IAA Mobility 2021: Verbrenner sind nichts mehr fürs Image, nur für den Umsatz

Die Autohersteller geben sich auf der diesjährigen IAA als industrieller Ableger von Greenpeace. Was bringt eine solche Messe überhaupt noch?

Eine Analyse von veröffentlicht am
Mercedes-Stern auf grüner Wiese: So ökologisch präsentieren sich die Autokonzerne auf der IAA 2021.
Mercedes-Stern auf grüner Wiese: So ökologisch präsentieren sich die Autokonzerne auf der IAA 2021. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

"Was einer recht auffällig ins Schaufenster legt, das führt er gar nicht", bemerkte Kurt Tucholsky einmal über die Kunst. Dieses "unumstößliche Gesetz" haben sich in diesem Jahr die Autohersteller als Motto für die IAA Mobility 2021 in München gewählt. In den Messehallen in Riem bedurfte es schon detektivischer Fähigkeiten, um überhaupt noch ein Verbrennermodell zu entdecken.

Inhalt:
  1. IAA Mobility 2021: Verbrenner sind nichts mehr fürs Image, nur für den Umsatz
  2. Stau auf der Umweltspur
  3. Söder will nicht zurück in die Steinzeit

Dabei werden die Konzerne die kommenden Jahre noch das meiste Geld mit Benzinern, Dieselautos und Plugin-Hybriden verdienen. Wie scheinheilig sich der Verband der Autoindustrie (VDA) als Veranstalter gebärdet, zeigt sich auch daran, dass er noch vor einem Monat auf seiner Website "Fakten gegen ein generelles Tempolimit" präsentierte. Und Hersteller wie Daimler lassen sich für den Verbrennerausstieg weiterhin ein Hintertürchen offen, solange sie diesen nur dann umsetzen wollen, "wenn es die Märkte erlauben".

Autoindustrie kann es niemandem recht machen

Zugegeben: Die Autohersteller können es derzeit niemandem recht machen. Zeigten sie auf der IAA ihre ganze Breite des Angebots, würden man ihnen technische Rückwärtsgewandtheit vorwerfen. Präsentieren sie wie in diesem Jahr nur ihre Elektroautos und futuristischen Studien, ist das für die Kritiker ein reines Greenwashing. Bezeichnend dazu die Bemerkung einer Besucherin, die nach der Besichtigung der Mercedes-Studie Vison Avtr zu ihrer Begleiterin sagte: "Hier zeigen sie die tollen Autos, aber in Wirklichkeit wollen sie nur ihren ollen Benz verkaufen."

  • Die IAA Mobility 2021 hat sich auch in der Münchner Innenstadt breitgemacht. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Auf dem Wittelsbacher Platz zeigt Porsche unter anderem den Taycan und die Rennsport-Studie Mission R. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Audi zeigt in diesem Messestand die Studie Grand Sphere sowie elektrische Pkw. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Den mit Abstand größten Stand hat Mercedes-Benz auf dem Odeonsplatz aufgebaut. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Auf einem Rundgang im ersten Stock stellt sich das Unternehmen als sehr umweltbewusst dar. (Foto: Friedhelm Greis)
  • BMW zeigt seine Elektroautos auf dem Max-Joseph-Platz. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Der Werbung für die IAA kann man in München kaum entkommen. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Ein starkes Polizeiaufgebot soll Störungen durch Demonstranten verhindern. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Die IAA-Kritiker haben auf der Theresienwiese ein Mobilitätscamp organisiert. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Mehr als 1.000 Teilnehmer wurden erwartet. (Foto: Friedhelm Greis)
  • Bündnisse wie Sand im Getriebe wollen eine Mobilität mit möglichst wenig motorisiertem Individualverkehr. (Foto: Friedhelm Greis)
Die IAA Mobility 2021 hat sich auch in der Münchner Innenstadt breitgemacht. (Foto: Friedhelm Greis)

Nun muss man Mercedes-Benz zugute halten, auf der IAA mit Abstand die meisten Neuheiten präsentiert zu haben. Darunter waren mit dem EQE und dem AMG-EQS immerhin zwei tatsächliche Produktionsfahrzeuge, die im Gegensatz zum ID.Life von VW oder Grand Sphere von Audi nicht nur im Messeschaufenster stehen. Was der Konzern aber auf dem Odeonsplatz im sogenannten Open Space aufgebaut hat, ist Greenwashing in Reinkultur.

Ökologisches Eigenlob oben, E-Autos unten

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Auf einer geschätzt 50 Meter langen und 25 Meter breiten Stahlkonstruktion gibt es einen Rundgang, der mit ökologischem Eigenlob nur so gespickt ist. Die Holztreppen zur zweiten Ebene sind gesäumt von grünem Rasen, während darunter die "ollen Benze" zu besichtigen sind. Natürlich nur die elektrischen Fahrzeuge der EQ-Familie. Vermutlich hat der Mercedes-Messestand so viel gekostet wie das Münchner Startup Sono Motors seit Jahren in die Entwicklung eines Elektroautos mit Solarzellen investieren konnte.

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

Ähnlich auffällig, wenn auch nicht ganz so opulent, präsentieren sich Audi und Porsche auf dem Wittelsbacherplatz vor der Siemens-Zentrale. Auch dort erhält der unbedarfte Besucher den Eindruck, dass die beiden Oberklasse-Marken von Volkswagen fast nur noch Elektroautos im Angebot haben. Etwas dezenter zeigt BMW auf dem Max-Joseph-Platz seinen voll recycelten BMW i Vision Circular, dem auch die neuen i4 und iNext zur Seite gestellt sind. Für den grünen Touch sorgten Kübelbäume, die um den kompletten Stand herum aufgestellt wurden.

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Stau auf der Umweltspur 
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Thorgil 17. Sep 2021 / Themenstart

Sowohl als auch.

koelnerdom 11. Sep 2021 / Themenstart

Soweit ich weiß, zeichnet es Wissenschaft und auch das Ingenieurswesen aus, das geforscht...

gaym0r 10. Sep 2021 / Themenstart

Macht er noch was anderes als Autofahren? Das sind bei 365 Tagen noch fast 300km am...

Weitsicht0711 09. Sep 2021 / Themenstart

Das weiß ich leider nicht, wäre aber gut wenn dies so wäre.

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