Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Auch ohne Stromnetz: Afrika bietet gute Voraussetzungen für Elektroautos

Auch wenn die Stromversorgung je nach Region wenig zuverlässig ist, wird das E-Auto den Verbrenner in 10 Jahren preislich unterbieten.
/ Mario Petzold
15 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
In Accra, Ghana, fährt ein Dongfeng Nano EX1 als Elektrotaxi durch die Stadt. (Bild: ETH Zürich/Tobias Schmidt)
In Accra, Ghana, fährt ein Dongfeng Nano EX1 als Elektrotaxi durch die Stadt. Bild: ETH Zürich/Tobias Schmidt

Eine Studie der ETH Zürich(öffnet im neuen Fenster) und weiterer Forschungseinrichtungen, unter anderem aus Uganda und Südafrika, prognostiziert einen deutlichen Kostenrückgang für batteriebetriebene Fahrzeuge in Afrika. Deutlich vor dem Jahr 2040 werden sie mit Blick auf sämtliche anfallende Kosten günstiger sein als Verbrenner.

Laut des Forschungsteams, dessen Studie in Nature Energy(öffnet im neuen Fenster) frei abrufbar ist, steht das im Widerspruch zu bisherigen Prognosen, die auch nach 2050 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor preislich klar im Vorteil sahen. Hauptgrund dafür ist die in vielen Regionen wenig zuverlässige Infrastruktur. Und ohne eine preiswerte und zuverlässige Stromversorgung wäre der Verbrennungsmotor weiterhin im Vorteil.

Preisverfall bei entscheidenden Komponenten

Weil in den letzten Jahren sowohl Solarzellen als auch Batteriespeicher wesentlich günstiger geworden sind, berechnete die Studie die Kosten für ein großflächiges und komplett dezentrales System aus netzunabhängigen Ladepunkten, die kurzfristig gespeicherten Solarstrom bereitstellen.

Aufgrund der stabilen Werte für die Sonnenscheindauer und den steilen Einfallswinkel in vielen Regionen Afrikas genügen vergleichsweise kompakte Solaranlagen. Dazu dürfen die Speichersysteme nicht zu groß geplant werden.

Unter diesen Voraussetzungen könnten die Kosten pro 100 km für ein Elektroauto schon 2030 auf unter 30 US-Dollar (26 Euro) sinken. 2040 wäre afrikaweit ein Durchschnittswert von 20 Euro erreicht, 10 Prozent weniger als für Pkw mit Verbrennungsmotor.

Zum Vergleich: Der ADAC(öffnet im neuen Fenster) nennt für Deutschland für einen kompakten Verbrenner 45 Euro und für das kleine E-Auto Dacia Spring 35 Euro auf 100 km.

Große regionale Unterschiede

Gleichzeitig schwanken die berechneten Preise stark und sind auch von der Fahrzeugart abhängig. Batterieelektrische Motorräder sollen demnach schon in 5 Jahren erheblich günstiger sein als Modelle mit Verbrennungsmotor. Auch bei Minibussen und besonders großen Pkw könnte die Entwicklung deutlich schneller voranschreiten.

Die Finanzierung dürfte das Hauptproblem sein, zumindest in einigen Regionen. In stabilen Ländern wie Ghana, Botswana oder Südafrika sind Kredite vergleichsweise günstig. In Guinea oder Sudan machen die Finanzierungskosten einen wesentlich größeren Anteil aus.

Lokale Förderungen ignoriert

Gar nicht berücksichtigt wurden staatliche Eingriffe, die die Entwicklung zusätzlich beschleunigen oder bremsen könnten. So seien Subventionen für Minibusse oder die dezentrale Ladeinfrastruktur denkbar.

Äthiopien geht einen radikaleren Weg. Das Land am Nil verbot den Import von Autos mit Verbrennungsmotor(öffnet im neuen Fenster) bereits 2024.


Relevante Themen