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Wie ein Atomkrieg wirklich aussieht

Für Westdeutschland, ein ehemals primäres Ziel an der Konfliktlinie zwischen Ost und West, wurde angenommen, dass zehn Atombomben mit jeweils 2 Megatonnen Sprengkraft genügen würden, um das Land annähernd auszulöschen. Die Explosionen selbst würden dabei die großen Ballungsräume fast vollständig vernichten. Lediglich Gebäude aus Stahlbeton in mehreren Kilometern Abstand zum Detonationszentrum hätten Chancen, funktionstüchtig zu bleiben.

Hinzu käme die Strahlung, die sich wesentlich großflächiger verteilen und gleichzeitig verhindern würde, dass Rettungskräfte von außerhalb ohne ernsthafte Gefahr für das eigene Leben zu Hilfe kommen. Erschwerend käme hinzu, dass Infrastruktur wie Straßen, Brücken oder Krankenhäuser, genau wie alles andere, in großem Umkreis zerstört wäre. Ohne Infrastruktur, ohne Verwaltung oder nennenswerte Industrie würde auch der zunächst nicht direkt betroffene Teil der Gesellschaft nach kurzer Zeit zusammenbrechen.

Strahlung verteilt sich gleichmäßig

Die Strahlung würde sich unabhängig von der vorherrschenden Windrichtung verteilen. Nach dem Reaktorunfall von Fukushima dauerte es nur ein paar Tage, bis die freigesetzten Iod- und Caesium-Isotope auch in Deutschland nachgewiesen werden konnten.

Nach der ohnehin nicht mehr funktionierenden Infrastruktur wären auch die Wasser- und Lebensmittelversorgung nach Tagen kontaminiert. Die Lebensgrundlage für die gesamte Bevölkerung wäre nach einem solchen Schlag vernichtet.

Die Sprengkraft reicht für alle und jeden

Bleibt die Frage, ob genügend Sprengkraft für den gesamten Planeten vorhanden ist. Laut Sipri(öffnet im neuen Fenster) , dem Stockholmer Institut für Friedensforschung, sind derzeit 4.000 Sprengköpfe einsatzbereit, weitere 6.000 sind eingelagert.

Deren Sprengkraft liegt insgesamt bei geschätzten 7.500 Megatonnen. Auch wenn sich damit nicht die gesamte Landmasse in Schutt und Asche legen ließe, sondern lediglich die Hälfte, würde die Verteilung von Strahlung und radioaktiven Isotopen sehr wahrscheinlich keine Fläche verschonen.

Weltweite Effekte

Fallen die Bomben darüber hinaus gezielt, wären alle größeren Ansiedlungen mindestens zum Teil betroffen. Die Strahlung würde niemanden verschonen, wäre aber nicht sofort überall tödlich. Es gibt Berechnungen, dass die Menge an Strahlungsquellen in den folgenden Jahren etwa 100 Millionen Menschen(öffnet im neuen Fenster) töten würde.

In entlegenen Gebieten wäre es demnach sogar möglich, ein so extremes Szenario zunächst zu überleben, tendenziell auf der Südhalbkugel, da alle Atommächte auf der Nordhalbkugel liegen. Erhebliche Klimaveränderungen mit Durchschnittstemperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt(öffnet im neuen Fenster) wären aber weltweit zu erwarten.

Mehrere Tausend Megatonnen würden so viel Staub in die Atmosphäre transportieren, dass nach einer Phase extremer Abkühlung über lange Zeit lebensfeindlich niedrige Temperaturen zu erwarten wären. Dafür müsste es jedoch zunächst zu einem so katastrophalen Szenario kommen.

Die Wahrscheinlichkeit steigt

Nach einer kurzen Phase der Entspannung nach dem Ende des Kalten Krieges wird mittlerweile wieder von einer steigenden Wahrscheinlichkeit für ein solch apokalyptisches Szenario ausgegangen. Das liegt unter anderem daran, dass neben den USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien auch Indien, Pakistan und Nordkorea erwiesenermaßen über Atombomben verfügen.

Israel bestätigt das nicht, wird aber ebenfalls als Atommacht gewertet. Der Iran gibt sich trotz begrenzter Mittel alle Mühe, ebenfalls eine zu werden. Es gibt damit insgesamt neun Atommächte.

Nur ein Verwaltungsakt

Was nach einem Erstschlag passieren würde, hat unter anderem die Journalistin Annie Jacobsen in ihrem teils fiktionalen Buch Atomkrieg: ein Szenario beschrieben. Weil es für die Reaktion auf einen solchen Angriff Protokolle und Vorschriften gibt, wäre eine Eskalation nach dem getanen ersten Schritt praktisch nicht mehr zu verhindern.

Die begrenzte Zeit zum Reagieren, die drohende Auslöschung und die Bürokratie sorgen für den unausweichlichen Gegenschlag.

The Day After und Das letzte Testament waren aber nicht die einzigen Filme, die sich 1983 mit dem Atomkrieg auseinandersetzten.


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