Stau auf der Umweltspur
Natürlich ist es an sich sinnvoll, nicht nur zahlenden Besuchern auf dem Messegelände, sondern auch der breiten Bevölkerung die neuesten Entwicklungen der Elektromobilität näher bringen zu wollen. Diesem Zweck diente auch die Blue Lane, auf der Messebesucher mit "neuesten Fahrzeugen" zwischen Messegelände und Innenstadt pendeln sollten. "Die Blue Lane ist eine Strecke im Charakter einer Umweltspur - für jedermann nutzbar, der passende Fahrzeuge fährt", heißt es bei der IAA. Dazu zählen emissionsfreie Fahrzeuge, ÖPNV oder Autos mit mindestens drei Insassen.
Doch nach Angaben der Süddeutschen Zeitung ist das Konzept ein Flop. Die "Blaue Linie", die de facto gelb sei, scheine die Autofahrer "magisch anzuziehen". Dort bilde sich ein Stau, "weil wie immer zu viele Autos in die Stadt wollen". Dabei gibt es die Möglichkeit, einfach mit der U-Bahn vom Messegelände in die Stadt zu fahren.
Kritiker fordern echte Verkehrswende
Genau das ist eine der Hauptkritikpunkte der IAA-Gegner an der Autoindustrie. Nicht nur, dass sie ihre tatsächlichen Umsatzbringer versteckten. Darüber hinaus verharre die Messe bei ihrem Fokus auf motorisiertem Individualverkehr, der unökologisch sei, die Straßen verstopfe und den öffentlichen Raum mit Parkplätzen belege. Alternative Verkehrskonzepte suche man hingegen vergeblich. Die IAA-Gegner haben auf der Theresienwiese, auf der auch das Oktoberfest normalerweise stattfindet, ein Mobilitätscamp aufgebaut.
Im Gespräch mit Golem.de verweisen Aktivisten wie Elena darauf, dass im Verkehrssektor die Emissionen nicht gesunken, sondern gestiegen seien. Die Autoindustrie habe kein echtes Interesse an einer Verkehrswende und setze nicht auf die Konzepte, die erforderlich seien. Eine Aktivistin vom Bündnis Sand im Getriebe stört sich daran, dass auf der IAA in zwei Hallen E-Bikes in den Vordergrund geschoben würden, während es der Autoindustrie im Hintergrund nur darum gehe, ihre SUVs, Verbrenner und "dreckigen E-Autos" zu verkaufen. Ehrlicher wäre es daher, wenn die Verbrenner auch wirklich gezeigt würden.
Lieblose E-Bike-Ausstellung
Die Okkupierung des öffentlichen Raums durch die Autohersteller in der Münchner Innenstadt gefällt den Aktivistinnen ebenfalls nicht. Denn im Gegensatz dazu seien den Camp-Organisatoren viele Steine in den Weg gelegt worden. So mussten diese erst vor Gericht durchsetzen, die Teilnehmer mit einer Feldküche verpflegen zu können.
Warum in zwei Messehallen ziemlich lieblos aufgereiht E-Bikes präsentiert werden, ist in der Tat nicht ganz nachvollziehbar. Zumal es einen Monat später mit den E-Bike-Days München dort ohnehin eine Spezialmesse gibt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reagierte als eine Art Gastgeber geradezu pampig auf die Kritik der IAA-Gegner.
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| IAA Mobility 2021: Verbrenner sind nichts mehr fürs Image, nur für den Umsatz | Söder will nicht zurück in die Steinzeit |










Sowohl als auch.
Soweit ich weiß, zeichnet es Wissenschaft und auch das Ingenieurswesen aus, das geforscht...
+1
Macht er noch was anderes als Autofahren? Das sind bei 365 Tagen noch fast 300km am...