Australien: Google darf bei der Linksteuer nicht einknicken

Die australische Regierung will das Verlinken von Inhalten für Google und Facebook kostenpflichtig machen. Das rührt an ein Grundprinzip des Internets.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Google will in Australien keine Linksteuer zahlen.
Google will in Australien keine Linksteuer zahlen. (Bild: Charles Platiau/Reuters)

Die Pläne der australischen Regierung klingen wie der Wirklichkeit gewordene Traum von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Digitale Plattformen wie Google oder Facebook sollen australische Medien schon dafür bezahlen, dass Nutzer mit deren Inhalten "interagieren". Dazu soll dem Gesetzentwurf zufolge unter Punkt 52C auch das Bereitstellen eines Links zählen. Doch nicht nur aus diesem Grund sollten sich die beiden IT-Konzerne weigern, die Pläne der Regierung umzusetzen.

Inhalt:
  1. Australien: Google darf bei der Linksteuer nicht einknicken
  2. Berners-Lee warnt vor ''unbrauchbarem'' Web

Australien geht damit noch deutlich weiter als die EU. Die umstrittene EU-Urheberrechtsrichtlinie von 2019 hält immerhin fest: Der Schutz der Presseinhalte gilt nicht "für das Setzen von Hyperlinks" und nicht "für die Nutzung einzelner Wörter oder sehr kurzer Auszüge aus einer Presseveröffentlichung". Damit wäre es Google weiterhin möglich, in seinen Suchergebnissen zumindest einige wenige Wörter anzuzeigen und auf den Artikel verlinken. Auch dürfen Nutzer zu nicht kommerziellen Zwecken beispielsweise Presseartikel auf Diensten wie Twitter oder Facebook verlinken.

Medien erhalten Vorabinfos zu Algorithmen

Das alles wäre in Australien künftig kostenpflichtig. Darüber hinaus müssen die Dienste den Medien jährlich Daten über die Interaktion der Nutzer mit den Nachrichteninhalten zur Verfügung stellen. Eine umstrittene Vorgabe lautet, dass die Plattformen die Medien über Änderungen ihrer Algorithmen zur Nachrichtenauswahl und -darstellung informieren sollen. Nach Ansicht Googles werden Medienunternehmen im Vergleich zu anderen Webseitenbetreibern dadurch bevorteilt. Mithilfe der bereitgestellten Daten könnten sie ihr Ranking bei den Suchergebnissen künstlich aufblähen, selbst wenn andere Angebote besser seien. Dadurch würden die Suchergebnisse für die Nutzer verschlechtert.

Die Argumentation des australischen Finanzministers Josh Frydenberg für seine Pläne ist dabei sehr simpel: "Von 100 Dollar, die 2019 für Onlinewerbung ausgegeben wurden, gingen 53 Dollar an Google und 28 Dollar an Facebook", schrieb er auf seiner Internetseite und fügte hinzu: "Google hat rund 95 Prozent aller Werbeeinnahmen im Zusammenhang mit Internetsuchen erzielt, während Facebook 62 Prozent der Werbeeinnahmen für Onlinebanner eingestrichen hat."

Regulierung und Zerschlagung wäre besser

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Das ist in der Tat ein Problem. Doch die Ursachen liegen nicht darin, dass sich Google und Facebook schamlos bei den Inhalten von Medien bedienen. Wie aus zahlreichen Klagen und Kongressberichten in den USA hervorgeht, haben beide Konzerne ihre Markt- und Finanzmacht dazu genutzt, um ihre Gewinne zu maximieren und sich potenzielle Konkurrenten vom Leib zu halten. Eine Regulierung oder Zerschlagung ist längst überfällig. Darüber hinaus sollten personalisierte Politikanzeigen generell verboten werden, da sie offensichtlich zu einer demokratieschädlichen Manipulation von Wählern führen können.

Noch radikaler wäre, das Nutzertracking generell einzuschränken. Doch davon wollen auch die Verlage nichts wissen, die von der Linksteuer profitieren möchten. Das alles lässt die australische Regierung außen vor. Stattdessen rühmt sie sich, weltweit Vorreiter mit der Linksteuer sein zu wollen und glaubt offenbar, dass andere Länder oder Regionen dem Beispiel folgen sollten.

Kein Wunder, dass WWW-Erfinder Tim Berners-Lee diesen Vorschlag alles andere als gut findet.

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Berners-Lee warnt vor ''unbrauchbarem'' Web 
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berritorre 01. Feb 2021

Richtig. Oder dass man nicht eingeloggt ist. Dann kriegst du nämlich, das was die Masse...

berritorre 01. Feb 2021

Facebook hat ein anderes Problem: Sie haben Usergenerated content. Und damit müssen sie...

berritorre 01. Feb 2021

Das wäre doch mal was. Dann würden vielleicht auch viele tote und unbetreute Websites...

berritorre 01. Feb 2021

Naja, auch bei Facebook ist es nicht so einfach. Denn wenn ich jetzt einen Link auf so...

TW1920 28. Jan 2021

Na Hauptsache beim Verkaufen hats im ersten Satz toll geklungen - Boris hats doch auch...



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