Die Post im Kampf um die Filialnetzpflicht
Für den Betrieb von Postautomaten benötigt die Post die Zustimmung der Bundesnetzagentur, zudem werden Kommunalvertreter einbezogen. Damit soll verhindert werden, dass Filialen in großem Stil geschlossen und durch Automaten ersetzt werden.
An solchen Postautomaten können Pakete abgegeben und abgeholt werden, Briefmarken gekauft und Briefe eingeworfen werden. Dabei wird eine Videoberatung angeboten. Für die Nutzung solcher Postautomaten ist ein Nutzerkonto bei der Post erforderlich. Im Unterschied zu Postfilialen in Geschäften sind solche Postautomaten rund um die Uhr nutzbar.
Die Post betreibt im Bundesgebiet bereits über 900 Poststationen, die allerdings nicht bei der Erfüllung der Filialnetzpflicht angerechnet werden. Manche stehen als Ergänzung vor einer normalen Filiale.
Postautomaten statt provisorische Filialen
Um der Filialnetz-Pflicht nachzukommen, betreibt die Post rund 1.200 provisorische Filialen – sie schickt also eigenes Personal, das in einem Container oder einem zuvor leerstehenden Geschäft eine kleine Postfiliale betreibt, die in der Regel nur für einige Stunden am Tag geöffnet ist. Diese provisorischen Filialen möchte die Post loswerden – und setzt hierbei verstärkt auf Automaten.
"Ein Automat als Filiale ist zwar nicht ideal, aber besser als nichts – er kann die Situation in strukturschwächeren Gegenden verbessern" , sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff der dpa. Der Gesetzgeber möchte mit den Automaten allerdings nicht erreichen, dass das Filialnetz der Post irgendwann nur noch aus Automaten besteht.
Kritik aus der Politik an Postautomaten
"Es sollte aber kein Massenphänomen werden, sondern eher eine Ausnahme – wenn jeder zwanzigste Standort ein Automat wäre, fände ich das noch angemessen, beispielsweise jeder dritte sollte es aber nicht sein" , ergänzt Roloff. Nur um Kosten zu senken, dürfe die Post nicht auf Automaten setzen.
Kritik äußert der Sozialverband VdK. Dessen Präsidentin Verena Bentele sagt der dpa, dies sei ein deutlicher Rückschritt auf dem Weg zu mehr Inklusion. "Postautomaten sind für Rollstuhlfahrer, Kleinwüchsige und Menschen mit Sehbehinderungen häufig nicht nutzbar." Ältere Menschen seien oft auf persönliche Hilfe vor Ort angewiesen.
Und wer keinen Zugang zu Computern hat, ist aufgrund der Verpflichtung zu einem Post-Kundenkonto von der Nutzung der Automaten ganz ausgeschlossen.



