Atommüll: In 100 Jahren bekommt Deutschland ein Endlager
Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung(öffnet im neuen Fenster) berichtet, soll das Gesetz zur Standortauswahl für ein Atommüllendlager neu verfasst werden. Ziel ist es, ein realistisches Jahr für den Abschluss des Prozesses festzulegen.
Zuletzt war 2031 genannt worden, was nach Ansicht des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) völlig unrealistisch ist. In einem Gutachten(öffnet im neuen Fenster) wurde vor 2 Jahren eine Dauer von weiteren 50 Jahren für die Standortsuche vorhergesagt, irgendwann nach 2070.
Das soll sich nach der Vorstellung des Bundesumweltministeriums nun ändern. Um eine Form von zeitlichem Druck aufrechtzuerhalten, soll auch auf Vorschlag des BASE das Jahr 2050 als neues Enddatum festgelegt werden.
"Mit Genehmigung und Bau sind wir dann im nächsten Jahrhundert", ordnet Bundesumweltminister Carsten Schneider das weitere Vorgehen ein.
Verzögerung löst Kettenreaktion aus
Mit der sich in die Länge ziehenden Standortsuche verzögern sich auch sämtliche andere Projekte im Zusammenhang mit den atomaren Abfällen der deutschen Atomkraftwerke. So laufen beispielsweise die Betriebsgenehmigungen für die Zwischenlager aus, bevor ein Endlager auch nur in Sicht ist.
Die dort eingelagerten radioaktiven Abfälle müssen länger vor Ort bleiben. Parallel dazu beträgt die Aufbewahrungsdauer der hoch radioaktiven Elemente in einem Castor lediglich 40 Jahre. Die ersten Behälter erreichen diesen Wert im Jahr 2036.
Hinzu kommt, dass der Rückbau der Atomkraftwerke ohne die Möglichkeit der Einlagerung nicht durchgeführt werden kann. Für das AKW Rheinsberg wird aufgrund dessen kein Enddatum für den Rückbau mehr genannt. Er war im Jahr 1995 begonnen worden.
Zudem planen die beiden deutschen Fusions-Start-ups Focused Energy und Proxima Fusion ihr Kernfusionskraftwerke in ehemaligen Atomanlagen. Auch deren Zeitpläne dürften durch die stockende Endlagersuche in Gefahr geraten.
Andere Länder sind weiter
Deutschland steht mit der zögerlichen Suche nach einem Endlager nicht allein da. Schließlich muss nicht nur der Untergrund geeignet sein, um den Atommüll mindestens einige hunderttausend Jahre sicher zu verwahren. Auch die betroffene Bevölkerung muss regelmäßig in die Planungen eingebunden werden.
In Schweden und Finnland begannen erste Bauvorhaben bereits. Das Endlager Olkiluoto(öffnet im neuen Fenster) in Finnland ist bereits in Betrieb, müsste für die gesamten Abfälle des Landes jedoch noch stark erweitert werden.
Derzeit soll es knapp 10.000 Kubikmeter Abfälle aufnehmen können. Das BASE(öffnet im neuen Fenster) geht für Deutschland von einer Gesamtmenge von etwa 600.000 Kubikmetern aus, die eingelagert werden müssen.


