Abo
  • Services:

Autonome Fahrzeuge: Wenn Software über Leben und Tod entscheidet

Wen soll ein selbstfahrendes Auto rammen, wenn es einen Unfall nicht verhindern kann - den SUV links oder den Kleinwagen rechts? Eine Frage nicht nur von Ethik und Recht.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Was Googles fahrerloses Auto "sieht", wenn es durch Las Vegas fährt. (Bild von 2012)
Was Googles fahrerloses Auto "sieht", wenn es durch Las Vegas fährt. (Bild von 2012) (Bild: Reuters/Nevada Department of Motor Vehicles)

Ein selbstfahrendes Auto fährt auf der Mittelspur der Autobahn, plötzlich kreuzt direkt vor ihm jemand die Spur. Die Elektronik des Autos ist zwar schneller als jeder Mensch, aber eine Kollision lässt sich nicht verhindern - das autonome Auto kann nur auswählen, ob es gar nicht ausweicht oder links den Geländewagen rammt, oder rechts den Kleinwagen. Wie entscheidet die Software, wessen Leben sie aufs Spiel setzt?

Inhalt:
  1. Autonome Fahrzeuge: Wenn Software über Leben und Tod entscheidet
  2. Lässt sich ein fahrerloses Auto hacken und austricksen?

Patrick Lin, Direktor der Ethics + Emerging Sciences Group an der California Polytechnic State University, hat solche Gedankenexperimente für das Magazin Wired durchgespielt. Schließlich würden autonom fahrende Autos wie das von Google vor allem deshalb entwickelt, weil sie in solchen Situationen aufgrund ihrer immer wachen Sensoren und ihrer Reaktionsschnelligkeit bessere Entscheidungen treffen können als ein Mensch. Sie können den zu erwartenden Schaden minimieren. Aber nach welchen Regeln das geschieht, müssen vorher die Programmierer festlegen.

Anders gefragt: Wessen Tod nehmen die autonomen Fahrzeuge (beziehungsweise deren Entwickler) in Kauf, wenn sie die eigenen Insassen schützen wollen? Für Lin sind das Fragen von Softwareethik, Moral und auch von Gesetzen und Geschäftsmodellen.

Allzu viel Zeit bleibt vielleicht nicht mehr, bis sie beantwortet werden müssen. Google will seine selbstfahrenden Autos schon 2017 so weit entwickelt haben, dass sie für die Öffentlichkeit auch jenseits der heutigen Testfahrten taugen. Vor Kurzem hat das Unternehmen bekanntgegeben, mittlerweile Tausende von Verkehrssituationen in der Stadt zu beherrschen.

Den behelmten Motoradfahrer verschonen oder den ohne Helm?

Stellenmarkt
  1. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart
  2. operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Berlin, Dresden

Lin beschreibt zunächst das Beispiel mit dem Geländewagen und dem Kleinwagen. Die Vernunft sagt: Der Geländewagen ist stabiler, seine Insassen sind besser geschützt als die des Kleinwagens. Also sollte das fahrerlose Auto besser mit dem Geländewagen kollidieren. Aber darf dessen Besitzer per Softwareprogrammierung eines anderen Fahrzeugs dafür bestraft werden, kein kleineres Auto gekauft zu haben? Dürfen Hersteller von besonders stabilen Autos bestraft werden, wodurch ihr Geschäftsmodell leiden könnte?

Und was Lin noch nicht einmal erwähnt: Muss man einen Kleinwagen fahren, um sich vor Unfällen mit autonomen Fahrzeugen zu schützen, wenn man damit gleichzeitig das Risiko eingeht, bei einem Unfall mit einem normalen Auto größere Schäden davonzutragen? Kommt es vielleicht auch darauf an, wie viele Menschen in den Autos links und rechts sitzen und in Gefahr geraten, und nicht nur auf die Bauart der beiden Wagen?

Beispiel zwei: Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall nicht mehr verhindern und nur noch entscheiden kann, ob es links den Motorradfahrer mit Helm oder rechts den ohne Helm trifft - welche Entscheidung ist dann die weniger falsche?

Die Vernunft sagt, der Motorradfahrer mit Helm hat die größere Chance, den Unfall zu überleben. Die Moral sagt, der ohne Helm sollte für sein verantwortungsloses oder sogar illegales Handeln nicht auch noch belohnt werden. Das Auto könnte dem Zufall die Entscheidung überlassen

"Schleier der Ignoranz"

Lin spielt eine Reihe von Lösungsmöglichkeiten durch. Die erste wäre ein Zufallszahlengenerator. Er würde anspringen, sobald das Auto einen Zusammenstoß links oder rechts als unausweichlich erkennen würde. Kommt dabei eine ungerade Zahl heraus, würde das Auto nach links ausweichen, bei einer geraden Zahl nach rechts. Das würde menschliches Handeln ansatzweise simulieren, weil Menschen in solchen Momenten keine durchdachte Reaktion mehr zeigen könnten.

Entscheidet das Auto aber zufällig, würde es sich praktisch selbst überflüssig machen. Die überlegene Reaktionsgeschwindigkeit in solchen kritischen Situationen ist einer der Hauptgründe, warum selbstfahrende Autos überhaupt entwickelt werden.

Eine Alternative zum Zufall wäre laut Lin ein "Schleier der Ignoranz": Die Entwickler der selbstfahrenden Autos könnten dafür sorgen, dass der Unfall-Algorithmus nicht weiß, was für Autos links und rechts von ihm fahren - ob es sich um Geländewagen oder Kleinwagen handelt. Dabei wäre es aber ein Unterschied, ob die Information gar nicht erst erhoben wird, oder ob sie von den Sensoren erfasst wird, aber nicht in den Algorithmus einfließt. Letzteres könnte ein rechtliches Problem sein, glaubt Lin. Denn die Autohersteller könnten möglicherweise dafür belangt werden, vorhandene Informationen nicht genutzt zu haben, um das Leben eines Menschen zu beschützen.

Lässt sich ein fahrerloses Auto hacken und austricksen? 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 53,99€ statt 69,99€
  2. (-33%) 39,99€
  3. 44,99€ + USK-18-Versand

chrulri 19. Mai 2014

Fazit: Geschwindigkeit welche von den Autos aufgrund des Verkehrsaufkommens berechnet...

Gizeh 19. Mai 2014

Das richtige wäre dennoch, der Motorradfahrer nicht zu involvieren, da dieser als...

Gizeh 19. Mai 2014

Das will ich sehen, wie das innerorts einer schafft, ohne auf dem Gehweg zu fahren.

Gizeh 19. Mai 2014

Korrekt, der Smart ist auf die Knautschzone des anderen Unfallteilnehmers angewiesen

Gizeh 19. Mai 2014

Fußgänger und Radfahrer können auch eine entsprechende App auf ihren Smartphones...


Folgen Sie uns
       


Reflections Raytracing Demo (RTX 2080 Ti vs. GTX 1080 Ti)

Wir haben die Reflections Raytracing Demo auf einer Nvidia Geforce RTX 2080 Ti und auf einer GTX 1080 Ti ablaufen lassen.

Reflections Raytracing Demo (RTX 2080 Ti vs. GTX 1080 Ti) Video aufrufen
HP Elitebook 840 und Toshiba Tecra X40: Es kann nur eines geben
HP Elitebook 840 und Toshiba Tecra X40
Es kann nur eines geben

Nicht nur Lenovo baut gute Business-Notebooks, auch HP und Toshiba haben Produkte, die vergleichbar sind. Wir stellen je ein Modell der beiden Hersteller mit ähnlicher Hardware gegenüber: das eine leichter, das andere mit überlegenem Akku - ein knapper Gewinner nach Punkten.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Portégé X20W-D-145 Toshiba stellt alte Hardware im flexiblen Chassis vor
  2. Tecra X40-E-10W Toshibas 14-Zoll-Thinkpad-Pendant kommt mit LTE
  3. Dell, HP, Lenovo AMDs Ryzen Pro Mobile landet in allen Business-Notebooks

Passwörter: Eine vernünftige Maßnahme gegen den IoT-Irrsinn
Passwörter
Eine vernünftige Maßnahme gegen den IoT-Irrsinn

Kalifornien verabschiedet ein Gesetz, das Standardpasswörter verbietet. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn es setzt beim größten Problem von IoT-Geräten an und ist leicht umsetzbar.
Ein IMHO von Hanno Böck

  1. Retrogaming Maximal unnötige Minis
  2. Streaming Heilloses Durcheinander bei Netflix und Amazon Prime
  3. Sicherheit Ein Lob für Twitter und Github

Xilinx-CEO Victor Peng im Interview: Wir sind überall
Xilinx-CEO Victor Peng im Interview
"Wir sind überall"

Programmierbare Schaltungen, kurz FPGAs, sind mehr als nur Werkzeuge, um Chips zu entwickeln: Im Interview spricht Xilinx-CEO Victor Peng über überholte Vorurteile, den Erfolg des Interposers, die 7-nm-Fertigung und darüber, dass nach dem Tape-out der Spaß erst beginnt.
Ein Interview von Marc Sauter

  1. Versal-FPGAs Xilinx macht Nvidia das AI-Geschäft streitig
  2. Project Everest Xilinx bringt ersten FPGA mit 7-nm-Technik

    •  /