Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Autonomer Kleinbus von Holon: Die Kiste ins Rollen bringen

Autonome Shuttles sehen aus wie rollende Kisten. Der deutsche Hersteller Holon will seinen Kleinbus in Hamburg in den Linienbetrieb bringen.
/ Dirk Kunde
3 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Holons Shuttle wechselt im Sommer 2026 vom Testbetrieb in den regulären Liniendienst. (Bild: Holon)
Holons Shuttle wechselt im Sommer 2026 vom Testbetrieb in den regulären Liniendienst. Bild: Holon
Inhalt
  1. Autonomer Kleinbus von Holon: Die Kiste ins Rollen bringen
  2. Vom Stahlrohr zum Shuttle
  3. London Taxi im Speckgürtel

"Eigentlich bauen wir das erste wirkliche Automobil" , sagt Martin Lischka von Holon in Anspielung auf die Bedeutung des Wortes. Als vor rund 140 Jahren der Benz Patent-Motorwagen seine ersten Ausfahrten unternahm, wurde die Fahrzeuggattung Automobil getauft. Doch vom automatischen oder autonomen Fahren war das Gefährt, das lediglich ohne Pferde auskam, weit entfernt.

Bei Holons 5 m langem und 2,79 m hohem Shuttle mit dem Namen Urban ist das anders. Es wechselt im Sommer 2026 vom geschlossenen Testbetrieb in eine halb-öffentliche Erprobung in der Hamburger Innenstadt. "Dann starten wir mit einer geschlossenen Testgruppe. Es ist weiterhin ein Sicherheitsfahrer mit an Bord," sagt Lischka, der als Vice President Sales und Marketing den Marktstart in Deutschland sowie die Expansion in den USA sowie im Nahen Osten verantwortet.

Geschlossene Nutzergruppe

Anfänglich können nur angemeldete Teilnehmer der geschlossenen Nutzergruppe(öffnet im neuen Fenster) die Moia- und Holon-Fahrzeuge nutzen. Sobald die Fahrzeuge serienreif sind, wird sich das ändern. "Wir fahren dann als Teil des ÖPNV. Den Urban kann man mit der HVV-App nutzen," sagt Lischka. Die genaue Linienführung steht noch nicht fest.

Im Projektverlauf werden bis zu zehn Holon-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Die Hamburger Hochbahn hat im Hamburger Stadtteil Barmbek einen Betriebshof mit Ladesäulen eingerichtet.

Langfristig kommt der Urban ohne Lenkrad, Fahrersitz und menschlichen Fahrer aus. Dann steht der Innenraum vollständig den bis zu 15 Fahrgästen zur Verfügung. Über eine ausfahrbare Rampe kommen Rollstuhlfahrer ins Fahrzeug.

Lischka dürfte es kaum gefallen, dass der Urban hier als rollende Kiste bezeichnet wird. Der Unternehmen aus dem westfälischen Paderborn hat das italienische Designstudio Pininfarina mit der Gestaltung des Shuttles beauftragt.

Es wird nicht als einziges autonomes Fahrzeug in der Hansestadt unterwegs sein. Die Volkswagen-Tochter Moia ist mit ihrem ID.Buzz AD ebenfalls Teil des Projekts Alike. Das Akronym steht für den sperrigen Titel Autonomes Linienintegriertes KI-gestütztes E-Shuttle. Während Moia Ride-Pooling betreibt, also Fahrgäste mit ähnlichem Ziel entlang der Strecke aufnimmt, wird Urban seine Runden im Liniendienst der Hamburger Hochbahn drehen.

Technik von Mobileye

Der elektrische Kleinbus hat eine Reichweite von etwas über 200 km. "Das reicht für eine Schicht bei der Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stadt" , sagt Lischka. Hier spielen Wetterlage und Topografie der Strecke, Häufigkeit der Türöffnungen und Energieaufwand fürs Klimatisieren der Kabine eine Rolle.

Der Urban kann bis zu 60 km/h erreichen. Damit er sich im Straßenverkehr zurechtfindet, nutzt er, wie auch Moia, die Technologie des israelischen Unternehmens Mobileye. Zum Einsatz kommt das Selbstfahrsystem Mobileye Drive mit vier Eye-Q6-Chips (SoC), die jeweils 34 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde verarbeiten können. Die Daten der Umgebung liefern 13 Kameras, fünf Radare sowie sechs Nahbereichs-Lidare und drei in die Ferne gerichtete Lidare.


Relevante Themen