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Automaten ersetzen Postfilialen: Die Post will noch mehr Postautomaten betreiben

Wenn die Aufsichtsbehörden zustimmen, können bald fünf Prozent der Postfilialen durch Postautomaten ersetzt werden.
/ Ingo Pakalski
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Die Post will fünf Prozent der Postfilialen durch Postautomaten ersetzen - vorerst. (Bild: Kirill Kudryavtsev/AFP via Getty Images)
Die Post will fünf Prozent der Postfilialen durch Postautomaten ersetzen - vorerst. Bild: Kirill Kudryavtsev/AFP via Getty Images

Die Bundesnetzagentur erhält von der Post immer mehr Anträge auf Erteilung von Postautomaten, die dann den Betrieb einer Filiale mit menschlichen Mitarbeitern nicht mehr nötig macht. Nach Angaben von dpa gingen bei der Bundesnetzagentur bis Ende September 2025 bereits 629 solcher Anträge ein.

Davon seien bereits 72 Postautomaten genehmigt worden, vier Anträge hatte die Post selbst wieder zurückgezogen. Die übrigen 553 Anträge werden durch die Aufsichtsbehörde noch geprüft, heißt es. Die ersten Postautomaten als Ersatz für eine Postfiliale wurden im Frühjahr 2025 durch die Bundesnetzagentur genehmigt, nachdem dies seit Anfang des Jahres entsprechende Gesetze ermöglichen.

Im Rahmen der Zulassung prüft die Behörde, ob Postautomaten als Standorte angerechnet werden können, die zur Erfüllung der gesetzlichen Filialnetz-Pflicht benötigt werden. Denn die Post ist verpflichtet, in Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern eine Filiale zu betreiben. Zudem darf die Filiale in zusammenhängend bebauten Wohngebieten nicht weiter als zwei Kilometer entfernt sein. Diese Vorgaben hält die Post jedoch schon seit Jahren nicht ein: Ende September 2025 gab es 160 unbesetzte Pflichtstandorte.

Die Post kämpft mit dem Strukturwandel

Das liegt auch am Strukturwandel: In Dörfern, kleinen Städten und am Stadtrand gibt es immer weniger Kioske, Supermärkte und andere Geschäfte, die neben ihrem Kerngeschäft auch einen Postschalter führen könnten. Wenn der letzte verbliebene Laden in einem Dorf geschlossen wird, hat die Post Schwierigkeiten, einen Ersatz zu finden. Reine Postfilialen sind schon jetzt immer seltener geworden.

Die Post erklärte der dpa, dass von den 160 unbesetzten Filialen für rund 80 Filialen Lösungen gefunden wurden, die aber erst noch umgesetzt werden müssen. Für die anderen etwa 80 Standorte werde intensiv an einer Lösung gearbeitet. Die Post beklagt, dass sie mancherorts von anderen Beteiligten abhängig sei, etwa für die Erteilung einer Baugenehmigung.

Bundesweit gibt es rund 12.600 Postfilialen. Falls die Behörde die bereits vorliegenden Anträge genehmigen würde, gäbe es in knapp 5 Prozent der Fälle nur noch einen Postautomaten statt einer Filiale.

Die Post im Kampf um die Filialnetzpflicht

Für den Betrieb von Postautomaten benötigt die Post die Zustimmung der Bundesnetzagentur, zudem werden Kommunalvertreter einbezogen. Damit soll verhindert werden, dass Filialen in großem Stil geschlossen und durch Automaten ersetzt werden.

An solchen Postautomaten können Pakete abgegeben und abgeholt werden, Briefmarken gekauft und Briefe eingeworfen werden. Dabei wird eine Videoberatung angeboten. Für die Nutzung solcher Postautomaten ist ein Nutzerkonto bei der Post erforderlich. Im Unterschied zu Postfilialen in Geschäften sind solche Postautomaten rund um die Uhr nutzbar.

Die Post betreibt im Bundesgebiet bereits über 900 Poststationen, die allerdings nicht bei der Erfüllung der Filialnetzpflicht angerechnet werden. Manche stehen als Ergänzung vor einer normalen Filiale.

Postautomaten statt provisorische Filialen

Um der Filialnetz-Pflicht nachzukommen, betreibt die Post rund 1.200 provisorische Filialen – sie schickt also eigenes Personal, das in einem Container oder einem zuvor leerstehenden Geschäft eine kleine Postfiliale betreibt, die in der Regel nur für einige Stunden am Tag geöffnet ist. Diese provisorischen Filialen möchte die Post loswerden – und setzt hierbei verstärkt auf Automaten.

"Ein Automat als Filiale ist zwar nicht ideal, aber besser als nichts – er kann die Situation in strukturschwächeren Gegenden verbessern" , sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff der dpa. Der Gesetzgeber möchte mit den Automaten allerdings nicht erreichen, dass das Filialnetz der Post irgendwann nur noch aus Automaten besteht.

Kritik aus der Politik an Postautomaten

"Es sollte aber kein Massenphänomen werden, sondern eher eine Ausnahme – wenn jeder zwanzigste Standort ein Automat wäre, fände ich das noch angemessen, beispielsweise jeder dritte sollte es aber nicht sein" , ergänzt Roloff. Nur um Kosten zu senken, dürfe die Post nicht auf Automaten setzen.

Kritik äußert der Sozialverband VdK. Dessen Präsidentin Verena Bentele sagt der dpa, dies sei ein deutlicher Rückschritt auf dem Weg zu mehr Inklusion. "Postautomaten sind für Rollstuhlfahrer, Kleinwüchsige und Menschen mit Sehbehinderungen häufig nicht nutzbar." Ältere Menschen seien oft auf persönliche Hilfe vor Ort angewiesen.

Und wer keinen Zugang zu Computern hat, ist aufgrund der Verpflichtung zu einem Post-Kundenkonto von der Nutzung der Automaten ganz ausgeschlossen.


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