Ausbau verlangsamt: Deutsche Glasfaser kündigt Massenentlassungen an
Die Deutsche Glasfaser will den Ausbau in den kommenden Jahren langsamer vorantreiben. Das erklärte der Netzbetreiber dem saarländischen Rundfunk(öffnet im neuen Fenster) . Laut Informationen der Gewerkschaft Verdi Nordrhein-Westfalen sollen 200 bis 250 Arbeitsplätze deutschlandweit abgebaut werden.
Deutsche Glasfaser hat deutschlandweit rund 1.900 Beschäftigte. Schon im Januar 2024 entließ die Firma fünf Prozent ihrer Beschäftigten.
Das aktuelle Marktumfeld mit hohen Zinsen, gestiegenen Kosten und knappen Baukapazitäten stelle "derzeit die gesamte Branche vor Herausforderungen" , hieß es damals.
Deutsche Glasfaser bestätigt Stellenabbau
Unternehmenssprecher Dominik Beyer sagte Golem: "Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Glasfaserbranche drosseln wir unsere Ausbaugeschwindigkeit in den kommenden Jahren und legen ab sofort einen noch stärkeren Fokus auf den Anschluss unserer wartenden Kunden. Wir unterstützen diese Neuausrichtung durch die Anpassung unserer Organisation und unserer Geschäftsstrategie."
Die Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser zähle rund 2,6 Millionen realisierte Glasfaseranschlüssen und habe ein Investitionsvolumen von über 10 Milliarden Euro.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die Pläne(öffnet im neuen Fenster) . "Obwohl die Branche weiterwächst und die Nachfrage nach leistungsfähigen Glasfasernetzen ungebrochen ist, stehen hier Streichungen von Arbeitsplätzen im Raum – das passt nicht zusammen" , sagte Rejhan Nailovic, Verdi-Gewerkschaftssekretär. Die Beschäftigten, die für den Unternehmenserfolg gesorgt hätten, dürften "jetzt nicht die Leidtragenden von Managementfehlern oder kurzfristigem Kostendruck werden."
Besonders wichtig sei in dieser Situation, dass die erst vor Kurzem gewählten Betriebsräte ihre Arbeit nun entschlossen aufnehmen könnten. Verdi rief die Beschäftigten dazu auf, sich gewerkschaftlich zu organisieren. "Nur gemeinsam können wir Druck aufbauen, und verhindern, dass Beschäftigte auf der Strecke bleiben."
Nachtrag vom 16. Oktober 2025, 11:52 Uhr
Der Leiter des Breko-Hauptstadtbüros, Sven Knapp, sagte Golem: "Der in der Breko Marktanalyse 2025 erkennbare Fortschritt im Glasfaserausbau beruht auf Investitionsentscheidungen der vergangenen zwei bis vier Jahre. Seither haben Politik und Regulierung angesichts stark gestiegener Baukosten, höherer Zinsen und eines aggressiven Agierens der marktmächtigen Deutschen Telekom viel zu wenig für ein positives Investitionsklima getan."
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger habe früh erkannt, dass Maßnahmen für die Schaffung von Investitions- und Planungssicherheit notwendig seien, damit Unternehmen weiter in den Glasfaserausbau investierten. Knapp betonte: "Das vor wenigen Tagen vorgelegte Eckpunktepapier zur Gestaltung des Übergangs von DSL auf Glasfaser ist ein wichtiges Signal in diese Richtung. Jetzt kommt es darauf an, die guten Ansätze gesetzgeberisch und regulatorisch schnell umzusetzen. Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen erforderlich, um eine neue Investitionsdynamik auszulösen, da Deutschland im europäischen Vergleich die höchsten Ausbaukosten aufweist."
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