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Aussterben der Dinos: Schwefelfreisetzung durch Asteroideneinschlag wenig tödlich

Die hohe Schwefelkonzentration nach dem Asteroiden -Einschlag vor 66 Millionen Jahren war wohl nicht für das Aussterben der Dinosaurier hauptverantwortlich.
/ Patrick Klapetz
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Collage eines bevorstehenden Asteroideneinschlags während der Ära der Dinosaurier (Bild: Pixabay, golem.de)
Collage eines bevorstehenden Asteroideneinschlags während der Ära der Dinosaurier Bild: Pixabay, golem.de

Eine internationale Forschungsgruppe(öffnet im neuen Fenster) - mit der Beteiligung vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde sowie der Universitäten Greifswald und Rostock - bezweifelt die allgemeine Annahme, warum die Dinosaurier ausgestorben sind.

Als der Chicxulub-Impaktor vor 66 Millionen Jahren auf der Halbinsel Yucatan im heutigen Mexiko einschlug, wurden riesige Mengen an Staub, Ruß und Schwefel in die Atmosphäre freigesetzt. Der Schwefel soll für die globale Abkühlung der Erde und das Aussterben nach dem Einschlag gesorgt haben. Doch die bisherigen Schätzungen der Menge des in die Atmosphäre freigesetzten Schwefels gehen stark auseinander.

Die aktuelle Forschungsgruppe stellt eine genauere Schätzung des beim Asteroideneinschlag freigesetzten Schwefels in ihrer Studie vor. Sie untersuchten neue Bohrkerne an Einschlagsgesteinen und Sedimentprofilen an der Kreide-Paläogen-Grenze (K-Pg-Grenze; Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen vor 66 Millionen Jahren) von Fundorten auf der ganzen Welt. Dadurch konnten sie die Schwefelkonzentrationen und Isotopenzusammensetzungen analysieren.

Der Ablauf der Analysen

Zuerst wurde der Schwefel-Fingerabdruck der Gesteine in der Kraterregion untersucht. Das ist die Quelle für die in der Atmosphäre freigesetzten Sulfataerosole, die global verteilt wurden. In den Monaten bis Jahren nach dem Einschlag sanken diese schließlich wieder auf die Erdoberfläche ab.

In der Übergangszeit von Kreidezeit zum Paläogen wurde der Schwefel in Sedimentprofilen überall auf der Welt abgelagert. Anhand der entsprechenden Veränderung der Isotopenzusammensetzung des Schwefels konnte das Team den vom Einschlag freigesetzten Schwefel von den natürlichen Quellen unterscheiden. Dann wurde die Gesamtmenge des freigesetzten Schwefels anhand der Massenbilanz berechnet.

Weitaus weniger freigesetzter Schwefel

Das Forschungsteam konzentrierte sich damit nicht auf das Einschlagsereignis, sondern seine Nachwirkungen. Es wurden zwischen 28 und 106 Milliarden Tonnen Schwefel (im Mittel 67 Milliarden Tonnen) in die Atmosphäre freigesetzt. Diese Zahl ist etwa fünfmal niedriger als frühere, aus numerischen Modellen abgeleitete Schätzungen.

Dies deutet darauf hin, dass der daraus resultierende Einschlagswinter weniger schwerwiegend war als bisher angenommen. Der weniger drastische Temperaturrückgang und die schnellere Erholung des Klimas könnten zum Überleben von 25 Prozent der Arten nach dem Ereignis beigetragen haben.

Schwefel ist nach wie vor ein wichtiger Faktor für die globale Abkühlung. Doch eine massive Wolke feiner, mikrometergroßer Staubpartikel spielt wahrscheinlich eine Schlüsselrolle bei der Blockierung des Sonnenlichts und der Verlängerung der Dunkelheit. Das verschärfte die Umweltkrise weiter.

Zur Studie

Die Studie wurde am 16. Januar 2025 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht: Reduced contribution of sulfur to the mass extinction associated with the Chicxulub impact event(öffnet im neuen Fenster) (Geringerer Beitrag von Schwefel zum Massenaussterben im Zusammenhang mit dem Chicxulub-Einschlag).


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