Atomwaffen: Trumps Androhung neuer Tests ergibt keinen Sinn
Donald Trump hat laut Medienberichten(öffnet im neuen Fenster) angekündigt, dass die USA wieder Atomwaffentests durchführen werden. Er verweist dabei auf andere Länder und deren Programme. Unklar bleibt, um welche Art von Tests es sich genau handelt und ob Donald Trump weiß, was die wissenschaftlichen Einrichtungen in seinem Land machen.
Die letzten tatsächlichen Kernwaffentests, die inzwischen aus mehreren, guten Gründen nur noch unterirdisch durchgeführt werden, wurden zwischen 2006 und 2017 von Nordkorea durchgeführt. Tests von Russland und China, den mutmaßlichen Adressaten der Drohung, sind sogar noch länger her: Die Sowjetunion brachte 1990 eine Kernwaffe zur Explosion, China 1996.
Gute Gründe gegen Tests
Die USA führten zuletzt vor 33 Jahren einen solchen praktischen Versuch durch. Heute werden die eigenen Atomwaffen immer wieder geprüft und modernisiert, nur dass dafür keine Bombe gezündet werden muss.
Wollte man tatsächlich eine Atombombe zünden, müsste dafür zunächst ein geeignetes Gelände gefunden werden, idealerweise unterirdisch. Dann ist die Gefahr des Austritts radioaktiven Materials gering, aber nicht ausgeschlossen.
Gebiete, in denen oberirdische Tests durchgeführt wurden, sind meist weiterhin Sperrgebiete, wobei es sich zumindest weitgehend um schon davor unbewohnte Regionen handelte. Zwar ist der Gesamtanteil an der heute messbaren Strahlung, die aus den zahlreichen Tests stammt, im Vergleich zur natürlichen Strahlung gering, sie ist aber nachweisbar.
Zu guter Letzt darf das Unfallrisiko nicht außer Acht gelassen werden. Von einer frühzeitigen Explosion bis zum Auslösen seismischer Aktivitäten ist im Grunde alles denkbar – und die Folgen bei mehreren Megatonnen Sprengkraft könnten verheerend sein.
Fragwürdige Kenntnisse der eigenen Fähigkeiten
Auch darf man sich fragen, ob Donald Trump versteht, was an wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Lawrence Livermore National Laboratory(öffnet im neuen Fenster) oder dem Los Alamos National Laboratory(öffnet im neuen Fenster) erforscht wird.
Die Labore mit Milliardenbudgets und Tausenden Mitarbeitern erforschen seit Jahrzehnten nukleare Explosionen, die Auswirkungen von Kernfusionsreaktionen sowie die Verbesserungen des Atomwaffenarsenals der US-Regierung. Wobei nicht auszuschließen ist, dass bei den jüngsten Kürzungen der wissenschaftlichen Programme in den USA auch hier gespart wurde.
Es wäre zumindest nicht das erste Mal in der zweiten Amtszeit von Donald Trump, dass das eigene Atomwaffenprogramm unabsichtlich behindert(öffnet im neuen Fenster) würde.
Zweck der Ankündigung ungewiss
Es bleibt festzuhalten, dass die USA jährlich Milliarden in Kernwaffentests investieren, allerdings in Laboren und Computersimulationen. Solche Tests mit einer echten Bombe hätten keinerlei wissenschaftlichen Mehrwert, würden aber zahlreiche Risiken bereithalten – von einem neuen Wettrüsten inklusive aller denkbaren Bedrohungsszenarien noch gar nicht gesprochen.
Am ehesten handelt es sich bei der unsinnigen Ankündigung um eine neuerliche Nebelkerze. Während die Zölle gegenüber China zurückgefahren werden und ein neues Abkommen zu seltenen Erden(öffnet im neuen Fenster) die USA schwach aussehen lassen könnten, liefert Donald Trump gänzlich anderen Diskussionsstoff.
IMHO ist der Kommentar von Golem. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).
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