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Atomwaffen: Westliche Technik für russische Militärprojekte

Glasfaserkabel aus Japan, Schiffe und Sensoren aus Deutschland. Ein Firmennetzwerk hat Technik besorgt, um Atomwaffen und Häfen zu sichern.
/ Mario Petzold
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Soldaten in Murmask bei der Einweihung des Atom-U-Boots Perm im März 2025 (Bild: AFP via Getty Images/Gavriil Grigorov)
Soldaten in Murmask bei der Einweihung des Atom-U-Boots Perm im März 2025 Bild: AFP via Getty Images/Gavriil Grigorov

Laut Recherchen von NDR(öffnet im neuen Fenster) , WDR und Süddeutscher Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) hat ein europaweit und auch in Deutschland aktives Firmennetzwerk Technik eingekauft, um russische Häfen und Stützpunkte für atomwaffenfähige Langstreckenbomber zu sichern. Bei den Glasfaserkabeln, Hydrophonen, Spezialschiffen und mehr handelt es sich stets nicht um Militärtechnik, wohl aber um Güter, die auch für militärische Zwecke eingesetzt werden könnten und maßgeblich wurden.

Für solche Güter müsste in der EU seit dem Jahr 2000 laut Süddeutscher Zeitung ein Export erst genehmigt und eine Endverbleibserklärung eingeholt werden. In dieser Erklärung muss dargelegt werden, wo die Exportgüter schlussendlich eingesetzt werden.

Netzwerk über zahlreiche Länder hinweg

Den Recherchen zufolge stand im Zentrum des Netzwerks, das mindestens von 2014 bis 2024 aktiv war, eine zyprische Firma namens Mostrello Commercial Limited, die einem russischen Geschäftsmann gehörte. Diese hat Speditionsfirmen beauftragt, um einzelne Güter nach Russland zu transportieren. Schiffe wurden in Bremen und ein Sedimentecholot in Rostock erworben. Ein Unterwasserroboter kam aus Großbritannien.

Das Geld für die Geschäfte soll über Offshore-Konten aus den Seychellen, den Britischen Jungferninseln oder Belize geflossen sein. Mindestens 22 Millionen Euro konnten bislang nachgewiesen werden.

Überwachungsnetz im Nordpolarmeer

Laut den befragten Experten, die die gekauften Komponenten, Schiffsrouten, Meldungen staatlicher russischer Stellen und teils auch die privaten Nachrichten von Matrosen in sozialen Netzwerken analysierten, wurde mit der Technik ein Überwachungsnetzwerk von Murmansk bis nach Franz-Josef-Land jenseits des 80. Breitengrads errichtet, insgesamt fast 2000 km. Es soll mit Unterwassermikrofonen und weiterer Sensortechnik U-Boote und Schiffe orten können.

Damit werden Häfen und Stützpunkte mit Langstreckenbombern geschützt, die ebenfalls seit Jahren modernisiert werden. Westliche U-Boote sollen erkannt und ihr Eindringen in diese kritischen Regionen verhindert werden. Damit würde die sogenannte Zweitschlagfähigkeit, also das Reagieren auf einen Angriff mit Atomwaffen, erheblich verbessert.

Zwischen Kriegsangst und stumpfen Sanktionen

Einerseits will sich Russland also davor schützen, dass feindliche U-Boote in den eigenen Gewässern unbemerkt bleiben. Andererseits wird hier aber auch militärisch aufgerüstet, im schlimmsten Fall für eine kommende Konfrontation.

Gleichzeitig zeigen die Recherchen, wie leicht auch nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine im Februar 2022 technisches Gerät, das auch militärisch genutzt werden kann, nach Russland gelangte. Alle Firmen, die vom Rechercheteam zu den Vorgängen befragt wurden, hätten sich stets darauf berufen, dass keine Gesetze verletzt worden seien. Und trotzdem konnte dadurch scheinbar ein militärisches Überwachungssystem gebaut werden.


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