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Autoindustrie: "Dann gehen hier die Lichter aus"

Der Strukturwandel in der Auto-Industrie kostet Jobs – bei VW voraussichtlich bis zu 115.000. Vom Jobabbau sind einige Regionen besonders stark betroffen.
/ Dirk Kunde
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VW-Neuwagen bereit zur Auslieferung in Emden: In der Region arbeiten besonders viele Menschen in der Autoindustrie - und fürchten um ihre Jobs. (Bild: Ina Fassbender / AFP via Getty Images)
VW-Neuwagen bereit zur Auslieferung in Emden: In der Region arbeiten besonders viele Menschen in der Autoindustrie - und fürchten um ihre Jobs. Bild: Ina Fassbender / AFP via Getty Images
Inhalt
  1. Autoindustrie: "Dann gehen hier die Lichter aus"
  2. KI-Cluster als Ersatz?

Emden liegt in einer strukturschwachen Küstenregion. Auf den Feldern hinter dem Deich bauten die Bauern in erster Linie Kohl an, bevor 1964 die Autofabrik Wohlstand in die Region brachte. Zunächst lief im Werk der VW Käfer vom Band und wurde im benachbarten Hafen in alle Welt verschifft. Später folgten Passat und Arteon. 2011 waren es 265.000 Autos, im vergangenen Jahr immerhin noch 147.000 Fahrzeuge.

Heute werden der VW ID.7 und in geringem Umfang der ID.4 in Emden produziert. Bereits durchgesickert ist, dass der ID.4 Nachfolger nicht mehr in Zwickau, sondern in Emden als ID.Tiguan hergestellt werden soll.

"Wenn diese vielen Arbeitsplätze wegfallen, dann gehen hier die Lichter aus", sagte Tim Kruithoff im Podcast von Paul Ronzheimer. Der parteilose Politiker ist seit 2019 Oberbürgermeister von Emden.

Abhängigkeit von Volkswagen

Rund 20.000 Menschen pendeln täglich aus den drei umliegenden Landkreisen zur Arbeit nach Emden. Davon arbeiten 7.300 Menschen direkt bei Volkswagen; 1.100 sind bei der VW Group Services beschäftigt. Die genaue Zahl der Mitarbeiter bei Zulieferunternehmen ist nicht bekannt. Weitere industrielle Arbeitgeber sind die Meyer Werft sowie der Windkraftanlagenhersteller Enercon.

Doch Schiffbau ist in Deutschland keine Wachstumsbranche. Im Herbst 2024 übernahmen Bund und Land 80 Prozent der Meyer Werft-Anteile, um den Betrieb zu retten.

Der Windkraftanlagenbauer Enercon schreibt zwar wieder schwarze Zahlen, doch liegt eine schwierige Phase mit Windrädern an Land (Onshore) hinter dem Unternehmen. Die Türme für diese Anlagen wurden in Emden gefertigt. Fraglich ist auch, ob der Hafen weiter genutzt wird, falls Volkswagen das Werk schließt.

Dank der VW-Konzernmarken ist Emden Europas drittgrößter Autoumschlaghafen. Im vergangenen Jahr verließen 1,19 Millionen Fahrzeuge die Ems-Mündung. In Emden sind 43,5 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im produzierenden Gewerbe tätig. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 26,4 Prozent.

3,26 Millionen Menschen arbeiten in der Autoindustrie

Die tragenden Säulen des wirtschaftlichen Wohlstands in Ostfriesland wackeln, da kann man die Sorgen des Oberbürgermeisters verstehen. In ganz Deutschland arbeiten 732.000 Menschen in der Autoindustrie.

Die Zahl des Verbands der Automobilindustrie (VDA) erscheint auf den ersten Blick niedrig. Doch nimmt man die indirekt Beschäftigten bei Zulieferern, im Autohandel sowie Tankstellen und Werkstätten hinzu, kommt eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums auf 3,26 Millionen Menschen.

Die Untersuchung zur wirtschaftlichen Bedeutung regionaler Automobilnetzwerke ist von Oktober 2021, die Relationen zwischen den einzelnen Regionen dürften noch Bestand haben. Das Institut der deutschen Wirtschaft und Fraunhofer IAO ermitteln in der Studie, dass 7,3 Prozent aller Erwerbstätigen an der Autoindustrie hängen und für 9,1 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung verantwortlich sind.

Top Ten der Patentanmeldungen

Die Beschäftigten verdienen gut in der Autoindustrie. Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst liegt bei 82.714 Euro. Im verarbeitenden Gewerbe lag der Durchschnittsverdienst im vergangenen Jahr bei 67.520 Euro.

Zudem ist es eine Branche, die technischen Fortschritt vorantreibt. Bei Patentanmeldungen im Jahr 2025 finden sich ausschließlich Autohersteller sowie Zulieferer in den Top Ten. Bosch liegt mit 4.109 Anmeldungen auf Platz eins vor Mercedes-Benz (2.726) und BMW (2.553). Neben Zulieferern wie Schaeffler und ZF, finden sich weitere deutsche Autohersteller sowie Ableger der US-Hersteller Ford und General Motors.

Ungleiche Verteilung in Deutschland

Die BMWi-Studie untersuchte 401 Regionen nach ihrer Bedeutung für die Automobilwirtschaft. Danach sind durchschnittlich 3,6 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in der Automobilwirtschaft tätig. 118 Regionen haben eine überdurchschnittliche Abhängigkeit und tendenziell ist diese Abhängigkeit in Süddeutschland größer.

Da bildet Platz eins allerdings eine geografische Ausnahme: Mit 47,3 Prozent hat Wolfsburg den höchsten Anteil Beschäftigter in der Autoindustrie. Auf Platz zwei folgt Ingolstadt. Am Hauptsitz von Audi sind es 46,7 Prozent. Platz drei belegt mit 43,7 Prozent der bayerische Landkreis Dingolfing-Landau. Hier betreibt BMW Fertigungsstätten. Auf Platz vier liegt Emden mit 29,4 Prozent.


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