Kashiwazaki-Kariwa: Japan nimmt Atomkraftwerk wieder in Betrieb
Der japanische Energiekonzern Tepco (Tokyo Electric Power Company) hat angekündigt(öffnet im neuen Fenster), die Reaktorblöcke 6 und 7 des Atomkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa am 20. Januar 2026 wieder hochzufahren. Es ist das theoretisch leistungsstärkste Atomkraftwerk der Welt. Mit der Entnahme der Steuerstäbe wird die Aufnahme des kommerziellen Betriebs für den 26. Februar 2026 vorangetrieben.
"Als das für den Unfall von Fukushima Daiichi verantwortliche Unternehmen werden wir die gewonnenen Erkenntnisse und Lehren anwenden", teilte Tepco-Präsident Tomiaki Kobayakawa mit. "Wir werden die Wiederinbetriebnahme, die erste seit 14 Jahren, fortsetzen und dabei die Sicherheit an oberste Stelle setzen", führte er fort.
Uneinigkeit im Parlament
Das Regionalparlament der Präfektur Niigata, in der die Anlage liegt, hatte kurz vor Weihnachten diesen Schritt genehmigt. Sie hofft, durch die Inbetriebnahme wirtschaftlich von Subventionen und Steuereinnahmen profitieren zu können. Tepco werde die verschärften Sicherheitsauflagen erfüllen. 2017 erklärte die Präfektur Niigata die Reaktoren 6 und 7 in Kashiwazaki-Kariwa für sicher.
Das Parlament ist sich in diesem Punkt aber uneinig. Ein Oppositionsabgeordneter nennt den Schritt eine "politische Einigung, die den Willen der Bevölkerung von Niigata ignoriert". Es kam auch zu Demonstrationen vor dem Parlament, in denen die Teilnehmer sich gegen die Wiederinbetriebnahme aussprachen. Sie hoben Banner mit Slogans wie "Unterstützt Fukushima", "Keine Atomenergie" und "Wir lehnen den Neustart von Kashiwazaki-Kariwa ab" in die Höhe.
Das Unglück von Fukushima
Der Reaktor wurde vor 15 Jahren stillgelegt. Der Grund dafür ist die Nuklearkatastrophe von Fukushima, die am 11. März 2011 ihren Anfang nahm. Um 14:46 Uhr (Ortszeit) ereignete sich das Tōhoku-Seebeben, wodurch ein Tsunami ausgelöst wurde. Dabei erreichten die hohen Wellen auch die Küste am japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I).
Es kam in den nachfolgenden Tagen bis zum 16. März in vier von sechs Reaktorblöcken zu Folgeschäden, die zu Kernschmelzen in Block 1, 2 und 3 führten. Große Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt, was ungefähr einem Fünftel der radioaktiven Emissionen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl entsprach.
Die verhängnisvollen Folgen von Fukushima
Bis zu 150.000 Einwohner mussten infolgedessen das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Während der Evakuierungsmaßnahmen starben unterschiedlichen Schätzungen zufolge mehrere Hundert bis über Tausend Menschen.
Die gesundheitliche Gefahr infolge von Strahlenbelastung wurde für die Bevölkerung dagegen als gering eingestuft. Dennoch wurde der Tod eines Arbeiters im Jahr 2018 durch Lungenkrebs mit seiner Tätigkeit im Kernkraftwerk in Verbindung gebracht.
Die japanische Atomenergiebehörde JAEA plant nun eine Reihe von Studien(öffnet im neuen Fenster), um die Strahlungsbelastung in den bewaldeten Berggegenden zu erfassen. Denn rund 90 Prozent der Region, für die bis heute Evakuierungsanordnungen gelten, bestehen aus Wäldern. Anschließend sollen Dekontaminierungsmaßnahmen entwickelt werden, um sie wieder begehbar und nutzbar zu machen.
Schrittweise Inbetriebnahme der japanischen Atomkraft
Infolge des Super-Gaus nahm die japanische Regierung zeitweise alle ihre 54 Reaktoren im gesamten Land vom Netz. In der Präfektur Niigata zerstörte die Kontamination Sektoren wie die Landwirtschaft, die Fischerei und den Tourismus. Die Energiekosten in Japan steigen zudem seit Jahren.
Derzeit stammen 60 bis 70 Prozent des japanischen Stroms aus importierten fossilen Brennstoffen. Doch seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs steigen die Preise und die damit verbundene Inflation. Entsprechend hoch ist der Druck auf die Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi.
Fukushima: Wirtschaftlicher Druck für Tepco, die Region und Japans Regierung
Auch der Tepco-Konzern drängt seit langem darauf, seine eigenen Atomreaktoren wieder hochfahren zu dürfen. Damit könnten die hohen Importkosten für ersatzweise betriebene Wärmekraftwerke gesenkt werden.
Die Entsorgungsarbeiten sollen noch bis nach 2050 andauern und kosten den Konzern bereits jetzt ungefähr 93 Milliarden Euro. Der Neustart eines Reaktors könnte den Jahreshaushalt um 579 Millionen Euro entlasten. Da Tesco seit Jahren eine negative Bilanz verzeichnet, ist der Energieversorger auf die Inbetriebnahme in Niigata angewiesen.
Über die letzten Jahre wurden etliche Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt und seitdem hat Japan 14 der 33 noch betriebsfähigen Atomreaktoren wieder ans Netz gebracht. Ungefähr zehn Prozent des japanischen Strombedarfs werden somit von Atomkraftwerken geliefert. Der Anteil soll bis zum Jahr 2030 auf 22 Prozent steigen. Und seit drei Jahren dürfen einige frühere Anwohner wieder in einige vormalige Sperrgebiete zurückkehren.
Nachtrag vom 18. Januar 2026, 19:27 Uhr
Ursprünglich hieß es in der Überschrift des Artikels, das Atomkraftwerk Fukushima werde wieder in Betrieb genommen. Der Fehler wurde korrigiert.
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