Aufbereitete Smartphones: Augen auf beim Refurbished-Kauf
Refurbished-Smartphones sind eine praktische Sache: Anstelle eines neuen Gerätes wird ein gebrauchtes gekauft, das von einer Werkstatt auf korrekte Funktion überprüft wurde; eine Garantie gibt es daher auch. Neben dem Geldbeutel wird so auch die Umwelt geschont, da ein älteres Gerät nicht entsorgt, sondern verkauft und weiterverwendet wird.
Beim Anbieterportal Back Market(öffnet im neuen Fenster) wird der Refurbish-Prozess wie folgt erklärt: "'Generalüberholt', aufbereitet, oder etwas hipper als Anglizismus 'refurbished', bedeutet, dass ein gebrauchtes Gerät sowohl von außen (Hardware), aber vor allem von innen (Software) komplett untersucht und ausgebessert wird. Zertifizierte Aufbereitungsfirmen kontrollieren jeden Bereich und jedes Teil des Handys, um nicht funktionierende Komponente und Fehlfunktionen zu identifizieren. Defekte Teile werden ausgetauscht und Funktionen wiederhergestellt."
Golem.de hat sich angeschaut, wann und für wen sich Refurbished-Smartphones lohnen. Dabei haben wir festgestellt: Bei manchen Geräten lohnt sich aus finanziellen Gründen kein Gebrauchtkauf, wenn ein nahezu fabrikneues Gerät gewünscht wird. Besonders bei iPhones hingegen lässt sich einiges sparen – Apples Smartphones sind auch bezüglich der Updatesicherheit sinnvoller als Android-Modelle.
iPhones, iPhones, iPhones
Auf den Startseiten vieler Refurbished-Anbieter, etwa Back Market oder Refurbed(öffnet im neuen Fenster), finden wir zunächst eine nicht enden wollende Anzahl an iPhones. Zwischendrin ist immer mal wieder ein Smartphone von Samsung zu finden, dann folgen Marken wie Huawei und Sony. Wie uns Back Market mitteilt, ist das kein Zufall: Die Kundschaft interessiert sich vor allem für iPhones, da diese als Neugeräte verhältnismäßig teuer sind. Für Wiederaufbereiter sind die Geräte interessant, da sich auch für ältere Modelle gute Preise erzielen lassen.
So ist etwa ein iPhone XR in Schwarz mit 64 GByte Speicher zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels bei Back Market für 530 Euro verfügbar. Der Zustand wird dabei mit "wie neu" angegeben, das Gehäuse und der Bildschirm sollen keine Kratzer haben. Bei Apple kostet das gleiche Gerät neu 681 Euro – also gut 150 Euro mehr.
Beim iPhone 11 ist die Ersparnis schon etwas geringer: Bei Apple kostet das schwarze Modell mit 64 GByte 780 Euro, bei Back Market im Wie-neu-Zustand 730 Euro. Bei Refurbed sind es nur wenige Euro weniger, dafür gibt es dort nur zwölf anstatt 36 Monate Garantie, wie sie Back Market anbietet. Hier lohnt sich unter finanziellen Gesichtspunkten auch eher ein Neukauf.

Je älter das iPhone, desto mehr sparen Kunden verglichen mit einem Neukauf – sofern dieser überhaupt noch möglich ist. Apple stellt den Verkauf seiner Geräte irgendwann ein und setzt nicht auf den jahrelangen Abverkauf im Einzelhandel. Derartige ältere iPhone-Modelle gibt es dann nur noch gebraucht, etwa bei Refurbished-Händlern.
Wer ein aufgearbeitetes Smartphone kaufen möchte, hat allerdings auch Auswahl im Android-Bereich. Dort zeichnet sich bei der Preisdifferenz ein ähnliches Bild ab wie bei den iPhones.
Auch relativ aktuelle Top-Modelle von Samsung sind nicht sonderlich günstiger
Das Galaxy S10 von Samsung beispielsweise, also eines der Topmodelle des südkoreanischen Herstellers aus dem Jahr 2019, ist bei Back Market mit 128 GByte Speicher in Schwarz wie neu für 520 Euro zu bekommen. Das gleiche Gerät gibt es neu bereits für 540 Euro. Betrachtet man nur den finanziellen Gesichtspunkt, erscheint ein Gebrauchtkauf hier nicht sinnvoll.
Anders sieht es beim Galaxy S9 aus: Einem Neupreis für die 64-GByte-Version in Schwarz von 450 Euro stehen 316 Euro für die aufbereitete, neuwertige Variante gegenüber. Das ist eine deutliche Ersparnis. Im Android-Bereich lohnt es sich auf jeden Fall, mehrere Modelle und auch Farben durchzuschauen – die Preisunterschiede zu Neugeräten sind teilweise dramatisch.
Sowohl Back Market als auch Refurbed reparieren die Geräte nicht selbst, die Unternehmen dienen lediglich als Zwischenhändler. Die Aufbereitungsarbeiten werden von verschiedenen kleineren Werkstätten in ganz Europa ausgeführt, die in den Artikelauflistungen auch genannt werden. Unter Umständen lässt sich beim Kauf eines Refurbished-Gerätes weiter sparen, wenn ein Smartphone in weniger gutem Zustand gewählt wird – manchmal sind diese Geräte aber auch teurer als ein neuwertiges.
Wie uns Back Market mitteilt, hängt der Preis eines wiederaufbereiteten Smartphones immer auch von der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Gebrauchtgeräten selbst ab. Während des weltweiten Stillstandes aufgrund der Coronapandemie konnte Back Market im ersten Halbjahr 2020 beobachten, dass weniger Smartphones und Ersatzteile verfügbar waren als im vergangenen Jahr. Bei Back Market selbst sollen spezielle Verträge mit den einzelnen Händlern aber dafür sorgen, dass die Preise nicht allzu stark steigen.

Wichtig ist nicht nur die Qualität der Hardware, sondern auch die der Software
Wer sich ein gebrauchtes Smartphone kauft, sollte aber nicht nur den Preis beachten: Auch die Verfügbarkeit von Updates ist wichtig. Ein Smartphone, das bereits einige Jahre alt ist, könnte unter Umständen keine Updates mehr erhalten. Auch hier zeigt sich, dass Apple-Geräte im Vorteil sind.
Denn Apple(öffnet im neuen Fenster) unterstützt seine iPhones rund fünf Jahre mit Sicherheits- und Betriebssystemupdates: Selbst die über vier Jahre alten iPhones SE und 6S haben vom Hersteller die aktuelle iOS-Version 13.6 erhalten, mitsamt neuer Funktionen und Sicherheitsupdates. Auch das kommende iOS 14(öffnet im neuen Fenster) sollen die Geräte bekommen. Selbst Auslaufmodelle wie das sieben Jahre alte iPhone 5S oder das etwas jüngere iPhone 6 werden von Apple noch gepflegt, allerdings mit dem etwas älteren iOS 12 und wahrscheinlich nicht mehr allzu lange. Wer ein mehrere Jahre altes iPhone kauft, kann also noch einige Jahre Freude damit haben, ohne auf die elementaren Sicherheits- und Bestriebssystemupdates verzichten zu müssen.
Bei den Android-Smartphones sieht das ganz anders aus. Google(öffnet im neuen Fenster) gibt – als einer der wenigen oder gar als einziger Smartphone-Hersteller – ein konkretes Mindeshaltbarkeitsdatum für seine Pixel-Reihe an: Mindestens drei Jahre lang sollen die Geräte sowohl mit Sicherheitsupdates als auch mit neuen Android-Versionen versorgt werden. Praktischerweise finden sich bei den einschlägigen Refurbished-Portalen in der Regel auch Googles Pixel-Smartphones im Angebot.
Softwareversorgung ist elementar für Lebensdauer eines Gebrauchtgerätes
Eine Kennzeichnung wie bei Google würden wir uns analog zum Mindeshaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln bei allen Elektrogeräten, insbesondere aber bei Smartphones wünschen. Gerade bei einer Kaufentscheidung für Refurbished-Geräte ist die Versorgung mit Updates und damit in gewisser Weise auch die Lebensdauer eine relevante Information. Zwar veröffentlicht Samsung eine Liste der Geräte(öffnet im neuen Fenster), die sich gerade noch im Support befinden, gestaffelt nach monatlichen, dreimonatlichen und gelegentlichen Sicherheitsupdates, allerdings heißt es zu der Supportdauer lapidar(öffnet im neuen Fenster): "Wir können keine pauschale Aussage dazu treffen, über welchen Zeitraum bestimmte Mobilgeräte von uns mit Updates versorgt werden."
Wer sich heute also ein generalüberholtes Galaxy S9 oder S10 kauft, kann nur schätzen, wie lange es verwendet werden kann. Das Galaxy S7 wurde beispielweise bis Anfang 2020 mit Sicherheitsupdates versorgt – allerdings hat das Gerät kein Android 10 mehr bekommen. Das Galaxy S8 bekommt nur noch vierteljährliche Sicherheitsupdates, ein Upgrade auf Android 10 oder gar das kommende Android 11 ist nicht geplant.
Mit dem Einstellen der Updates werden die Smartphones nach wenigen Jahren Elektroschrott, obwohl die Hardware noch intakt ist. Letztlich könnte man das Verhalten der Hersteller als eine Art geplante Obsolezenz betrachten, denn das oftmals beim Kauf nicht absehbare Ablaufdatum des Smartphones schränkt die Lebensdauer der Geräte erheblich ein – und erzeugt jede Menge Elektromüll.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fordert die Smartphone-Hersteller dazu auf, ihre Geräte mindestens fünf Jahre lang mit Sicherheitsupdates zu versorgen. Bereits beim Kauf solle in der Gerätebeschreibung eingesehen werden können, wann der Supportzeitraum endet und wie lange das Gerät mit der jeweils aktuellen Betriebssystemversion versorgt wird. Das würde nicht nur für informierte Verbraucher sorgen, sondern auch für weniger unsichere Geräte und weniger Elektroschrott. Hier müssten die Hersteller oder der Gesetzgeber jedoch dringend handeln.
Fazit
Bei aufbereiteten Smartphones lässt sich mitunter einiges gegenüber dem Neupreis sparen, besonders ältere Topmodelle sind deutlich günstiger als das entsprechende Neugerät. Selbst in bestem Zustand der Gebrauchtgeräte sind sowohl viele iPhones als auch Samsung-Geräte merklich günstiger.
Bei sehr neuen Modellen hingegen ist die Ersparnis so gering, dass mitunter eher ein Neukauf lohnt. Wer sich vor allem aufgrund der finanziellen Seite für ein wiederaufbereitetes Smartphone interessiert, sollte auf jeden Fall vergleichen. Ein Refurbished-Gerät muss nicht automatisch eine Riesenersparnis bedeuten.
Unbedingt beachtet werden sollte, ob das gewünschte Gerät noch mit Softwareupdates versorgt wird. Das Galaxy S7 gibt es beispielsweise bereits für um die 180 Euro in neuwertigem Zustand – das Gerät bekommt allerdings von Haus aus keinerlei Updates mehr, nicht einmal Sicherheitsupdates. So kann sich ein Schnäppchen schnell als Niete herausstellen.
Google garantiert immerhin drei Jahre lang Betriebssystem- und Sicherheitsupdates. Lang ist das nicht, aber man weiß immerhin, woran man ist. Bei den meisten anderen Android-Herstellern ist man mit derartigen Zusagen vorsichtig. Apple hingegen unterstützt seine Geräte bisher fünf Jahre und länger. Wer sich also ein zwei Jahre altes iPhone kauft, wird auch in den kommenden Jahren mit ziemlicher Sicherheit sowohl Sicherheits- als auch Versionsupdates erhalten. Garantiert wird jedoch auch das nicht: Eine Webseite mit einem garantierten Mindesthaltbarkeitsdatum wie bei Google sucht man bei Apple vergebens.
Da Refurbished-Geräte naturgemäß meist schon mehrere Monate bis mehrere Jahre auf dem Markt sind, lohnt sich der Kauf vor allem für Modelle, die noch lange mit aktueller Software versorgt werden. Hier haben definitiv Apples iPhones Vorteile, obendrein lässt sich bei diesen am meisten Geld sparen und letztlich auch am meisten für die Umwelt tun. Bei Android bleibt zu hoffen, dass sich an der Update-Kultur dringend etwas ändert. Hier sollte Google Vorbild sein und seine Support-Dauer auf wenigstens fünf Jahre ausbauen.
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