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Audi-Entwicklung: Mit der VR-Brille ein richtiges Auto fahren

Der Autohersteller Audi nutzt die virtuelle Realität zur Demonstration von Sicherheitsfunktionen. Kunden können zudem ihr künftiges Auto durch eine solche Brille konfigurieren.
/ Friedhelm Greis
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Mit der VR-Brille lässt sich das Auto in einer virtuellen Umgebung steuern. (Bild: Audi)
Mit der VR-Brille lässt sich das Auto in einer virtuellen Umgebung steuern. Bild: Audi

Der junge Audi-Mitarbeiter sitzt noch wirklich neben mir auf dem Beifahrersitz, während er mir die VR-Brille aufsetzt. Doch kaum hat man das Oculus Rift über den Kopf gezogen, ist er plötzlich verschwunden. Der Beifahrersitz ist leer, und aus dem verregneten Flugplatzgelände bei München ist eine sonnige Kleinstadt geworden. Real geblieben ist das Auto: Nach dem Umschalten des Automatikhebels gibt man Gas, der A4 fährt los. Die Brille projiziert die tatsächlichen Beschleunigungen und Lenkbewegungen des Fahrzeugs in die virtuelle Umgebung. Blickt man nach rechts oder links, erscheint die Kleinstadtumgebung mit Läden, Fußgängern, Radfahrern und anderen Autos vor den Augen.

VR bei Audi angesehen
VR bei Audi angesehen (01:49)

Der Einsatz der virtuellen Realität ist bei Audi keine reine Spielerei oder Selbstzweck. Vielmehr sollen den Audi-Verkäufern auf diese Weise die neuen Assistenzfunktionen demonstriert werden, wie Vertriebsmitarbeiter Martin Schulze Beerhorst erläutert. In einem richtigen Auto, jedoch in einer virtuellen Umgebung, in der unerwartet Fußgänger die Fahrbahn kreuzen und eine Vollbremsung erforderlich wird.

Zusätzliche Technik zur Ortung und Kopfposition

Dazu fährt man mit dem speziell ausgerüsteten A4 zunächst eine Innenstadtstraße entlang, passiert Ampeln und einen Wendehammer. Auf dem Rückweg vom Parkplatz kommt es dann zu einer brenzligen Situation: Abgelenkt durch einen stürzenden Fahrradfahrer auf der linken Seite übersieht man leicht einen Vater, der von rechts ein Kind im Kinderwagen auf die Straße schiebt. Wenn der Fahrer nicht in die Bremsen steigt, übernimmt das die Sicherheitsfunktion Pre Sense City. Schulze Beerhorst glaubt: Wer als Verkäufer solch eine Funktion selbst getestet und zumindest virtuell "erlebt" habe, könne dies auch besser den potenziellen Käufern vermitteln.

Dazu hat der Autohersteller das virtuelle Trainingsauto mit zusätzlicher Technik ausgestattet. Ein Infrarotsensor auf der Kopfstütze des Rücksitzes vermisst die Kopfposition und die Blickrichtung des Fahrers mit Hilfe von Markierungspunkten auf der VR-Brille. Ein hochpräzises Differenzial-GPS ortet das Auto zentimetergenau auf dem Flugplatz und überträgt die Daten in die programmierte Umgebung. Für die Verarbeitung der Daten ist der Kofferraum mit den erforderlichen Rechnern ausgestattet. Audi nutzt Prozessoren und eine Grafikkarte von Nvidia. Etwas ungewohnt ist allerdings, dass die eigenen Hände und Arme noch nicht in der VR-Brille auftauchen. Das Lenkrad dreht sich daher scheinbar wie von Geisterhand, obwohl es vom Fahrer selbst bewegt wird.

Weitere Funktionen geplant

Derzeit plant Audi noch keinen Einsatz der Technik auf anderen Gebieten. Nach einer ersten Schulungswelle mit rund 5.000 Verkäufern soll die Simulation weiterentwickelt werden. In naher Zukunft soll sie weitere Assistenzfunktionen darstellen können.

Aber warum sollte man auf diese Weise keine Fahrschulstunden anbieten? Dadurch, dass der Bewegung in der Brille eine tatsächliche Beschleunigung entspricht, sind Nutzer nicht so schnell von Übelkeit wie in einem statischen Simulator betroffen. Angehende Autofahrer könnten auf diese Weise in Szenarien eintauchen, die an ihrem Heimatort nicht anders getestet werden können. Der Fantasie beim Einsatz sind sicher keine Grenzen gesetzt.

Virtuelle Autoausstellung auf dem Mond

Das gilt auch bei der virtuellen Autoausstellung, die Audi demnächst seinen Kunden anbietet. Dabei können sie mit Hilfe einer VR-Brille ihr künftiges Auto konfigurieren und in verschiedenen Umgebungen platzieren. So macht sich ein R8 sicherlich gut auf dem Hafenpier im mondänen Cannes. Selbst die Mondlandschaft ist im Programm. Die Kunden können mit der Brille auf dem Kopf um den Wagen herumgehen und Ausstattungsdetails nach ihren Wünschen verändern. Wer sich mit dem Kopf hinunterbeugt, kann wie mit einem Röntgenblick in das Innere des Wagens schauen.

Audi hat dazu nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) gemeinsam mit dem englischen Spezialisten Zerolight eine für VR-Darstellung optimierte Grafik-Engine entwickelt. Jeder Fahrzeug-Datensatz besteht demnach aus fünf bis sieben Millionen Polygonen, etwa vier Mal so viele wie bei einem High-End-Videospiel. Dadurch kann der Betrachter noch kleinste Details erkennen, beispielsweise unterschiedliche Glanzgrade des Lacks je nach Position zur virtuellen Lichtquelle.

Ziehen andere Hersteller nach?

Die OLED-Displays lösen mit je 1.080 x 1.200 Pixel auf und haben laut Audi in der gesamten Anwendung eine Ansprechzeit von weniger als 20 Millisekunden. Derzeit gibt es die Audi VR Experience in zwei Ausstattungen: als kompakte Ausführung auf dem Stuhl sowie als frei bewegliche Variante auf einer Fläche von fünf mal fünf Metern. Bislang hat Audi das letztgenannte Konzept nur in sechs Städten getestet. Es soll aber schrittweise in weiteren Verkaufsräumen angeboten werden.

Audi führt damit nach eigenen Angaben als erster Automobilhersteller ein hochentwickeltes VR-System ein. Es sei vollständig in die IT-Systemlandschaft von Audi integriert und werde online immer auf dem neuesten Fahrzeug-Datenstand gehalten. Gut möglich, dass andere Hersteller den verkaufsfördernden Einsatz der VR-Technik in Zukunft ebenfalls nutzen wollen.


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