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AutoFlight eVTOL: Fünf Tonnen, elektrisch, senkrecht

Autoflight hat ein elektrisches Senkrechtstart-Flugzeug der Fünf-Tonnen-Klasse geflogen – und will damit den regionalen Luftverkehr aufmischen.
/ Andreas Donath
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Autoflight eVTOL (Bild: AutoFlight)
Autoflight eVTOL Bild: AutoFlight

Am 5. Februar 2026 hat Autoflight auf seinem Testgelände im chinesischen Kunshan vorgeführt(öffnet im neuen Fenster) , was nach eigenen Angaben das weltweit erste elektrische Senkrechtstart-Flugzeug der Fünf-Tonnen-Klasse ist.

Das Fluggerät mit der Bezeichnung Matrix (V5000) absolvierte einen sogenannten Transitionsflug – also den vollständigen Übergang vom senkrechten Start in den Reiseflug auf Tragflächen und zurück zur vertikalen Landung. Parallel flog Autoflight sein kleineres Zwei-Tonnen-Modell Carryall. Mit einem maximalen Startgewicht von 5.700 Kilogramm überragt Matrix die meisten eVTOL-Entwürfe, die sich derzeit in der Zertifizierung befinden und typischerweise um die zwei Tonnen wiegen.

In der Passagierversion soll Matrix bis zu zehn Personen in einer Business-Class-Konfiguration befördern können. Eine Frachtversion wäre für bis zu 1.500 Kilogramm ausgelegt – genug für zwei Standard-AKE-Luftfrachtcontainer. Die rein elektrische Variante soll eine Reichweite von 250 Kilometern erreichen, eine hybrid-elektrische Version könnte laut Unternehmen sogar auf 1.500 Kilometer kommen.

Die Kabine bietet 13,9 Kubikmeter Innenraumvolumen mit großzügig dimensionierten Fenstern – ein Hinweis darauf, dass Autoflight die Passagierversion als regionales Premium-Shuttle positioniert und nicht als spartanische Pendlerkapsel.

Technisch setzt das Flugzeug auf eine Doppeldecker-Tragflächen-Struktur mit sechs Auslegern. Das verteilte Antriebssystem nutzt bis zu 20 Motoren. Autoflight zufolge gewährleistet diese Konfiguration auch bei Ausfall mehrerer Motoren einen sicheren Flug – eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist bislang allerdings nicht möglich.

Autoflight zielt auf Regionalstrecken und Logistik

Hinter Matrix steht vor allem ein wirtschaftliches Kalkül. Gründer und CEO Tian Yu erklärte bei der Vorstellung, das Flugzeug solle "die Branchenwahrnehmung durchbrechen, dass eVTOL gleichbedeutend mit Kurzstrecke und geringer Nutzlast ist" . In der Fünf-Tonnen-Klasse ließen sich die Kosten pro Sitzkilometer und Tonnenkilometer durch Skaleneffekte so weit senken, dass elektrische Flugzeuge mit regionalen Turboprops und dem Straßentransport konkurrieren könnten.

Ob diese Kostenprognosen in der Praxis standhalten, ist offen. Die eVTOL-Branche kämpft seit Jahren damit, die Lücke zwischen Demonstrationsflügen und zertifiziertem Betrieb zu schließen. Batteriegewicht, Ladeinfrastruktur und behördliche Zulassung bleiben Herausforderungen, die sich durch bloße Skalierung nicht unbedingt lösen lassen.

Allerdings ist ein einzelner Demonstrationsflug – so erfolgreich er auch war – noch weit entfernt vom kommerziellen Betrieb. Die Zertifizierung eines Fünf-Tonnen-eVTOL dürfte eine regulatorische Prüfung erfordern, die deutlich über das hinausgeht, was kleinere Plattformen durchlaufen müssen. Autoflight hat weder einen Zeitplan für die Zulassung noch für die Indienststellung von Matrix genannt. Der Flug in Kunshan beweist, dass die Plattform fliegen kann – der Weg vom Prototyp zum einsatzfähigen Fluggerät bleibt jedoch unsicher und hängt maßgeblich von regulatorischen Fortschritten und belastbaren Testdaten ab.


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