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Aus SBTi-Liste gestrichen: Amazons Klimaschutzziele nicht mehr glaubhaft

Eine Prüforganisation hält Amazons Pläne zum Klimaschutz nicht mehr für ambitioniert genug. Das ist ein negatives Signal an Investoren.
/ Friedhelm Greis
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Amazon-Mitarbeiter beladen einen vollelektrischen Lieferwagen von Rivian. (Bild: Sandy Huffaker/Reuters)
Amazon-Mitarbeiter beladen einen vollelektrischen Lieferwagen von Rivian. Bild: Sandy Huffaker/Reuters

Die Klimaschutzorganisation Science Based Targets Initiative (SBTi) hat den Logistikkonzern Amazon aus der Liste von Firmen gestrichen, die sich zur Einhaltung ehrgeiziger Klimaschutzziele verpflichtet haben. Wie der Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtet(öffnet im neuen Fenster) , hat Amazon seine Verpflichtung, ein glaubwürdiges Ziel für die Reduzierung der CO 2 -Emissionen festzulegen, nicht umgesetzt.

Dem Bericht zufolge könnte sich die Auslistung auf Aktienfonds auswirken, die sich auf sogenannte ESG(öffnet im neuen Fenster) -Firmen spezialisiert haben. Diese berücksichtigen bei der Unternehmensführung ökologische und soziale Aspekte.

Die 2015 gegründete SBTi will nach eigenen Angaben (PDF)(öffnet im neuen Fenster) Unternehmen und Finanzinstitute dabei unterstützen, "sich ehrgeizige Emissionsminderungsziele auf der Grundlage der Klimawissenschaft zu setzen" . Sie zielt darauf ab, dass Unternehmen weltweit ihre Emissionen bis 2030 halbieren und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen. Die Initiative wird vom CDP, dem Global Compact Netzwerk der Vereinten Nationen, dem Weltressourceninstitut (World Resources Institut, WRI) und dem World Wide Fund for Nature (WWF) unterhalten.

2020 in die Liste aufgenommen

Im Januar 2021 berichtete SBTi(öffnet im neuen Fenster) , dass Amazon ebenso wie Facebook oder Ford der Initiative im Jahr 2020 beigetreten sei. Zuvor hatte Amazon-Chef Jeff Bezos bereits angekündigt, sein Unternehmen werde bis 2040 klimaneutral wirtschaften. Die Einhaltung dieses Ziels wird auch weiterhin auf der Webseite so postuliert(öffnet im neuen Fenster) . Im Jahr 2022 zeigte sich jedoch, dass der CO 2 -Ausstoß des Logistikkonzerns und Cloudanbieters deutlich gestiegen ist .

Die komplette Liste der SBTi(öffnet im neuen Fenster) umfasst derzeit rund 5.900 Firmen. 3.278 von ihnen haben sich bestätigte Ziele gesetzt. Aktuell werden 121 Firmen gelistet, die sich keinen bestätigten Klimaschutzzielen mehr verpflichtet haben.

Eine Amazon-Sprecherin sagte auf Anfrage von Bloomberg: "Wir haben in den vergangenen Jahren mit der Science Based Targets-Initiative zusammengearbeitet, um geeignete Anmelderichtlinien und -methoden für komplexe Unternehmen wie Amazon festzulegen." Amazon beabsichtige, "weiterhin mit der SBTi zusammenzuarbeiten, um einen Weg für die Anmeldung zu finden" . Parallel dazu werde Amazon "auch versuchen, gemeinsam mit anderen Organisationen wissenschaftlich fundierte Ziele festzulegen" .

Nach Einschätzung von Bloomberg stellt die Auslistung den bevorzugten Status der Amazon-Aktie in ESG-Fonds infrage. So zähle der weltweit größte börsengehandelte ESG-Fonds, der von Blackrock verwaltet wird, Amazon zu seinen drei größten Beteiligungen. Dem Bericht zufolge ist das Unternehmen allein in der EU in mehr als 900 ESG-Fonds enthalten.

Nachtrag vom 5. September 2023, 17:36 Uhr

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass der von BMW und Mercedes-Benz gemeinsam betriebene Mobilitätsdienstleister Free Now ebenfalls aus der Liste entfernt worden sei. Ein Sprecher von Free Now teilte Golem.de jedoch mit, dass das Unternehmen aus Versehen ausgelistet worden sei. In einem Schreiben an Free Now, das Golem.de vorliegt, räumte SBTi den Fehler ein und bestätigte, die Auslistung wieder rückgängig gemacht zu haben. Dies lässt sich auch auf der Seite von SBTi überprüfen(öffnet im neuen Fenster) .


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