Automatikteleskop Vespera im Test: Klein, leicht und mit einigen Überraschungen

Kleiner, leichter und damit portabler als der Vorgänger: Die französische Firma Vaonis hat nach dem Stellina ihr zweites Automatikteleskop Vespera auf den Markt gebracht. Für Menschen, die einen Blick in den Nachthimmel werfen wollen, ohne sich tiefer mit der Technik hinter Teleskopen oder Astrofotografie auseinandersetzen zu wollen, ist das Teleskop sehr gut geeignet. Aber auch für fortgeschrittene Sternengucker oder Profiastrofotografen hält das Gerät einige Überraschungen bereit.
Ehe wir das Teleskop in der Praxis testen, zunächst ein Blick auf die Details: Das optische Instrument ist ein apochromatischer Quadruplet-Refraktor mit 200 mm Brennweite und 50 mm Öffnung und damit einem Öffnungsverhältnis von f/4. Als Glas kommt S-FPL52-Lanthan-Glas zum Einsatz. Somit haben wir im Vergleich zum Stellina mehr Glaselemente im Teleskop.
Die Brennweite ist deutlich kürzer als beim Vorgängermodell, trotzdem haben beide Teleskope ein sehr ähnliches Bildfeld, denn beim neuen Vespera kommt ein deutlich kleinerer Kamerasensor zum Einsatz. Der IMX462 von Sony hat eine Auflösung von 2,1 Megapixeln in einem 16:9-Seitenverhältnis mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Ein einzelnes Pixel ist 2,9 µm groß.















Das ist in meinen Augen tatsächlich der größte Minuspunkt, denn mit 200 mm f/4 und einem etwas größeren Sensor mit einer höheren Auflösung (zum Beispiel dem IMX178) hätte man ein tolles Weitfeldteleskop bauen können. Große Objekte wie die Andromedagalaxie, die Plejaden und verschiedene große, helle Nebel wären damit auf einem Bild abbildbar gewesen. Zudem hätte das auch etwas längere Belichtungszeiten ermöglicht. Auch das Full-HD-Seitenverhältnis von 19:6 ist nicht ideal, vor allem da man den Bildausschnitt nicht rotieren kann. Allerdings hat Vaonis es geschafft, diesen Umstand sehr geschickt und vor allem ohne Anpassung der Hardware in der Steuersoftware des Teleskops deutlich zu verbessern. Diese wichtige Erweiterung, die aktuell einzigartig für derartige Geräte auf dem Markt ist, sehen wir uns daher später noch genauer an.
Die Montierung ist wie beim Vorgänger eine azimutale Variante. Vorteil: Sie muss nicht eingenordet werden. Nachteil ist wie beim Stellina-Teleskop die Feldrotation, die über die Zeit das Bildobjekt im Bild rotieren lässt und somit die maximale Belichtungszeit beschränkt. Das sind hier 10 Sekunden und damit für astrofotografische Verhältnisse eher wenig.
Die Stromversorgung erfolgt über einen eingebauten Akku, der das Gerät für mehrere Stunden mit Strom versorgen kann. Der Akku ist nicht wechselbar, was schade ist. Ist der Akku wie bei einem unserer Testgeräte defekt, muss man das Teleskop wieder zum Hersteller schicken. Laut Vaonis ist der Vorteil einer fest verbauten Batterie, dass der Versand vor allem international deutlich einfacher ist.

Der Stromanschluss am Teleskop ist magnetisch und erinnert ein wenig an Apples Magsafe-Stecker, ist allerdings mit diesen nicht kompatibel - leider auch mit keinem anderen System. Wenn man das Ladekabel zu Hause vergessen hat, ist ein einfaches Nachladen unterwegs leider nicht möglich. Hier wäre ein normaler USB-C-Anschluss deutlich praktischer, wenn auch weniger schick gewesen.
Die aufgenommenen Bilddaten werden auf einem internen 10-GByte-Speicher gesichert. Der Zugriff darauf geht nur per WLAN und FTP. Einfache Aufgaben wie das Löschen von Daten, um Platz zu schaffen, können auch über die App erledigt werden. Die Einzelbilder einer Aufnahme können als JPEG, TIFF oder auch in dem in der Astrofotografie üblichen FITS-Format(öffnet im neuen Fenster) gespeichert werden.
Zusätzlich zur Grundausstattung gibt es noch weiteres Zubehör, das separat erworben werden kann, zum Beispiel einen Rucksack für den sicheren Transport auch über größere Strecken. Weiterhin sind verschiedene Filter erhältlich, die vor die Frontlinse des Teleskops montiert werden können. Die Montage erfolgt ohne Werkzeug und geht einfach und schnell von der Hand.
Die Filter sind kodiert. Somit sind Teleskop und Steuerungsapp in der Lage zu erkennen, welcher Filter vor der Linse sitzt, und können die Aufnahmeeinstellungen entsprechend anpassen. Weiterhin gibt es einen Feuchtigkeitssensor, der auch an der Front des Teleskops angebracht werden kann. Dieser muss mit einem beiliegenden Schraubendreher befestigt werden.
So schlägt sich das Vespera in der Praxis
Beim Auspacken fällt auf, dass das Vespera tatsächlich sehr viel kompakter und leichter ist als sein Vorgänger. Der Aufbau ist einfach und geht schnell von der Hand. Das Stativ besteht aus einer Grundplatte, an welche die drei Fußstangen angeschraubt werden. Die Grundplatte selbst wird an die Basis des Teleskops geschraubt und das Ganze dann auf den Boden gestellt.
Es gibt eine kleine Wasserwaage, die per Magnet an die ebenfalls magnetische Stromanschlussbuchse andockt und hilft, das Stativ waagerecht auszurichten. Wer den optionalen CLS-Filter zur Verfügung hat, der die Auswirkungen der Lichtverschmutzung am Himmel mindert, kann diesen auch in wenigen Sekunden vor der Frontlinse des Teleskops durch einfaches Einklicken montieren.
Damit sind die Vorbereitungen auch schon abgeschlossen. Nun wird noch der berührungsempfindliche Einschalter auf der Seite des Teleskops aktiviert und das Vespera erwacht zum Leben. Vom Öffnen des Transportrucksacks bis zum Einschalten ist der Aufbau in ein bis zwei Minuten erledigt - beeindruckend schnell. Das ist tatsächlich einer der großen Vorteile solcher Systeme, denn mit meinem eigenen Astrofoto-Set-up bin ich da deutlich langsamer.
Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit dem Thema Astrofotografie und habe im Lauf der Zeit einiges an Equipment für verschiedene Einsatzzwecke angesammelt. Sie haben eines gemeinsam: Der Aufbau und das genaue Einrichten kostet Zeit und braucht auch einiges an Erfahrung, um gute Ergebnisse zu erzielen. Das Vespera ist so schnell einsatzbereit, dass es Aufnahmen ermöglicht, die sonst aus Zeitmangel gar nicht entstanden wären.
Das Bild vom Orionnebel ist an einem frühen Morgen im Oktober entstanden, an dem ich eigentlich gar keine Zeit für Astrofotos gehabt hätte. Wegen eines Termins bin ich sehr früh aufgestanden. Kurz vor der Winterzeitumstellung ist es morgens noch lange dunkel und beim Aufstehen sah ich den Orion bei klarem Himmel über meiner Auffahrt stehen. Innerhalb von fünf Minuten war das Vespera einsatzbereit und machte Bilder, während ich meiner Morgenroutine nachging. 30 Minuten später sammelte ich das Teleskop wieder ein und machte mich auf den Weg zu meinem Termin.















Die Bildqualität ist in Anbetracht der verwendeten Hardware gut, auch wenn bei längeren Belichtungen helle Bereiche und Sterne im Bild gern einmal etwas ausbrennen. Die Auflösung ist mit 2 Megapixeln recht begrenzt, was sich bemerkbar macht, wenn man die Bilder vergrößert.
Technisch liegt das Vespera mit seinen Ergebnissen sicher hinter einem dedizierten Set-up für die Astrofotografie zurück, auch wenn die Komponenten in Summe sogar zu einem ähnlichen Preis wie das Vespera zu haben sind. Was das Vespera allerdings mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser macht, ist die Möglichkeit, dieses faszinierende Hobby mit Freunden oder der Familie zu teilen.
Schulen nutzen Geräte wie diese, um Kindern den Nachthimmel nicht nur in der Theorie näherzubringen. Freunde und Verwandte sind von den Bildern, die ich durch mein Hobby teilen kann, fasziniert, aber die wenigsten wollen sich mit den technischen Details auseinandersetzen. Eine Astrofotonacht ist für die meisten eher langweilig. Das hat sich in der Zeit, in der ich das Vespera testen konnte, aber tatsächlich geändert: kein langes Warten oder endlose Erklärungen, wie etwas funktioniert.
Aufstellen, App zeigen, das Teleskop bewegt sich und einige Minuten später werden Himmelsobjekte quasi live sichtbar, die man so selbst mit einem Teleskop nicht mit bloßem Auge erkennen kann. Das Vespera macht es leicht, das Thema Astronomie und Astrofotografie auch für Laien erlebbar zu machen.
Eine App für alle
Gesteuert wird das Vespera (wie auch das Stellina- und Hyperion-Teleskop) mit der Singularity-App von einem Mobiltelefon oder einem Tablet (iOS oder Android). Nach dem Einschalten erzeugt das Gerät ein eigenes WLAN, mit dem man das Mobilgerät koppeln muss. Danach kann die Singularity-App sich mit dem Teleskop verbinden.
Bevor man jedoch mit dem Beobachten beginnen kann, muss in der App eine virtuelle Sternwarte angelegt oder, wenn schon vorhanden, ausgewählt werden. Somit lassen sich innerhalb der Anwendung verschiedene Beobachtungsplätze mit den jeweiligen GPS-Koordinaten und der Höhe über dem Meeresspiegel verwalten.
Leider muss man einen Account anlegen, um die App zu nutzen. Das ist zwar kein großes Problem, allerdings erschwert es die gemeinsame Nutzung des Teleskops, zum Beispiel in einer Gruppe während einer Beobachtungsnacht. Es wäre schön, wenn man ohne Account zumindest einen eingeschränkten Zugriff hätte und den aktuellen Status und das aktuelle Bild sehen könnte.
Der erste Schritt einer Beobachtungssession ist das Initialisieren. Dabei fährt der Teleskoparm, der sich seitlich an der Basis des Teleskops befindet, nach oben und die Steuerung beginnt, Bilder des Nachthimmels aufzunehmen. Diese werden mit den GPS-Koordinaten und der aktuellen Uhrzeit, die über die App übertragen werden, mit dem aufgenommenen Ausschnitt des Himmels abgeglichen und das Teleskop kann bestimmen, wohin genau es am Himmel zeigt.
Der zweite Schritt erfolgt dabei automatisch: das Fokussieren. Dabei wird intern eine Reihe von Bildern erstellt, zwischen denen die Fokuslage immer wieder minimal angepasst wird. Anhand der Größe und Form der Sterne innerhalb der aufgenommenen Bilder wird dann das Optimum für den Fokus ermittelt und eingestellt.















Tatsächlich ist die Steuerung über ein Mobilgerät ein ziemlich cleverer Ansatz, denn somit können neue Features auch nachträglich über Updates hinzugefügt werden (teilweise auch zusammen mit entsprechenden Updates der Firmware des Teleskops), welche die Möglichkeiten des Systems deutlich erweitern. Wie gut das geht, hat Vaonis mit den letzten Erweiterungen gezeigt, die wir uns später noch im Detail anschauen.
Einmal initialisiert, kann über einen eigenen Bereich der App ein Beobachtungsziel ausgewählt werden. Die Auswahl lässt sich filtern, etwa nach Galaxien, Nebeln oder auch Sternenhaufen.















Weiterhin können auch Koordinaten direkt eingegeben werden, wenn ein Objekt noch nicht in dem aktuell über 300 Objekte umfassenden Katalog vorhanden ist. Für Planeten ist das Teleskop nicht gut geeignet, da die Brennweite für so kleine Objekte nicht ausreichend ist.
Erstes Automatikteleskop zur Sonnenbeobachtung
Über einen Planungsmodus ist es möglich, verschiedene Objekte über die Nacht verteilt automatisch anzufahren und zu beobachten. Die Planungsansicht zeigt dabei auch, in welcher Himmelsrichtung und wie hoch über dem Horizont die einzelnen Objekte sein werden.















Ist ein Objekt ausgewählt, fährt das Teleskop den entsprechenden Ausschnitt am Himmel an und beginnt, einzelne Bilder von je zehn Sekunden zu belichten. Jedes neue Bild wird dabei mit den vorherigen Bildern automatisch verrechnet, was über die Zeit ein immer besseres und detailreicheres Gesamtbild ergibt. Der Fortschritt kann über die Anzeige in der App verfolgt werden.
Allerdings muss das Mobilgerät nicht die ganze Zeit mit dem Vespera verbunden sein. Das Teleskop agiert autark und lediglich für den aktuellen Status und Anzeige der aktuellen Aufnahme ist eine Verbindung notwendig. Somit kann man das Teleskop zum Beispiel im Garten seine Arbeit machen lassen und kann selbst drinnen im Warmen sitzen.
Einige der erweiterten Funktionen wie das spezifische Einstellen der Belichtungszeit, die Lichtempfindlichkeit des Sensors oder das Erstellen von Kalibrierungsbildern sind aktuell noch den Stellina-Nutzern vorbehalten, aber auch hier können die Vespera-Besitzer im Zuge der kommenden Updates neue Funktionen erwarten.
Vor einiger Zeit hat Vaonis sowohl für das ältere Stellina als auch für das Vespera Updates und Erweiterungen veröffentlicht, welche die Möglichkeiten zum Beobachten deutlich erweitern. Als erstes Update für die App und die Firmware des Teleskops wurde die Möglichkeit geschaffen, nicht nur den Sternenhimmel, sondern auch die Sonne zu beobachten. Dazu benötigt man allerdings den optional erhältlichen Sonnenfilter.
Wird dieser vor der Frontlinse angebracht, erkennt das Teleskop den Filter und die App ermöglicht das Beobachten der Sonne. Da am Tag keine automatische Ausrichtung des Teleskops möglich ist, bedarf es hier ein wenig Handarbeit und etwas Geschick beim vorsichtigen Ausrichten des Teleskoparms. Ist die Sonne einmal im Blickfeld, übernimmt das Teleskop automatisch das Fokussieren und das Nachverfolgen der Sonne.
Soweit ich das herausfinden konnte, sind die Teleskope von Vaonis die ersten Automatikteleskope, die eine direkte Sonnenbeobachtung ermöglichen. Das Update gibt es auch für das Vorgängermodell Stellina. Das ist ein großes Plus für Vaonis und wurde von den Stellina-Nutzern zum Beispiel in der offiziellen Facebook-Gruppe von Vaonis sehr positiv aufgenommen. Denn man hat hier nicht versucht, mit einem tollen neuen Feature bestehende Kunden zu einem Neukauf zu drängen.















Mit Hilfe des Vespera war es mir sogar möglich, in meiner Mittagspause die partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober 2022 zu beobachten - zumindest bis die dichte Wolkendecke jedwede Beobachtung verhindert hat.















Die aufgenommenen Sonnenbilder werden nicht gestackt, können aber als TIFF-Bild aus der App exportiert werden. Hat man das Speichern der Einzelbilder aktiviert, werden alle Bilder (circa ein Bild pro Sekunde) als JPEG-Dateien auf dem Gerät gespeichert. Leider gibt es aktuell keine Möglichkeit, die Einzelbilder im besseren FITS- oder TIFF-Format ablegen zu lassen.
Dass es sich lohnt, viele Einzelbilder auch bei der Sonnenbeobachtung in der Nachbearbeitung zu kombinieren, zeigt das folgende Bild. Hier sieht man ein Gesamtbild, das aus den besten 25 Prozent von hunderten Einzelbildern (leider nur JPEGs) erstellt wurde. Man erkennt sehr deutlich, wie das Bild an Details und Schärfe gewinnt.















Wenn das Bildfeld zu klein ist: Mosaikaufnahmen
Am Anfang des Artikels habe ich das Seitenverhältnis und die recht geringe Pixelauflösung des Kamerasensors bemängelt. Das hat auch weiter Bestand, allerdings hat es Vaonis mit einem weiteren Firmware- und App-Update geschafft, diesen "Mangel" deutlich zu mildern. In einer aktuell noch im Betastadium veröffentlichten Erweiterung kann nun in der App ein deutlich größerer Bildausschnitt für die Beobachtung ausgewählt werden, als der Kamerasensor abdecken kann.















Außerdem vergrößert sich die Bildauflösung von den nativen 2 Megapixeln auf bis zu 8 Megapixel im Gesamtbild. Covalens(öffnet im neuen Fenster) nennt Vaonis das Verfahren. Im Grunde handelt es sich um einen Mosaikmodus, bei dem mehrere Bilder neben- und übereinander gemacht werden, die dann zu einem größeren Gesamtbild zusammengesetzt werden.
Allerdings erfolgt die technische Umsetzung dieser Erweiterung, die es ebenfalls sowohl für das Vespera als auch für das Stellina gibt, ein wenig anders als ein klassisches Mosaik. In der langen Serie von Einzelbildern einer Beobachtung wird von Bild zu Bild bewusst eine geringe Abweichung erzeugt. Die einzelnen Bilder überlappen einander aber zu einem sehr großen Teil. Der Bildausschnitt kreist also quasi langsam in immer größeren Abständen um das zentrale Bild. Das hat gleich mehrere Vorteile.
Erstens bekommt der zentrale Teil der Bilder und damit in der Regel das Beobachtungsobjekt die meiste Belichtungszeit ab, da hier die meisten Einzelbilder im Vergleich zu den Randbereichen einander überlappen. Das verbessert die Details und mindert das Bildrauschen in diesem Teil des Bildes.
Zweitens kann die Beobachtung, die über mehrere Stunden laufen kann, jederzeit abgebrochen werden, da das Bild schrittweise von der Mitte aus aufgebaut wird. Es fehlen gegebenenfalls die Randbereiche beziehungsweise haben diese mehr Bildrauschen aufgrund der kürzeren Gesamtbelichtungszeit. Es fehlen aber keine ganzen Bildteile, wie es bei einem Mosaik passieren würde, das aus einzelnen Bildkacheln aufgebaut ist.
Der dritte Vorteil ist eine Verringerung eines Effekts, der als Walking Noise bezeichnet wird. Aufgrund der Drehung des Bildfeldes (Feldrotation), die durch die azimutale Montierung des Teleskops entsteht, bilden sich im verrechneten Gesamtbild häufig bestimmte Muster im Bildrauschen, die durch das Rauschen des Kamerasensors entstehen.
Durch das ständige leichte Verschieben des Bildausschnittes liegen aber nie beziehungsweise nur sehr selten die gleichen Pixel des Sensors bei der Verrechnung übereinander. Die Rauschmuster mitteln sich somit zu einem großen Teil aus und der Bildhintergrund im Gesamtbild ist somit deutlich einheitlicher und homogener.
Wie gut das funktioniert, zeigt das Bild vom Pferdekopf und Flammennebel.















Das Bild entstand an einem Abend mit ungefähr zwei Stunden Aufzeichnungsdauer. Dabei zeigen Bild 11 und Bild 12 sehr gut, wie sich das Bildfeld innerhalb von zehn Minuten Beobachtungszeit deutlich erweitert und die Bildqualität im Zentrum des Bildes deutlich zugenommen hat.















Das Team hinter den Produkten
Eine lange vor dem Vespera-Test geplante private Rundreise durch Frankreich im Herbst 2022 führte mich auch in die Nähe von Montpellier, dem Firmensitz von Vaonis, der Firma der Vespera-, Stellina- und Hyperion-Teleskope. Also habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.















Seit meinem ersten Test des Stellina-Teleskops ist die Firma auf über 30 Mitarbeiter gewachsen und kürzlich in neue, modernere und größere Räumlichkeiten gezogen.















Das zeigt, dass es offensichtlich einen wachsenden Markt für solche Produkte gibt. Es gibt einen großen offenen Büroraum, der einen guten Austausch untereinander ermöglicht. Die Meetingräume sind nach den Planeten unseres Sonnensystems benannt und ihre Größe spiegelt die Größe der Planeten wider. Es gibt einen eigenen Bereich für den Support und für Produktentwicklung und auch ein gut ausgestattetes Labor für Fehleranalysen.
Auf der großen Terrasse stehen mehrere Vespera- und Stellina-Teleskope zum Testen von neuen Erweiterungen - leider aber kein Hyperion, wie ich insgeheim gehofft hatte.















Leider verhindern Wolken an diesem Nachmittag, dass ich den neuen Sonnenbeobachtungsmodus vor Ort ausprobieren kann. Für mich überraschend werden die Teleskope in der Nähe des Firmensitzes bei einer Partnerfirma montiert. Die Geräte werden also in Frankreich gefertigt.
Auf einer Fertigungsstraße arbeiten Mitarbeiter an einzelnen Schritten beim Zusammenbau der komplexen Geräte. Sehr viele Stationen dienen auch zum Testen, um frühzeitig Fehler oder Abweichungen bei der Fertigung zu erkennen.
Beeindruckend finde ich den Teststand für die Autofokuseinheit, nachdem das Teleskop im Rohzustand montiert ist. Hier wird nicht nur geprüft, ob das Autofokussystem präzise arbeitet, auch optische Abweichungen des Teleskops werden genau gemessen. Zudem wird geprüft, ob sie sich innerhalb der vorgegebenen Toleranzen bewegen. Leider war das Fotografieren in der Fertigung nicht erlaubt.
Automatikteleskop Vespera: Verfügbarkeit und Fazit
Das Vespera kostet regulär 2.499 Euro und ist über verschiedene Reseller weltweit verfügbar(öffnet im neuen Fenster) . Bis zum 25. Dezember 2022 ist der Preis auf 1.999 Euro reduziert. Damit liegt das Vespera preislich zwischen den beiden dedizierten Astrofotografie-Set-ups, die wir in unserem Stellina-Artikel (g+) als Alternative vorgestellt haben.
Fazit
Ich muss zugeben, ich war am Anfang schon etwas skeptisch bezüglich der Bildqualität aufgrund des verwendeten Sensors. Und obwohl die ersten Testbilder recht gut waren, zeigten sie doch auch die Einschränkungen des 16:9-Bildformates und der fehlenden Möglichkeit, den Bildausschnitt zu rotieren. Zusammen mit dem recht engen Bildfeld ist es schwer, große Objekte wie die Andromeda-Galaxie oder die Plejaden vollständig ins Bild zu bekommen.
Die gute Verarbeitungsqualität und die sehr einfache Bedienung sind auf jeden Fall ein großes Plus und zeigen auch sehr deutlich, welche Zielgruppe diese Geräte bedienen sollen.
Wer sich nicht mit der komplexen Technik hinter der Astrofotografie auseinandersetzen will, oder einen einfachen Einstieg in die Himmelsbeobachtung sucht, für den ist das Vespera ein guter Start. Es ist leicht, transportabel, schnell aufgebaut und sehr einfach zu bedienen. Ich habe mich selbst dabei "erwischt", dass mir an manchen Abenden für das "große Set-up" einfach Zeit und Ruhe gefehlt haben und ich stattdessen lieber schnell mal noch das Vespera in den Garten gestellt habe - einfach, um einen sternenklaren Abend nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
Mit den Updates zur Sonnenbeobachtung und dem neuen Mosaikmodus, der die Nachteile des Sensors praktisch aufhebt, erweitern sich die Nutzungsmöglichkeiten drastisch. Das Teleskop ist am Tag nutzbar und in der Nacht können nun auch größere Beobachtungsziele in einem Bild sogar mit einer größeren Gesamtauflösung aufgenommen werden.
Gerade die Möglichkeit, das Teleskop in einem gewissen Rahmen erweitern zu können, zum Beispiel durch neue Filter oder zusätzliche Beobachtungsmethoden, machen das Gerät - zusammen mit der einfachen und schnellen Handhabung - aus meiner Sicht auch für fortgeschrittene Nutzer und gegebenenfalls sogar Profis interessant.
Mir hat es Spaß gemacht, mit dem Vespera zu arbeiten. Es ist superschnell aufgebaut, man sieht deutlich mehr Details und Farben von Objekten am Himmel, als man durch ein Teleskop mit bloßem Auge sehen könnte. Die Bedienung ist wirklich einfach und das Setzen unterschiedlicher Filter vor das Objektiv ist durch das einfach Klick-System auch technisch gut gelöst.
Gerade das Erlebnis "Sterne gucken" zusammen mit Freunden oder der Familie gelingt mit Geräten wie dem Vespera wirklich gut. Schließlich muss man sich nicht ständig um die Technik kümmern, sondern kann die Zeit zusammen nutzen, während das Vespera stetig tolle Bilder des Nachthimmels zum gemeinsamen Betrachten liefert. Wenn man möchte, kann man also quasi mit Freunden am Himmel spazieren gehen.



