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Die japanische Perspektive

Der andere große Film war der Anime Barfuß durch Hiroshima(öffnet im neuen Fenster) aus Japan. Der Film basiert auf einem Manga von Keiji Nakazawa, der damals sagte, dass gut 70 Prozent dessen, was er beschreibe, auf eigenen Erfahrungen basiere.

In Japan wird Zeichentrick nicht nur für Kinderfilme benutzt, auch ernsthafte Dramen sind möglich. So wie dieser Film, der die Auswirkungen des Abwurfs der ersten Atombombe zeigt. Die Zuschauer sehen zunächst das normale Leben in Hiroshima, Tage, bevor die Bombe fiel.

Im Mittelpunkt steht ein Junge namens Gen, dessen Familie bei dem Bombenabwurf stirbt. In den Tagen und Wochen danach verdingt sich Gen als Pfleger für jemanden, der an der Strahlenkrankheit(öffnet im neuen Fenster) dahinsiecht.

Was diesen Film so außergewöhnlich macht, ist der Umstand, dass dies, anders als The Day After und Das letzte Testament, keine Was-wäre-wenn-Geschichte ist, sondern die Realität des Atomzeitalters und ihrer Waffen. Drei Jahre später gab es mit Barfuß durch Hiroshima 2 (1986) eine Fortsetzung, der drei Jahre nach dem Bombenabwurf spielt und zeigt, wie das Leben nach dieser Zeit immer noch von dem Schreckensereignis beeinflusst wird.

Großbritannien geht unter

1984 produzierte die BBC mit verhältnismäßig kleinem Budget den Fernsehfilm Threads , der in Deutschland als Tag Null gezeigt wurde. Er ist in gewisser Weise wirkungsvoller als The Day After.

Hier wie dort wurde ein dokumentarischer Ansatz gewählt. Was den Film von anderen abhebt, ist der Umstand, dass er sich nicht auf die wenigen Wochen und Monate nach dem Zünden der Atombomben konzentriert, sondern die Langzeitfolgen, nicht nur der Strahlung, sondern auch des nuklearen Winters, zeigt, der dazu führt, dass Hunderttausende verhungern.

Gezeigt wird das Leben von Mitgliedern der Arbeiterklasse der Stadt Sheffield. Dass hier nur unbekannte Schauspieler agieren, der Film grobkörnig ist und die kühle Distanz des Dokumentarischen wahrt, macht ihn besonders eindringlich. Es entsteht das Gefühl, dass es so und nicht anders in jeder Stadt dieser Welt sein könnte. Wenn die Bomben fallen.

Der Film, der die Kinder verstörte

Ein weiterer Film zum Thema war der britische Zeichentrickfilm Wenn der Wind weht. Er kam 1986 in die Kinos, weit mehr Einfluss hatte er aber, als er am 23. Dezember 1988 im Nachmittagsprogramm des Ersten(öffnet im neuen Fenster) lief, immer getreu dem Motto folgend: Zeichentrick ist für Kids.

Dieser Film konfrontierte hingegen ein junges Publikum mit einer Geschichte, die bei nicht wenigen Albträume hinterließ.

Auch hier findet der Nuklearkrieg statt, aber man erfährt nicht viel davon, ebenso wie das alte Ehepaar Hilda und Jim Bloggs, das sich noch darauf verlässt, dass sich unter dem Tisch zu verstecken, Schutz bieten wird.

Aber das tut es nicht. Das alte Ehepaar weiß nicht, wie ihm geschieht, während es in Filmlänge langsam dahinsiecht. Kein Film für Kinderaugen, aber einer, der deutlich vor Augen geführt hat, was Atomkrieg bedeutet.

Einige Monate nach der deutschen Fernsehausstrahlung fiel die Berliner Mauer, das erste Ergebnis der Perestrojka und der Beginn vom Ende des Kalten Krieges. Damit schwand auch die Angst vor dem Atomkrieg. Jetzt ist sie wieder da.

Was die sechs Filme, so alt sie auch sein mögen, über den Krieg und die Aussichtlosigkeit, ihn zu überleben, aussagen, hat mehr denn je Gültigkeit.


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