Aus für Tesla Model S und X: Vom Statussymbol zum Ladenhüter

Als Tesla im Jahr 2012 sein erstes Model S auslieferte , war die E-Mobilität in Deutschland praktisch nicht existent. Es gab nur wenige Modelle(öffnet im neuen Fenster) und kaum Ladeinfrastruktur. Doch mit dem Start des Model S wachten die anderen Hersteller langsam auf. Seitdem verschlief aber Tesla selbst wichtige Entwicklungen.
Mit dem Produktionsstopp für das Model S und das Model X endet eine Ära. Und es stellt sich die Frage, ob Tesla noch als ernstzunehmender Autohersteller bezeichnet werden kann. Derzeit hat das Unternehmen mit dem Model Y und dem Model 3 nur zwei Volumenmodelle im Angebot. Ein günstiges Einstiegsmodell wurde nie gebaut. Der Cybertruck ist als Pick-up offensichtlich ein Flop.
Kein Wunder, dass der Unternehmensumsatz im Jahr 2025 erstmals schrumpfte und Tesla in einem wachsenden E-Auto-Markt im Gegensatz zur Konkurrenz weniger Fahrzeuge verkauft . Das liegt nicht nur an den politischen Eskapaden Musks , die viele seiner früheren Fans verschreckt haben dürften.
Model S war der Konkurrenz weit voraus
Im Jahr 2012 war das Model S der Konkurrenz noch weit voraus. Der große Akku mit bis zu 85 Kilowattstunden (kWh) Kapazität machte längere Strecken möglich. Neu war auch der große Zentralbildschirm, der Nvidias Tegra-Prozessoren nutzte . Parallel dazu baute Tesla für das Model S ein Supercharger-Netzwerk auf , das schnelles und unkompliziertes Laden an den Autobahnen ermöglichte.
Zudem versuchte Tesla mit dem Allradantrieb und hohen Motorleistungen (Ludicrous Mode) den Spaßfaktor bei Elektroautos zu erhöhen . Elektroautos wurden cool.
Mit dem sogenannten Autopiloten setzte Elon Musk einen Trend, der nun das Aus für das Model S beschleunigte: Künftig soll in der Fabrik im kalifornischen Fremont der humanoide Roboter Optimus gebaut werden. Nicht mehr der Elektroantrieb, sondern physische KI-Anwendungen sind zu Teslas Unternehmensziel geworden.
Nachfrage stark gesunken
Der Produktionsstopp dürfte aber auch mit der mangelnden Nachfrage an den beiden Oberklassemodellen zusammenhängen. Zwischenzeitlich waren die Modelle deshalb sogar aus dem Konfigurator verschwunden . So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland nur 124 Model S und 105 Model X neu zugelassen. Damit rangieren beide Fahrzeuge auf Platz 131 beziehungsweise 136 der Zulassungsstatistik. In den Jahren 2014 bis 2016 stand das Model S jeweils noch in den Top 3.
Dabei war die schicke Limousine aufgrund des hohen Preises nie für den Massenmarkt, sondern nur als Wegbereiter für die Volumenmodelle 3 und Y gedacht. Was durchaus gelungen ist. Doch in der Oberklasse ist die Konkurrenz inzwischen groß. Der EQS von Mercedes-Benz ist zwar auch kein Verkaufsschlager, kam 2025 hierzulande aber immerhin auf 1.307 Neuzulassungen und lag damit knapp vor dem BMW i7. Mit knapp 2.800 Neuzulassungen war der Porsche Taycan deutlich erfolgreicher.
Roboter und Robotaxis
Letzterer verfügt schon seit Jahren über ein 800-Volt-System, das hohe Ladeleistungen ermöglicht. Tesla nutzt hingegen auch bei seinen Topmodellen weiterhin einen Hochvoltspeicher mit 400 Volt. Die neuen Architekturen von Mercedes und BMW setzen ebenfalls auf die höhere Spannung, von der Konkurrenz aus Südkorea und China ganz abgesehen.

Beobachter sehen in dem Aus für das Model S ein Indiz, dass Tesla das normale Elektroautogeschäft der Konkurrenz überlässt und sich auf Roboter und Robotaxis konzentriert. "Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der Zeit weit mehr Cybercabs produzieren werden als alle unsere anderen Fahrzeuge zusammen" , sagte Musk bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Ob diese Rechnung aufgeht, ist alles andere als sicher.
In diesem Transformationsprozess sind das Model S und Model X sicherlich verzichtbar. Das gilt jedoch nicht für die Volumenmodelle Y und 3, die schon seit Jahren auf dem Markt sind. Wenn die Robotaxis ebenso floppen wie der Cybertruck, könnte sogar die Ära Teslas als Autohersteller irgendwann enden.



