Aufsichtsratsvorsitzender: Vorstandschef von Freenet war "absolute Fehlentscheidung"

Vor der Hauptversammlung des Mobilfunkproviders findet der scheidende Aufsichtsratschef Helmut Thoma sehr deutlich Worte für die Konzernführung von Freenet.

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Freenet-Chef Christoph Vilanek (L) und Michael Hagspihl von der Telekom
Freenet-Chef Christoph Vilanek (L) und Michael Hagspihl von der Telekom (Bild: Ronny Hartmann/Getty Images For Deutsche Telekom)

Der bisherige Aufsichtsratschef von Freenet, Helmut Thoma (83), hat massive Kritiken am Vorstandschef des MVNO, Christoph Vilanek, geäußert. Bei der Auswahl von Vilanek habe er "voll danebengegriffen", sagte Thoma dem Handelsblatt. "Diese Personalie war leider eine absolute Fehlentscheidung."

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United Internet ist dabei, ein eigenes Netz aufzubauen. Freenet sei als Service-Provider ohne eigenes Netz (Mobile Virtual Network Operator) übriggeblieben. Überleben sei da schwierig, betonte Thoma. Er habe in Gesprächen mit Vilanek immer wieder bestimmte strategische Entwürfe gefordert, aber nichts sei geschehen. "Das Ziel muss sein, sich aus dieser absoluten Abhängigkeit von den großen Netzgesellschaften zu befreien. Das Wohlwollen von Vodafone und Deutscher Telekom über Boni und Provisionen entscheidet über unser Schicksal", sagte Thoma.

United Internet hatte sich dafür entschieden, ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen, weil das bisherige Geschäftsmodell langfristig verloren geht, hatte Firmenchef Ralph Dommermuth im Januar 2021 gesagt. Seit der Fusion von O2 und E-Plus biete keiner der drei etablierten Anbieter dem Weiterverkäufer "freiwillig Netzkapazitäten zu marktgerechten Preisen" mehr an, beklagte Dommermuth. Daher habe man sich entschieden, die 5G-Frequenzen zu ersteigern und ein Netz zu bauen. Die Verträge von United Internet mit den Netzbetreibern "laufen noch rund zehn Jahre, danach wird's schwierig", sagte Dommermuth.

Thoma: Warum kein Bündnis mit Tencent

Thoma habe dem Freenet-Vorstandschef Vilanek vorgeschlagen, mit dem chinesischen Konzern Tencent ins Gaming-Geschäft einzusteigen. "Die waren bereit für eine Kooperation. Nichts geschah", sagte Thoma.

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Der Mobilfunkprovider hat gegenwärtig über 7,2 Millionen Kunden. Mobilcom-Debitel wurde 1991 vom legendären Gerhard Schmid gegründet und begann als Serviceprovider mit Sitz in Schleswig. Schmid gehörte in der Zeit der Internet-Spekulationsblase von 1999 bis 2000 zu den deutschen Milliardären. Seine Firma Mobilcom ersteigerte im Sommer 2000 zusammen mit France Telecom für 8,5 Milliarden Euro eine UMTS-Lizenz, doch die Franzosen zahlten nicht. Freenet kaufte im Jahr 2011 den Konkurrenten Debitel. Freenet selbst war früher eine Tochter von Mobilcom, die dessen Festnetzgeschäft erworben hatte.

Freenet Mobilcom-Debitel erwarb im März 2016 für rund 295 Millionen Euro Media Broadcast, den technischen Plattformbetreiber für Fernsehsender für den HD-Antennenfernseh-Standard DVB-T2. Zudem besitzt Freenet eine Beteiligung von 50,01 Prozent an Exaring, das ein 11.000-Kilometer-Glasfasernetzwerk besitzt und mit Waipu.tv IP-TV und eine Video-on-Demand-Plattform in Deutschland anbietet.

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