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Ausbau des Stromnetzes: Mehr Effizienz für die Energiewende scheitert an Realität

Ein Entwurf des Wirtschaftsministeriums enthält kluge Ansätze, wie das Stromnetz flexibler und die Preise niedriger werden. Er käme aber zu früh.
/ Mario Petzold
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Bundeswirtschaftsministerin Reiche vor einer Gasturbine von Siemens Energy im Sommer 2025 (Bild: Reuters/Nadja Wohlleben)
Bundeswirtschaftsministerin Reiche vor einer Gasturbine von Siemens Energy im Sommer 2025 Bild: Reuters/Nadja Wohlleben

Wie mehrere Medien berichten, darunter das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) und die Süddeutsche Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (jeweils Paywall), sollen die Vorgaben für den Netzanschluss erneuerbarer Energiequellen überarbeitet werden. Diese haben generell Anspruch auf Netzanschluss und die Betreiber erhalten eine Entschädigung, sollte eine Abschaltung wegen Überproduktion notwendig sein.

So entstehen zwei Kostentreiber für die Energiewende. Das Drosseln oder komplette Abschalten (Redispatch) verursacht mittlerweile Kosten in Milliardenhöhe. Umgehen lässt sich dies sowie die damit einhergehende Energieverschwendung nur durch Netzausbau und die Schaffung von Speichermöglichkeiten. Beide Maßnahmen erhöhen die Preise für die Strombereitstellung.

Kluger Gedanke, unrealistische Umsetzung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche machte schon zu Amtsantritt klar, dass genau solche Kosten nicht zu ihrer Vorstellung einer effizienten Energiewende passen. Ein Referentenentwurf aus ihrem Ministerium schlägt nun vor, einen Redispatchvorbehalt einzuführen. Demnach wird in Gebieten, die ohnehin mehr Strom liefern können, als die Stromnetze eigentlich erlauben, zukünftig keine Entschädigung mehr für Abschaltungen gezahlt wird. Ein enormes Risiko für Anlagenbetreiber.

Dennoch könnten daraus zwei positive Entwicklungen folgen: Windkraft- und Photovoltaikanlagen werden dort gebaut, wo aktuell zu wenige davon stehen. Das Ungleichgewicht zwischen Norden und Süden könnte sich damit auflösen. Eine gleichmäßige Verteilung der erneuerbaren Energien wurde schon zu Beginn der Energiewende angemahnt, aber bisher nicht annähernd erreicht.

Stärke der Erneuerbaren bleibt ungenutzt

Zudem ließe sich durch die Kombination mit einem Stromspeicher der Redispatch komplett unterbinden. Überproduktionen werden gepuffert und dann ins Stromnetz gespeist, wenn das Angebot niedrig und der Preis entsprechend hoch ist.

Denn noch können erneuerbare Energiequellen ihren eigentlichen Preisvorteil nicht nutzen. Zwar liegen die Stromgestehungskosten, somit die tatsächlichen Produktionskosten je Kilowattstunde nur noch im Centbereich, aber bei viel Wind und an sonnigen Tagen führt das Überangebot zu niedrigen Preisen an den Strommärkten.

Bei hohem Bedarf und entsprechend hohen Preisen dagegen werden Gasturbinen genutzt, die im Betrieb viel teurer sind, aber den Strom für hohe Preise einspeisen können. Das zu ändern, würde die Energiewende tatsächlich effizienter gestalten.

Die Realität sieht anders aus

Würde der Entwurf so umgesetzt, könnte das neben dem Ausbau der Erneuerbaren auch den Stromnetzausbau erheblich bremsen, denn die Realität ist eine andere.

Aktuell sind die Netze noch nicht bereit, um den günstigen Strom auch dorthin zu transportieren, wo er gebraucht wird. Ohne schnellen Netzausbau gelingt dies nicht und gelingt die gesamte Energiewende nicht. Die funktioniert nur, wenn massive Überproduktionen weitertransportiert werden können, um sie zu speichern. Ob in Batterien, Pumpspeicherwerken, Wasserstoff oder E-Fuels, sei dahingestellt.

Dazu bleibt das Angebot an Speichermöglichkeiten noch überschaubar. Diese werden zwar bereits geplant und ein Kostenvorteil wird ihnen ebenfalls bescheinigt. Aber bis der tatsächliche Bedarf, der sich im Bereich Hunderter Gigawattstunden bewegt, gedeckt werden kann, wird es noch dauern, tendenziell bis weit nach 2030.

Der Autor meint dazu:

Einfach abzuwarten, bis am Markt das entsprechend günstige Angebot für Speicher vorliegt, kann sich niemand leisten. So wird die Energiewende verzögert oder komplett verschlafen, die andernorts (und mit Erfolg) schon deutlich weiter ist. Das Kernproblem von Windkraft und Photovoltaik ist seit jeher, dass der überwiegende Teil der Investitionen schon vor Inbetriebnahme getätigt werden muss. Bei einem zusätzlichen Speicher gilt das doppelt.

Für eine günstige Finanzierung muss der Staat, also am Ende auch der Verbraucher, eine Sicherheit bieten, damit die niedrigen Erzeugungskosten aus Wind und Sonne auch wirklich auf der Stromrechnung ankommen. Jetzt beim Ausbau von Netz und erneuerbaren Energie zu sparen, dürfte dagegen genau das Gegenteil bewirken.

Vergleichsweise preiswerte Gaskraftwerke zu bauen, sie mit klimaschädlichem, importiertem Gas betreiben und damit Strompreisspitzen ausnutzen, was hohe Gewinne generiert, sowie die Betreiber dafür zu bezahlen, dass sie die Kraftwerke lediglich als Reserve vorhalten, kann kaum die Lösung sein. Auch Katherina Reiche würde das wohl als ineffizient bezeichnen.


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