Automatisiertes Fahren: Bosch vereint Infotainment und Fahrassistenz auf einem Chip
Der integrierte SoC von Bosch soll Bauraum und Verkabelung in modernen Autos einsparen.
Der Automobilzulieferer Bosch will künftig die Funktionen verschiedener Fahrzeugdomänen mit einem einzigen Rechner steuern. "Wir möchten die Komplexität der Elektroniksysteme im Auto verringern und diese gleichzeitig so sicher wie möglich machen", sagte Geschäftsführer Markus Heyn laut Pressemitteilung vom 5. Dezember 2023.
Daher wolle Bosch auf der CES in Las Vegas "im Januar 2024 als weltweit erster Automobilzulieferer die Fusion von Infotainment- und Fahrerassistenzfunktionen in einem Software-intensiven Zentralrechner und einem SoC demonstrieren". Mittelfristiges Ziel sei es, "noch mehr automatisierte Fahrfunktionen auch ins Kleinwagen- und Mittelklassesegment zu bringen", sagte Heyn.
Nach Einschätzung von Bosch sollen künftig wenige zentrale Fahrzeugcomputer mehrere Systemfunktionen aus bisher getrennten Domänen vereinen. Solche Domänen sind beispielsweise der Antriebsstrang und das Fahrwerk, die Karosserie mit Komfortfunktionen, das Infotainment, die Assistenzsysteme und die Vernetzung. Dazu will Bosch neue Rechner entwickeln, die mit einem leistungsfähigen Prozessor, einem System-on-Chip (SoC), arbeiten.
Soft- und Hardware nach dem Baukastenprinzip
Bosch will damit "die Komplexität der Elektroniksysteme im Auto verringern und diese gleichzeitig so sicher wie möglich machen". Der neue Rechner, "Cockpit & ADAS Integration Platform" genannt, soll diverse Funktionen aus den beiden Domänen Infotainment und Fahrerassistenz gleichzeitig verarbeiten. Dazu gehörten das automatisierte Parken oder die Fahrspurerkennung in Kombination mit intelligenter und personalisierter Navigation und Sprachassistenz. Nach Darstellung Heyns werden solche zentralisierten Rechner künftig sämtliche Domänen in den Fahrzeugen steuern und die derzeit hohe Anzahl einzelner Steuergeräte reduzieren.
Darüber hinaus will Bosch es den Autoherstellern ermöglichen, Soft- und Hardware für ihre Fahrzeuge nach dem Baukastenprinzip zusammenzustellen. "Unsere Software läuft auf Chips verschiedener Hersteller. Somit lassen sich Soft- und Hardware voneinander entkoppeln", sagt Heyn. Das Unternehmen wolle es zudem ermöglichen, Software-Bausteine aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen.
Bosch geht laut Mitteilung davon aus, dass der Markt für Automobilsoftware bis 2030 ein Volumen von rund 200 Milliarden Euro erreichen wird. Im Bereich der Fahrzeugcomputer für Infotainment- und Fahrerassistenzsysteme erwartet das Unternehmen ein Marktvolumen von 32 Milliarden Euro im Jahr 2030.