Automatikteleskop Vespera im Test: Klein, leicht und mit einigen Überraschungen
Schnell und einfach einsatzbereit: Das Automatikteleskop Vespera spricht vor allem Neulinge in der Astrofotografie an, aber ist es auch etwas für Fortgeschrittene oder Profis?
Kleiner, leichter und damit portabler als der Vorgänger: Die französische Firma Vaonis hat nach dem Stellina ihr zweites Automatikteleskop Vespera auf den Markt gebracht. Für Menschen, die einen Blick in den Nachthimmel werfen wollen, ohne sich tiefer mit der Technik hinter Teleskopen oder Astrofotografie auseinandersetzen zu wollen, ist das Teleskop sehr gut geeignet. Aber auch für fortgeschrittene Sternengucker oder Profiastrofotografen hält das Gerät einige Überraschungen bereit.
Ehe wir das Teleskop in der Praxis testen, zunächst ein Blick auf die Details: Das optische Instrument ist ein apochromatischer Quadruplet-Refraktor mit 200 mm Brennweite und 50 mm Öffnung und damit einem Öffnungsverhältnis von f/4. Als Glas kommt S-FPL52-Lanthan-Glas zum Einsatz. Somit haben wir im Vergleich zum Stellina mehr Glaselemente im Teleskop.
Die Brennweite ist deutlich kürzer als beim Vorgängermodell, trotzdem haben beide Teleskope ein sehr ähnliches Bildfeld, denn beim neuen Vespera kommt ein deutlich kleinerer Kamerasensor zum Einsatz. Der IMX462 von Sony hat eine Auflösung von 2,1 Megapixeln in einem 16:9-Seitenverhältnis mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Ein einzelnes Pixel ist 2,9 µm groß.
Das ist in meinen Augen tatsächlich der größte Minuspunkt, denn mit 200 mm f/4 und einem etwas größeren Sensor mit einer höheren Auflösung (zum Beispiel dem IMX178) hätte man ein tolles Weitfeldteleskop bauen können. Große Objekte wie die Andromedagalaxie, die Plejaden und verschiedene große, helle Nebel wären damit auf einem Bild abbildbar gewesen. Zudem hätte das auch etwas längere Belichtungszeiten ermöglicht. Auch das Full-HD-Seitenverhältnis von 19:6 ist nicht ideal, vor allem da man den Bildausschnitt nicht rotieren kann. Allerdings hat Vaonis es geschafft, diesen Umstand sehr geschickt und vor allem ohne Anpassung der Hardware in der Steuersoftware des Teleskops deutlich zu verbessern. Diese wichtige Erweiterung, die aktuell einzigartig für derartige Geräte auf dem Markt ist, sehen wir uns daher später noch genauer an.
Die Montierung ist wie beim Vorgänger eine azimutale Variante. Vorteil: Sie muss nicht eingenordet werden. Nachteil ist wie beim Stellina-Teleskop die Feldrotation, die über die Zeit das Bildobjekt im Bild rotieren lässt und somit die maximale Belichtungszeit beschränkt. Das sind hier 10 Sekunden und damit für astrofotografische Verhältnisse eher wenig.
Die Stromversorgung erfolgt über einen eingebauten Akku, der das Gerät für mehrere Stunden mit Strom versorgen kann. Der Akku ist nicht wechselbar, was schade ist. Ist der Akku wie bei einem unserer Testgeräte defekt, muss man das Teleskop wieder zum Hersteller schicken. Laut Vaonis ist der Vorteil einer fest verbauten Batterie, dass der Versand vor allem international deutlich einfacher ist.
Video: Vaonis Vespera (Herstellervideo) [5:46]
Der Stromanschluss am Teleskop ist magnetisch und erinnert ein wenig an Apples Magsafe-Stecker, ist allerdings mit diesen nicht kompatibel - leider auch mit keinem anderen System. Wenn man das Ladekabel zu Hause vergessen hat, ist ein einfaches Nachladen unterwegs leider nicht möglich. Hier wäre ein normaler USB-C-Anschluss deutlich praktischer, wenn auch weniger schick gewesen.
Die aufgenommenen Bilddaten werden auf einem internen 10-GByte-Speicher gesichert. Der Zugriff darauf geht nur per WLAN und FTP. Einfache Aufgaben wie das Löschen von Daten, um Platz zu schaffen, können auch über die App erledigt werden. Die Einzelbilder einer Aufnahme können als JPEG, TIFF oder auch in dem in der Astrofotografie üblichen FITS-Format gespeichert werden.
Zusätzlich zur Grundausstattung gibt es noch weiteres Zubehör, das separat erworben werden kann, zum Beispiel einen Rucksack für den sicheren Transport auch über größere Strecken. Weiterhin sind verschiedene Filter erhältlich, die vor die Frontlinse des Teleskops montiert werden können. Die Montage erfolgt ohne Werkzeug und geht einfach und schnell von der Hand.
Die Filter sind kodiert. Somit sind Teleskop und Steuerungsapp in der Lage zu erkennen, welcher Filter vor der Linse sitzt, und können die Aufnahmeeinstellungen entsprechend anpassen. Weiterhin gibt es einen Feuchtigkeitssensor, der auch an der Front des Teleskops angebracht werden kann. Dieser muss mit einem beiliegenden Schraubendreher befestigt werden.