Atos: Zero-E-Mail, zehn Jahre später

Bis 2013 wollte Atos seinen Angestellten die internen E-Mails komplett abgewöhnen. Geklappt hat es nicht, ein Erfolg war es trotzdem.

Artikel von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Ist ein Arbeitsleben ohne E-Mail überhaupt erstrebenswert?
Ist ein Arbeitsleben ohne E-Mail überhaupt erstrebenswert? (Bild: Brett Jordan/Unsplash)

"Das Ziel, die interne E-Mail bis 2013 nicht mehr einzusetzen, ist zu schaffen", sagte der Atos-Sprecher Stefan Pieper 2012 Golem.de. Bis dahin wollte man die interne Kommunikation komplett umstellen. "Die Abschaffung der E-Mail wird durchgesetzt."

Inhalt:
  1. Atos: Zero-E-Mail, zehn Jahre später
  2. Hat die E-Mail heute noch einen Platz?

Damals verursachte allein die Ankündigung von Zero-E-Mail viel Wirbel. Ein Novell-Manager nannte die Pläne utopisch, die Abschaffung der E-Mail sei frühestens bis 2020 zu schaffen. Ganz so gekommen ist es nicht mal 2022.

Auch acht Jahre, nachdem das Projekt Zero-E-Mail offiziell ausgelaufen ist, werden bei Atos noch E-Mails verschickt. Trotzdem sagt Pieper heute über das Projekt: "Wir haben es als Erfolg für uns verbucht." Seit der Ankündigung hat sich viel verändert. Chat-Apps wie Slack und Microsoft Teams sind mittlerweile auch im Büro üblich und zwei Jahre Pandemie haben den Stellenwert von digitaler Kommunikation verändert. Und selbst die E-Mail hat in der Coronapandemie einen neuen Platz in der Unternehmenskommunikation bei Atos gefunden.

Aus der alten Welt ins Neuland

Als Atos sich von der E-Mail verabschiedet, gibt es viele dieser Werkzeuge noch gar nicht. "Wir haben an der Stelle wirklich gesehen, dass wir relativ weit vorne mit diesem Ansatz sind", sagt Pieper. Er glaubt, dass auch die damalige Skepsis von außen und die Kritik von innen darauf zurückzuführen sind. "Das hat auf der einen Seite für uns gewissen Gestaltungsraum geboten, auf der anderen Seite aber auch durchaus Kritik, die wir während der Projektphase auch einstecken mussten."

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Technologisch waren die damals auf dem Markt verfügbaren Anwendungen, die einen alternativen Kommunikationsweg zur E-Mail anbieten konnten, aus seiner Sicht noch nicht ausgereift. Also übernahm Atos 2012 für 20 Millionen Euro Bluekiwi, zusammen mit seiner Enterprise Social Software. "Soziale Plattformen in Unternehmen verändern das Arbeiten grundlegend", hieß es in der Pressemitteilung dazu.

"Da haben wir für uns in dieser Zeit wirklich einen Sprung gemacht, der sehr groß war", erinnert sich Pieper, "weil wir aus der alten Welt kamen." Andere Unternehmen hätten so eine Umstellung vielleicht einfacher schaffen können. Damals hat Atos 76.400 Mitarbeiter in 48 Ländern. Nach außen bleibt die E-Mail unverzichtbar. Aber in der internen Kommunikation soll vollständig auf sie verzichtet und auf Chats und Intranet-Anwendungen umgestellt werden. Selbst wenn es damals schon etablierte Tools gegeben hätte, wäre das eine große Herausforderung gewesen.

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Tschüss Bluekiwi, hallo Microsoft 365

"Wir haben in dem Zeitraum von zehn Jahren mit unterschiedlichen Tools gearbeitet", sagt Pieper. Mittlerweile nutzt Atos nicht mehr das eingekaufte und selbst angepasste Tool von Bluekiwi, sondern wie viele andere Unternehmen die Cloud von Microsoft 365 - inklusive Microsoft Teams. Vom Azure Active Directory über Exchange Online bis zu SharePoint nutzt Atos die gesamte Produktpalette von Microsoft. Laut Pieper ergibt diese Integration mehr Sinn als eine individuelle Lösung.

Seit Bretons Ankündigung hat sich viel verändert. Slack löste einen regelrechten Hype um den Tod der E-Mail aus. Dabei war Slack nur ein Spieleentwickler, der gerade mit seinem Flash-Game Glitch gescheitert war und sein eigenes internes Kommunikations-Tool zum Produkt machte. Mit Slack wurde es in kurzer Zeit so erfolgreich, dass Microsoft bereit war, 8 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen zu bezahlen. Stattdessen übernahm Salesforce später Slack und Microsoft entwickelte mit Teams eine eigene Kollaborations-Plattform.

Teams ist mittlerweile sogar fest in Windows 11 verankert - so wie die Mail-App. Alternativen zur E-Mail sind heute selbstverständlich und die aufgeregten Schlagzeilen von vor zehn Jahren wirken heute wenig spektakulär. Selbst IBM kündigte 2018 an, mit dem Abschaffen der E-Mail zugunsten von Slack und Webex zu beginnen. Bei Atos ist das Projekt Zero-E-Mail heute kein Thema mehr. "Wir reden eigentlich nicht mehr darüber", sagt Stefan Pieper.

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Hat die E-Mail heute noch einen Platz? 
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mucpower 04. Apr 2022 / Themenstart

Das ist hier noch schlimmer. Hier gibt es gleich 2 oder 3 Tools, die das Gleiche machen...

uschatko 31. Mär 2022 / Themenstart

und wer konzentriert arbeiten will, nimmt E-Mail. So einfach ist das.

Cerdo 30. Mär 2022 / Themenstart

Chatten kann man innerhalb einer Firma auch wunderbar über Teams, Zoom und co., je...

viethansel 27. Mär 2022 / Themenstart

@Packwahn da bringst du etwas gewaltig durcheinander, mit "dass eine Email im...

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