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Atomwaffen: Polymarket entfernt Wette auf nukleare Explosion

Auf der Prognoseplattform Polymarket ist eine Wette auf eine nukleare Explosion aufgetaucht – kurze Zeit später war sie wieder verschwunden.
/ Przemyslaw Szymanski
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Pilzförmige Wolke nach einem Atomtest am 25. Juli 1946 im Bikini-Atoll im Pazifik (Symbolbild) (Bild: National Archive/Newsmakers)
Pilzförmige Wolke nach einem Atomtest am 25. Juli 1946 im Bikini-Atoll im Pazifik (Symbolbild) Bild: National Archive/Newsmakers

Für einige Stunden haben Nutzer der Prognoseplattform Polymarket auf ein Szenario wetten können, das weltweit zu den sensibelsten überhaupt zählt: eine nukleare Detonation. Die entsprechende Wette(öffnet im neuen Fenster) stellte die Frage, ob es bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Einsatz einer Atomwaffe kommen könnte. Innerhalb kurzer Zeit sammelte sie ein Handelsvolumen von fast einer Million US-Dollar. Kurz darauf verschwand die Wette jedoch wieder von der Plattform.

Auffällig ist dabei vor allem die Art und Weise: Statt die Wette wie üblich einfach zu schließen, wurde sie archiviert, so dass öffentlich kein Datensatz mehr dazu existiert. Dementsprechend ist die Prognose derzeit nur als archivierte Version(öffnet im neuen Fenster) auf der Webseite einsehbar.

Das ist sehr ungewöhnlich, da auf der Plattform normalerweise sogar bereits ausgezahlte Wetten weiterhin sichtbar bleiben. Dazu gehören unter anderem auch Prognosen über militärische Konflikte, politische Entwicklungen oder strategische Entscheidungen von Staaten. Auf der Plattform laufen unter anderem Wetten zu den Kriegen in der Ukraine oder im Iran.

Auch andere Wetten zu möglichen Atomtests oder zur Frage, ob ein Verbündeter der USA(öffnet im neuen Fenster) in den kommenden Jahren eigene Nuklearwaffen besitzen könnte, sind weiterhin aktiv. Dass es dabei meist um sehr viel Geld geht, zeigt die Vergangenheit: Eine frühere Version der Wette auf eine mögliche nukleare Detonation erzielte ein Handelsvolumen von rund drei Millionen US-Dollar, bevor sie Ende 2025 geschlossen und ausgezahlt wurde.

Zwischen nationaler Sicherheit und Profit

Kritik gibt es an Prognoseplattformen wie Polymarket immer wieder. Sicherheitsexperten warnen, dass solche Angebote problematische Anreize schaffen könnten. Auch Jon Wolfsthal, früher Sonderberater von US-Präsident Barack Obama und heute Mitglied beim Bulletin of the Atomic Scientists, äußerte deutliche Bedenken: "So etwas habe ich noch nie gesehen" , sagte er 404 Media(öffnet im neuen Fenster) .

Es sei gefährlich, Menschen mit politischem Einfluss zu ermöglichen, anonym auf mögliche Ereignisse zu wetten. Dadurch könnten Anreize entstehen, aus persönlichem Gewinnstreben statt im nationalen Interesse zu handeln. Ähnlich kritisch äußerte sich der Nuklearhistoriker Alex Wellerstein: "Wie makaber. Vor allem angesichts dessen, wie viel Insiderhandel es bei Wetten auf aktuelle Ereignisse offenbar gibt [...]."

Dass solche Vermutungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt ein Fall aus der jüngeren Vergangenheit: Ein Trader setzte kurz vor der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro auf das entsprechende Ereignis und machte damit aus rund 30.000 US-Dollar mehr als 436.000 US-Dollar.

Polymarket selbst versteht solche Angebote hingegen als eine Art Prognoseinstrument. Nach Darstellung des Unternehmens liefern Einsätze auf reale Ereignisse Hinweise darauf, welche Entwicklungen viele Marktteilnehmer für wahrscheinlich halten. Warum jedoch ausgerechnet die Wette auf eine mögliche nukleare Explosion archiviert und damit vollständig aus dem sichtbaren Angebot entfernt wurde, bleibt vorerst offen. Eine Erklärung des Unternehmens dazu steht bislang aus.


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