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Aus für H2-ready: Doch kein Wasserstoff im Stadtgasnetz

Zwei Drittel der Energieversorger wollen weniger in Gasleitungen investieren, vor allem weil H2-ready-Heizungen wohl nie relevant werden.
/ Mario Petzold
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Eine Verdichterstation im brandenburgischen Mallnow (Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Eine Verdichterstation im brandenburgischen Mallnow Bild: Getty Images/Sean Gallup

Eine Umfrage der Beratungsfirma Horváth, die unter anderem vom Spiegel(öffnet im neuen Fenster) zitiert wird, zeigt, dass die deutschen Energieversorger kaum eine Zukunft für das 600.000 km lange Gasnetz sehen. Ursprünglich hatten sie sich dafür eingesetzt, dass das sogenannte Heizungsgesetz von 2023 auch Heizungen erfasst, die perspektivisch auf Wasserstoff umgestellt werden könnten. Diese werden als H2-ready-Heizungen bezeichnet.

An der Sinnhaftigkeit des Vorhabens wurde jedoch schon damals gezweifelt, was beispielsweise der Nabu(öffnet im neuen Fenster) zu der Zeit darlegte. Von teuren Umstellungen über die geringe Effizienz bis zur Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff sind die Argumente gegen diese Technologieoffenheit nicht von der Hand zu weisen.

Konzentration auf Strom

Von den 91 befragten Energieversorgern geben nun zwei Drittel an, ihre Investitionen in das Gasnetz zurückfahren zu wollen. Ein gleich großer Anteil nennt Stromspeicher als das Feld, in welches diese Gelder investiert werden sollen.

60 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten deshalb, dass das Gasnetz zurückgebaut wird. Lediglich bei 4 Prozent herrscht die Überzeugung, dass Wasserstoff Erdgas zumindest annähernd gleichwertig ersetzen kann.

Wobei einige der Gasleitungen sicherlich weiterhin Verwendung finden werden. Das geplante Wasserstoffkernnetz, das das gesamte Bundesgebiet erreichen soll, dürfte zu großen Teilen aus umgewidmeten und umgerüsteten Gasleitungen bestehen. Es wird aber voraussichtlich nur 9.000 km lang sein, kaum mehr als 1 Prozent der Länge des gesamten Gasnetzes.

Effizienz und Preis als Problem

Überraschen dürfte die ermittelte Einschätzung nicht. Die Wasserstoffproduktion wird in den nächsten Jahren kaum einen größeren Beitrag zur Energieversorgung leisten. Hinzu kommt, dass Wasserstoff auch zukünftig nicht annähernd zu Preisen wie Erdgas verkauft werden kann.

Und schließlich sind kleine Wärmepumpen für Einfamilienhäuser und erst recht Großwärmepumpen für Fernwärmenetze um ein Vielfaches effizienter, als es die Verbrennung von Wasserstoff wäre. Es müsste mindestens die zehnfache Energie für die Herstellung von Wasserstoff aufgewendet werden, um die gleiche Heizleistung wie aus einer Wärmepumpe zu erhalten.


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