Weltraumhorror ohne Aliens

Dreiviertel des Films erleben wir mehrere Nasa-Testflüge intensiv mit, größtenteils aus verwackelten Innenräumen. Wenn die Ansicht hier mal nach draußen wechselt, dann fast ausschließlich an Positionen, die wie von der Nasa als Actionkamera ans Raumschiff montiert wirken und so zum beklemmend authentischen Grundgefühl beitragen. Aufbruch zum Mond lässt uns Zuschauer ohne Raumfahrterfahrung den unbeschönigten Horror des Allflugs in seinen Anfängen glaubwürdiger, aber auch unangenehmer miterleben als es etwa Apollo 13 oder Der Stoff aus dem die Helden sind zuvor gezeigt haben.

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In den Teilen des Films, die Neil Armstrong zu Hause bei seiner Familie zeigen, hätten wir aufs immerzu wackelnde Sichtfeld hingegen gut und gerne verzichten können. Bei allem Verständnis dafür, dass Regisseur Chazelle und sein Kameramann Linus Sandgren auf diese Weise wohl darstellen wollten, dass Armstrong daheim nie so ganz mit den Gedanken bei Frau und Kindern, also nicht auf sein Umfeld im Hier und Jetzt fokussiert war - mehr Kontrast im Vergleich zu den Raumfahrtszenen hätte Aufbruch zum Mond in seinen irdischen Segmenten gut getan, den Film in intimen Momenten seiner Hauptfiguren schlichtweg angenehmer zu gucken gemacht.

  • Neil Armstrong (Ryan Gosling), Buzz Aldrin (Corey Stoll), Mike Collins (Lukas Haas) (Bild: Universal Pictures)
  • Neil Armstrong (Ryan Gosling) und Gattin Janet (Claire Foy) (Bild: Universal Pictures)
  • Deutlich sichtbares Korn zeugt vom Einsatz analoger Kameras - je nach Szene mit 16mm, 35mm oder 65mm Filmmaterial. (Bild: Universal Pictures)
  • Die Crew der Apollo 11 auf dem Weg in die Raumfähre. (Bild: Universal Pictures)
  • Neil Armstrong wird auf den Einsatz im All vorbereitet. (Bild: Universal Pictures)
Neil Armstrong wird auf den Einsatz im All vorbereitet. (Bild: Universal Pictures)

Nur der Grundkurs in Raketenwissenschaft

Natürlich gibt es auch Passagen, die Armstrong beim Alltag im Inneren der Raumfahrtbehörde zeigen, hiervon hatten wir uns jedoch mehr Tiefgang erhofft. Mit den Worten "Welcome to Basic Rocket Science" leitet Kyle Chandler in der Rolle des Nasa-Direktors Donald Kent Slayton fast schon augenzwinkernd eine Erklärsequenz ein, in der Zuschauern der Ablauf des Mondanflugs näher gebracht wird. Dass die Besatzungskandidaten von Apollo 11 dabei absurd simple Tafelzeichnungen begutachten, als würden sie gerade den ersten Tag eines Nasa-Schülerpraktikums besuchen, passt für uns nicht zum ansonsten so ernsthaft erzählten Film. Wir glauben nicht, dass der Film die Zuschauer überfordert hätte, wäre er in solchen Szenen näher am Wortlaut echter Astronautenbriefings geblieben und theoretische Abläufe auch mal so komplex dargestellt hätte, wie sie wirklich sind. Auch in Hollywood-Filmen fürs große Publikum kann so etwas, mit Bedacht dosiert, durchaus für zusätzliche Atmosphäre sorgen - selbst wenn Zuschauer mal nicht jeden Fachbegriff sofort verstehen.

Auf seinem Höhepunkt versteht es Aufbruch zum Mond besser, Hollywood-Qualitäten mit Authentizität zu verbinden. Während der bildgewaltig, geradezu poetisch inszenierten Mondlandung, die komplett auf Imax-Kameras gedreht wurde und auch sonst alle Register filmischer Hochglanz-Optik zieht, hören wir nichts außer den Originalfunksprüchen der Apollo-11-Mission und sehen auch immer wieder Original-Fernsehbilder des echten Ereignisses eingestreut, über deren Echtheit Verschwörungstheoretiker ja bis heute streiten. Diese lange Szene hat Stil und fängt ganz besonders das wunderschöne Gefühl ein, von einem Ausblick komplett überwältigt zu sein. So muss es sich auch für Neil Armstrong angefühlt haben, als sich die Luke der Landefähre Eagle geöffnet und er als erster Mensch mit eigenen Augen die Erde vom Mond aus gesehen hat.

Der Mond selbst ist den Aufbruch ins Kino wert

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Erst intensiv und nah an den Protagonisten wie bei Whiplash, dann beim großen Finale wunderschön präzise choreografiert wie La La Land. Immer auf analoges Filmmaterial gedreht, mit gut erkennbarem Filmkorn. Besonders die Weltraumszenen von Aufbruch zum Mond wirken so, als habe Damien Chazelle hier den jeweiligen Stil seiner beiden vorherigen, sehr unterschiedlich inszenierten Filme zusammenführen wollen.

  • Neil Armstrong (Ryan Gosling), Buzz Aldrin (Corey Stoll), Mike Collins (Lukas Haas) (Bild: Universal Pictures)
  • Neil Armstrong (Ryan Gosling) und Gattin Janet (Claire Foy) (Bild: Universal Pictures)
  • Deutlich sichtbares Korn zeugt vom Einsatz analoger Kameras - je nach Szene mit 16mm, 35mm oder 65mm Filmmaterial. (Bild: Universal Pictures)
  • Die Crew der Apollo 11 auf dem Weg in die Raumfähre. (Bild: Universal Pictures)
  • Neil Armstrong wird auf den Einsatz im All vorbereitet. (Bild: Universal Pictures)
Deutlich sichtbares Korn zeugt vom Einsatz analoger Kameras - je nach Szene mit 16mm, 35mm oder 65mm Filmmaterial. (Bild: Universal Pictures)

Armstrongs Kindern, Weggefährten und seiner Autobiografie zufolge kommt die bewusst nüchterne Darstellung der realen Person durchaus sehr nahe. Deswegen liegt es uns auch fern, Hauptdarsteller Ryan Gosling, der hier im Grunde seine Performance des Replikanten aus Blade Runner 2049 nahtlos fortsetzt, einen Vorwurf zu machen. Dennoch hätten sich Chazelle und die Autoren des Films mehr Gedanken machen sollen, andere Aspekte der Reise zum Mond mehr in den Mittelpunkt zu rücken oder die 2 Stunden und 22 Minuten Laufzeit des Films in Hinblick auf Armstrongs Privatleben wenigstens deutlich zu straffen. Diese trägeren Momente der Geschichte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Aufbruch zum Mond ganz besonders mit der grandios präsentierten Mondlandung als Highlight einige herausragende Sequenzen zeigt, die nicht nur Raumfahrt-Nerds im Kino, bestenfalls auf der riesigen Imax-Leinwand erlebt haben sollten.

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 Aufbruch zum Mond: Die schönste Fake-Mondlandung aller Zeiten
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