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Autonome Autos: US-Regierung will nichtmenschliche Fahrer anerkennen

Das US-Verkehrsministerium überarbeitet seine Richtlinien für automatisierte Fahrzeuge und hat dabei festgelegt, dass es künftig unter Begriffe wie "Fahrer" oder "Operateur" auch automatisierte Systeme fasst. Ein spezielles Frequenzband soll doch für die Auto-zu-Auto-Kommunikation offen bleiben.

Artikel veröffentlicht am , Stefan Krempl
Autonomes Fahren
Autonomes Fahren (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Die US-Regierung weitet ihre Definition von Begriffen wie "Fahrer" oder "Operateur" deutlich aus. Darunter sollen künftig nicht mehr nur Menschen fallen, sondern auch automatisierte Systeme, wie aus einem jetzt veröffentlichten Regelwerk des US-Verkehrsministeriums hervorgeht. Gleichzeitig kündigte das Ressort Ausnahmen rund um bestimmte Sicherheitsstandards für solche Kernelemente von Roboterfahrzeugen an, die sich nur auf menschliche Fahrer beziehen. So sollen etwa für den Gebrauch von Pedalen, Bremsen, Spiegeln oder Lenkrädern unterschiedliche Vorgaben gelten, abhängig davon, ob ein Mensch oder ein Computer ein Auto steuert.

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Autohersteller müssen derzeit für eine Zulassung in den USA etwa 75 Sicherheitsvorschriften befolgen. Viele davon setzen voraus, dass ein Wagen von einem menschlichen Fahrer mit Führerschein gesteuert wird. Der US-Konzern General Motors hatte im Januar erstmals eine Sondergenehmigung beantragt, um selbstfahrende Autos ohne Lenkrad oder sonstige einschlägige Kontrollinstrumente auf die Straßen zu bringen.

Eines der übergreifenden Ziele des gut 50-seitigen Papiers ist es nun, die USA "proaktiv" auf das hochautomatisierte oder letztlich autonome Fahren vorzubereiten. Konkrete erweiterte Haftungsvorschriften für einschlägige Systeme will das Ressort aber trotz der prinzipiellen Anerkennung ihrer Fahrtüchtigkeit erst im Zusammenspiel mit der Industrie festlegen. Bis dahin gilt eine "freiwillige" Übereinkunft, auf die sich die US-Regierung mit Unternehmensvertretern geeinigt hat.

Car-to-Car-Kommunikation wird vorerst nicht direkt implementiert

Überhaupt soll die Selbstregulierung der Branche weiterhin eine große Rolle spielen. Auch die vorgelegte Initiative rund um "automatisierte Fahrzeuge 3.0" sei in engem Kontakt mit Interessensvertretern wie Autobauern und Technologieherstellern, Infrastrukturbetreibern, dem öffentlichen Personennahverkehr sowie den Bundesstaaten und Kommunen erarbeitet worden. Bevor neue Vorschriften kommen, soll die Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) zudem eine öffentliche Konsultation durchführen.

Mit dem Dokument will das Verkehrsressort auch "ergänzenden Technologien" wie der Auto-zu-Auto-Kommunikation den Weg bereiten, von denen es sich größere Vorteile bei der Automatisierung verspricht. So betont die Regierungseinrichtung, dass sie weiterhin die Möglichkeit für Verkehrssicherheitsanwendungen offenhalten wolle, das begehrte 5,9-GHz-Frequenzband zu nutzen. Voriges Jahr hatte es geheißen, dass das Ministerium sein einstiges Vorhaben, wonach Autos über ein Funkmodul per "Vehicle-to-Vehicle"-Kommunikation Daten etwa für Sicherheitswarnungen austauschen sollten, auf Eis gelegt habe.

Die EU hat das entsprechende Funkspektrum bereits 2008 für die Car-to-Car-Communication reserviert. Bis 2019 sollen laut einer Strategie für "kooperative intelligente Transportsysteme" auf dem alten Kontinent die Grundlagen dafür stehen, dass vernetzte Autos untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur kommunizieren können. Vor allem der Austausch etwa auch mit Ampeln war der US-Regierung aber von Anfang an zu teuer erschienen. Zudem machen in Washington Telekommunikationsfirmen Druck, die das 5,9-GHz-Band für breitbandiges mobiles Internet verwenden wollen. Ganz hat sich das Verkehrsministerium daher noch nicht entschieden. Es betont, dass mit dem beschrittenen Weg kein spezieller Ansatz "universell" implementiert werden solle.

Kritiker: Die Regierung springt zu kurz

Festgelegt hat das Ressort bereits, dass die staatliche Förderung von Testgeländen für automatisiertes Fahren wegfallen soll. Eine Liste mit zehn Kriterien für die finanzielle Unterstützung solcher Proberäume mit Steuergeldern fällt damit weg. Als Grund gibt das Ministerium an, dass immer mehr Testaktivitäten für mehr oder weniger selbstfahrende Autos an zahlreichen Orten aufgenommen würden. Damit sei es nicht mehr nötig, spezielle Regionen zu bevorzugen.

Bei automatisierten Fahrfunktionen denkt die US-Verkehrsverwaltung nicht nur an Pkw oder Lkw, sondern etwa auch an Schiffe oder Züge. Auch für diese Bereiche will sie daher neue spezifische Regeln ins Spiel bringen. Verkehrsministerin Elaine Chao hob das Potenzial selbstfahrender Autos hervor, die Zahl der Unfälle und Toten auf den Straßen gewaltig zu reduzieren. 2017 hätten knapp 40.000 Menschen in den USA ihr Leben im gesamten Verkehrssystem verloren. Die Republikanerin räumte aber ein, dass die Bevölkerung mit Blick auf die Sicherheit autonomer Fahrzeuge berechtigte Sorgen habe.

Aufsehen hatte im März ein tödlicher Unfall mit einem selbstfahrenden Auto von Uber in Arizona erregt. Dem Center of Auto Safety gehen die Regierungsvorschläge daher nicht weit genug. Trotz Toten, Unglücken und Zusammenstößen mit hochautomatisierten oder autonomen Fahrzeugen im ganzen Land beharre das Verkehrsministerium darauf, dass Deregulierung zu mehr Sicherheit führe, beklagte die US-Einrichtung. Das Potenzial der Technik sei riesig, entweder das Fahren deutlich geschützter zu machen oder es zu einem Desaster werden zu lassen. Der neue Aufschlag der Regierung falle daher viel zu wenig ambitioniert aus.

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norbertgriese 09. Okt 2018

Wenn da eine Frau mit Fahrrad totgefahren wird. Ist in diesem Fall überhaupt irgendwer...


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