten der Bordcomputer gefüttert wird, der als Steuermann dient. Vor allem sind es Abstandssensoren auf Laser- und Radarbasis, die stationäre sowie mobile Hindernisse, etwa Sportboote, erkennt, sowie ein Navigationssystem, das weitaus präziser arbeitet als das Navi, das Autofahrern den Weg weist. Dessen Genauigkeit von zehn Metern würde nicht ausreichen, um die Anleger zu treffen.
Dazu kommen Kameras, der einem Ingenieur in der Warte an Land zeigt, was die Fähre gerade macht. Im Notfall, der bisher noch nicht eingetreten ist, kann er eingreifen und das Schiff fernsteuern.
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