Automatik-Teleskop Stellina im Test: Ist es wirklich so einfach?

Auspacken, Aufstellen, Astrofotos machen? Wir haben getestet, ob das wirklich so einfach funktioniert und für wen das eher teure Stellina-Teleskop etwas ist.

Artikel von Mario Keller veröffentlicht am
Ganz schön... schön! Solche Bilder, zum Beispiel des Orion-Nebels, kann man aus den Stellina-Rohdaten herausholen.
Ganz schön... schön! Solche Bilder, zum Beispiel des Orion-Nebels, kann man aus den Stellina-Rohdaten herausholen. (Bild: Keith Owens)

Als ich das Stellina Automatik-Teleskop zum ersten Mal aus der Verpackung nehme und aufstelle, kommt mir direkt der Gedanke: Wenn Apple ein Teleskop bauen würde, sähe es vermutlich genau so aus! Das weiße, wasserabweisende Gehäuse mit den schwarzen Seiten und dem leuchtenden blauen Ring um den Ein-/Ausschalter erinnert an die weißen Polycarbonat-Macbooks aus dem Jahre 2006.

  • Stellina-Teleskop während der Initialisierung (Bild: Mario Keller)
  • Auswahlbildschirm Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Detailbildschirm für ein Objekt in der Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Aufnahme-Vorbereitung in der Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Aufnahme-Session: Herkules Cluster auf einem iPad (Stellina-App) (Bild: Mario Keller)
  • Aufnahme-Session auf einem iPhone (Stellina-App) (Bild: Mario Keller)
  • M81 Galaxie - Bearbeitet aus 267 Einzelbildern, circa 45 Minuten (Bild: Mario Keller)
  • Startseite der neuen Singularity-App (Bild: Vaonis.com)
  • Beobachtungsplanung in der neuen Singularity-App (Bild: Vaonis.com)
  • Objekt: Pferdekopfnebel, direkt aus der Stellina-App (Bild: Pamela Williams)
  • Objekt: Orion Nebel - bearbeitetes Bild aus Stellina-Rohdaten (Bild: Keith Owens)
  • Objekt: Hantel-Nebel - direkt aus der Stellina-App mit circa 20 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Objekt: Pferdekopf und Flammen-Nebel - Mosaik aus mehreren bearbeiteten Einzel-Sessions (Bild: Alexandre)
  • Objekt: Rosetten-Nebel NGC2237 -  Mosaik aus mehreren bearbeiteten Einzel-Sessions (Bild: Alexandre)
  • Stellina-Ersatzsystem aus Alt-AZ-Montierung, TS 61EDPH Teleskop, ASI183-Kamera und Raspberry-Pi-Steuerung (Bild: Mario Keller)
  • Stellina-Ersatzsystem aus Alt-AZ-Montierung, TS 61EDPH Teleskop, ASI183-Kamera und Raspberry-Pi-Steuerung (Bild: Mario Keller)
  • Stellarmate-Oberfläche - Objektauswahl (Bild: Mario Keller)
  • Ersatz-Setup Variante 1 (Bild: Mario Keller)
  • Variante 1 wiegt 4,8 kg und damit weniger als die Hälfte des Stellina-Teleskops. (Bild: Mario Keller)
  • Ersatz-Setup Variante 2 (Bild: Mario Keller)
  • Variante 2 wiegt circa 29 kg und damit mehr als das Doppelte des Stellina-Teleskops. (Bild: Mario Keller)
Stellina-Teleskop während der Initialisierung (Bild: Mario Keller)

Aber von außen hübsch reicht natürlich nicht. Daher habe ich mich ausgiebig mit dem Gerät beschäftigt, um zu sehen ob es sein Versprechen halten kann: ein Plug-and-Play-Teleskop zu sein, das sich gerade für Einsteiger in die Astrofotografie eignen soll. (Allgemeinere Tipps zum Einstieg in die Astrofotografie findet ihr übrigens hier.)

Zunächst zum Äußeren des Stellina-Teleskops: Das Gehäuse ist für ein Teleskop recht groß und mit 12 kg auch nicht gerade ein Leichtgewicht, beinhaltet aber nicht nur die Optik, sondern auch alle weiteren Komponenten. Somit ist alles, was man sonst noch benötigt, das mitgelieferte Stativ und eine Powerbank, über die das Gerät mit Strom versorgt wird.

Der mittlere Teil ist drehbar gelagert und enthält das optische System. Das ist ein apochromatischer Refraktor, also ein Linsenteleskop, mit 400 mm Brennweite, einer Öffnung von 80 mm und damit einem Öffnungsverhältnis von f/5. Wer es ganz genau wissen möchte: Es ist ein 80 mm ED Duplet Optik aus Lanthan-Glas.

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Am Ende des Teleskops ist, für den Nutzer nicht sichtbar, ein Kamerasensor mit 6 MP (Sony Exmor Starvis IMX178) eingebaut, der auf einem Feldrotator sitzt und vor dem sich eine Autofokuseinheit und ein Lichtverschmutzungsfilter (CLS) befinden. Der CLS blockiert bestimmte Wellenlängen, die typisch für künstliche Beleuchtung sind, zum Beispiel Straßenlaternen, LED-Lichter und Industrielampen. Somit soll das Teleskop auch in der Stadt in der Lage sein, noch recht gute Bilder liefern zu können.

Wie gut das funktioniert, sehen wir später. Um die Linsen des Frontelements ist ein Heizelement verbaut, das verhindert, dass sich Tau auf der Linse niederschlägt, wenn nachts die Umgebungstemperatur sinkt.

Der Sockel, mit dem das Teleskop auf das Stativ gesetzt wird, ist selbst drehbar und kann das aufgestellte Teleskop um seine vertikale Achse rotieren. Zusammen mit dem im Winkel und damit in der Höhe einstellbaren Teleskoparm entsteht so eine azimutale Montierung.

Teleskop muss nicht eingenordet werden

Vorteil dieser Art der Teleskopführung ist, dass sie nicht eingenordet werden muss. Das macht es technisch einfacher, ohne menschliches Zutun das Nachführen und Ausrichten des Teleskops umzusetzen. Nachteil ist allerdings, dass bei langen Belichtungszeiten das Objekt im Zentrum des Bildes langsam um die eigene Achse rotiert (Feldrotation), was somit auch bei exakter Nachführung zu Bildfehlern führt.

Das kann ausgeglichen werden, wenn man während der Belichtung den Kamerasensor ebenfalls rotiert. Technisch scheint das Teleskop in der Lage dazu zu sein, da ein Feldrotator verbaut ist.

Allerdings sprechen die recht kurzen Belichtungszeiten von 10 Sekunden pro Einzelbild eher dafür, dass dieses Element dafür nicht zum Einsatz kommt. Zumindest kann es aber genutzt werden, um den Bildausschnitt festzulegen beziehungsweise wird vermutlich zwischen den Einzelaufnahmen die Feldrotation ausgeglichen.

Ein Tablet oder ein Smartphone zum Steuern

Hat man das Teleskop auf ein Objekt am Himmel ausgerichtet, werden Einzelbilder mit je 10 Sekunden Belichtungszeit gemacht und diese durch das Gerät miteinander verrechnet. So entsteht über die Zeit ein immer besseres und detailreicheres Bild des anvisierten Objektes. Wie lange ein Objekt mindestens belichtet werden sollte, gibt die iOS- oder Android-App an, mit der das Stellina-Teleskop gesteuert wird.

Tatsächlich ist ein Mobiltelefon oder Tablet mit der Stellina-App das Einzige, was man für die Steuerung benötigt. Auch technisches Hintergrundwissen wird nicht gebraucht. Von der Ausrichtung des Teleskops über das Scharfstellen des Bildes, das Finden und Zentrieren von Objekten, die man in der App auswählen kann, macht das Teleskop alles automatisch. Und das erstaunlich gut.

Eine philosophische Frage

Da man durch das Teleskop selbst nicht hindurchsehen kann, ist eine direkte Beobachtung des Himmels für den Menschen damit nicht möglich. EAA (Electronic Assisted Astronomy) ist hier das Stichwort, denn das menschliche Auge bekommt ein elektronisch verarbeitetes Bild präsentiert, das für uns so nicht erkennbar wäre.

Über die philosophischen Implikationen, die das mit sich bringt, lässt sich bei einem Glas Wein auf der Terrasse trefflich diskutieren, während Stellina klaglos Aufnahme um Aufnahme macht und das Bild auf dem Tablet immer mehr Gestalt annimmt. Dabei werden Bilder, die zum Beispiel durch Wolken beeinträchtigt sind, automatisch ausgelassen.

  • Stellina-Teleskop während der Initialisierung (Bild: Mario Keller)
  • Auswahlbildschirm Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Detailbildschirm für ein Objekt in der Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Aufnahme-Vorbereitung in der Stellina-App (Bild: Vaonis.com)
  • Aufnahme-Session: Herkules Cluster auf einem iPad (Stellina-App) (Bild: Mario Keller)
  • Aufnahme-Session auf einem iPhone (Stellina-App) (Bild: Mario Keller)
  • M81 Galaxie - Bearbeitet aus 267 Einzelbildern, circa 45 Minuten (Bild: Mario Keller)
  • Startseite der neuen Singularity-App (Bild: Vaonis.com)
  • Beobachtungsplanung in der neuen Singularity-App (Bild: Vaonis.com)
  • Objekt: Pferdekopfnebel, direkt aus der Stellina-App (Bild: Pamela Williams)
  • Objekt: Orion Nebel - bearbeitetes Bild aus Stellina-Rohdaten (Bild: Keith Owens)
  • Objekt: Hantel-Nebel - direkt aus der Stellina-App mit circa 20 Minuten Belichtungszeit (Bild: Mario Keller)
  • Objekt: Pferdekopf und Flammen-Nebel - Mosaik aus mehreren bearbeiteten Einzel-Sessions (Bild: Alexandre)
  • Objekt: Rosetten-Nebel NGC2237 -  Mosaik aus mehreren bearbeiteten Einzel-Sessions (Bild: Alexandre)
  • Stellina-Ersatzsystem aus Alt-AZ-Montierung, TS 61EDPH Teleskop, ASI183-Kamera und Raspberry-Pi-Steuerung (Bild: Mario Keller)
  • Stellina-Ersatzsystem aus Alt-AZ-Montierung, TS 61EDPH Teleskop, ASI183-Kamera und Raspberry-Pi-Steuerung (Bild: Mario Keller)
  • Stellarmate-Oberfläche - Objektauswahl (Bild: Mario Keller)
  • Ersatz-Setup Variante 1 (Bild: Mario Keller)
  • Variante 1 wiegt 4,8 kg und damit weniger als die Hälfte des Stellina-Teleskops. (Bild: Mario Keller)
  • Ersatz-Setup Variante 2 (Bild: Mario Keller)
  • Variante 2 wiegt circa 29 kg und damit mehr als das Doppelte des Stellina-Teleskops. (Bild: Mario Keller)
Aufnahme-Session auf einem iPhone (Stellina-App) (Bild: Mario Keller)

Die Einzelaufnahmen können auf einem per USB anschließbaren Datenträger in unterschiedlichen Formaten gespeichert werden, dazu aber später mehr.

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Aufbau und erste Aufnahmen mit dem Stellina-Teleskop 
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narfomat 15. Jan 2022 / Themenstart

angeln... ^^

bLaNG_one 07. Jan 2022 / Themenstart

Die ist aber schon bewusst, dass du mit dem hier besprochenen Teleskop a) einfach nur...

LordSiesta 06. Jan 2022 / Themenstart

Volle Zustimmung!

bLaNG_one 05. Jan 2022 / Themenstart

Sobald ich fen Garten und das nötige Kleingeld zusammen habe, melde ich mich..;)

muhzilla 05. Jan 2022 / Themenstart

Ein Bild mit Teleskop von Objekten, die ich mit dem gleichen Teleskop auch mit bloßem...

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