Suche
Anzeige
(Bild: Unitymedia)

Auslastung: Wenn es Abend wird im Kabelnetz

Seit einigen Wochen versuchen wir von den TV-Kabelnetzbetreibern zu erfahren, was sie tun, wenn abends die Datenraten der Kunden einbrechen. Unitymedia, Tele Columbus und Vodafone nehmen nun Stellung zum Kapazitätsausbau mit Node- oder Clustersplits.

TV-Kabelnetzbetreiber haben große Probleme, die angebotenen hohen Datenübertragungsraten für ihre Privatkunden auch wirklich bereitzustellen. Das hat Golem.de aus Branchenkreisen erfahren. Laut dem Bericht zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur vom März 2017 fällt im Tagesverlauf besonders im Bereich 200 bis unter 500 MBit/s die Leistung in der abendlichen Peak-Zeit stark ab. Das liegt meist daran, dass zu viele Haushalte an einem Node oder Cluster hängen und sich die Kapazität teilen müssen.

Anzeige

Das Kabel ist ein Shared Medium, alle Haushalte in einem Netzabschnitt teilen sich die verfügbare Bandbreite. Doch laut Angaben des DSL-Tests der aktuellen Print-Ausgabe der Computerbild ist der Kabelkunde dennoch im Durchschnitt zwei- bis dreimal so schnell unterwegs wie Kunden mit klassischem DSL-Anschluss.

Der Test beruht nach den Angaben auf 7,2 Millionen Tempomessungen an deutschen Internetanschlüssen. Die höchsten Datenraten erreichten Kunden mit einem Kabelanschluss von Unitymedia. Sogar der Upload ist immer noch schneller als mit den DSL-Konkurrenten. Laut Computerbild traten solche Probleme vor allem an Kabelanschlüssen von Tele Columbus und Vodafone auf. Dabei gab es in Einzelfällen dramatische Einbrüche, insgesamt seien die Schwankungen jedoch moderat. Bei Unitymedia sei die Datenrate vergleichsweise stabil, der Betreiber holt den Testsieg.

Golem.de hat die drei großen Kabelnetzbetreiber befragt, wie sie segmentieren, wie viel Geld dort ausgegeben wird und wie viele Kunden im Durchschnitt an einem Node hängen. Auch wollten wir wissen, ab welcher Zahl der Haushalte oder bei welchem Datenvolumen segmentiert wird.

Unitymedia braucht sich nicht zu verstecken

Unitymedia hatte uns als Erster die Fragen beantwortet. Sprecher Helge Buchheister sagte Golem.de, der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber investiere seit Jahren rund ein Viertel seines Umsatzes in sein Netz. So werde das Netz in bisher nicht versorgten Gebiete ausgebaut. "Dabei verlegen wir bis zum Kunden Glasfaser."

"Parallel zur bereits begonnenen Einführung von DOCSIS 3.1 treiben wir die Netzentwicklung und den Kapazitätsausbau weiter voran: Netzsegmente werden fortlaufend und bedarfsgerecht durch Nodesplits verkleinert und die Glasfaser so immer näher zum Kunden gebracht. Dadurch erhöhen wir sukzessive den Glasfaseranteil im Kabelnetz."

Für den Kapazitätsausbau im Kabelnetz gebe es mehrere Möglichkeiten. Damit in einem Netzabschnitt eine deutlich höhere Datenrate bereitsteht, führe der Betreiber "jedes Jahr mehrere Hundert Nodesplits durch". Bei diesen würden die Cluster-Größen hinter einem Fibernode wesentlich reduziert. "Nodesplits führen wir durch, bevor an einem Fibernode die Auslastung einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Von der Planung bis zur Durchführung eines Nodesplits vergehen durchschnittlich etwa neun Monate", erklärte Buchheister.

  1. Neuer Fibernode kann dauern
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4