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Auktion: Ungeknacktes Rätsel der CIA-Skulptur Kryptos wird verkauft

Der US-Künstler Jim Sanborn trennt sich vom ungelösten K4-Code seiner CIA -Skulptur Kryptos – und lässt die Zukunft des Rätsels offen.
/ Przemyslaw Szymanski
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Die Kryptos-Skulptur steht auf dem Gelände der Central Intelligence Agency (CIA) in Langley, Virginia. (Bild: Jim Sanborn)
Die Kryptos-Skulptur steht auf dem Gelände der Central Intelligence Agency (CIA) in Langley, Virginia. Bild: Jim Sanborn / CC-BY-SA 3.0

Das wohl bekannteste ungelöste Kryptogramm der Welt könnte bald entschlüsselt werden – zumindest für den Höchstbietenden. Jim Sanborn, Schöpfer der legendären Skulptur Kryptos vor dem Hauptquartier der CIA, will den bislang geheim gehaltenen Klartext des vierten und letzten Codesegments (K4) versteigern.

Am 20. November 2025 soll ein Auktionshaus in Boston die handschriftliche Aufzeichnung samt ergänzenden Unterlagen anbieten. Der erwartete Erlös liegt zwischen 300.000 und 500.000 US-Dollar. Ein Teil des Geldes soll Projekten zugutekommen, die Menschen mit Behinderungen unterstützen.

Dass die geplante Versteigerung für Aufsehen sorgt, liegt nicht nur am hohen Wert, sondern auch an der außergewöhnlichen Geschichte der Skulptur. Kryptos wurde 1990 enthüllt und gilt seitdem als Ikone der Verbindung von Kunst und Kryptografie.

Die Skulptur aus Kupfer, Granit und Holz trägt vier verschlüsselte Passagen – drei davon wurden in den vergangenen Jahrzehnten von Kryptoenthusiasten und professionellen Codeknackern gelöst. Der finale Abschnitt K4 hingegen widerstand allen Versuchen – ob von Amateurgruppen, Universitäten oder staatlichen Behörden.

Wenn ein Künstler sein Rätsel übergibt

Sanborn, der in Kürze 80 Jahre alt wird, begründete den Schritt mit dem Wunsch, die Verantwortung für das Rätsel rechtzeitig abzugeben. "Ich könnte jeden Moment umkippen und würde ruhiger schlafen, wenn ich wüsste, dass alles geregelt ist" , sagte er in einem Interview mit der Washington Post.

In einem Brief an die Fans seiner Kunst, der ebenfalls von der Washington Post(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht wurde, schrieb er, die Entscheidung sei ihm "nicht leichtgefallen" und er wisse, dass "viele in der Kryptos-Gemeinschaft darüber enttäuscht sein werden" . Zugleich räumte er ein: "Ich habe nicht mehr die physischen, mentalen oder finanziellen Mittel, den 97-Zeichen-Code zu betreuen und meine anderen Projekte fortzuführen."

Der Künstler bittet den künftigen Eigentümer allerdings, die übergebenen Dokumente nicht öffentlich zu machen – andernfalls wäre das jahrzehntelange Rätselraten sofort beendet. Gleichzeitig deutete Sanborn an, dass selbst nach einer Entschlüsselung von K4 noch ein weiteres Puzzle warte.

"K5 wird ebenfalls einigermaßen undurchschaubar sein" , erklärte er vielsagend im Interview. Auf die Frage, ob es sich dabei um weitere zu entschlüsselnde Zeichen handle, antwortete er nur: "Nun, das kann ich jetzt wohl kaum verraten, oder?"

Ob die Auktion tatsächlich den Schlusspunkt setzt, ist also offen. Zwar könnte K4 damit entschlüsselt werden, doch Sanborns Andeutung eines geheimen "K5" deutet darauf hin, dass die Jagd nach den letzten Geheimnissen von Kryptos noch nicht vorbei sein dürfte.


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