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Atomkraft: Solarstrom verdrängt französische AKW

In wenigen Jahren hat sich der von Atomkraft dominierte französische Strommarkt fundamental gewandelt. Energiewende und Vernetzung zeigen Wirkung.
/ Mario Petzold
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Kühltürme des Atomkraftwerks Cruas, Frankreich (Bild: Wikipedia/Maarten Sepp)
Kühltürme des Atomkraftwerks Cruas, Frankreich Bild: Wikipedia/Maarten Sepp / CC-BY-SA 3.0

Eine Analyse des britischen Entwicklungsdienstleisters Ricardo, veröffentlicht im PV-Magazine(öffnet im neuen Fenster), zeigt anhand der stündlichen Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber(öffnet im neuen Fenster), wie stark sich die Stromproduktion der französischen Atomkraftwerke binnen sechs Jahren verändert hat. Die Gesamtleistung der AKW hat sich innerhalb kurzer Zeit flexibilisiert, sodass die Lücke zwischen den Mittags- und Abendstunden im Durchschnitt bei 4,5 Gigawatt liegt. 2019 betrug die Differenz noch 0,6 Gigawatt oder knapp ein Prozent der Gesamtleistung.

Jahrzehntelang wurde die Ausgangsleistung der Reaktorflotte annähernd stabil gehalten, mit minimalen Einsparungen in den Nachtstunden. Durch günstigen Strom aus Photovoltaik, insbesondere aus Spanien, lohnt es sich mittlerweile, die Leistung der eigentlich unflexiblen Kernkraft anzupassen.

Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung bei den Importen nach Frankreich: Früher wurde in Zeiten eigener Knappheit zu hohen Preisen Strom importiert – im Jahr 2025 vor allem dann, wenn er im Ausland im Überschuss vorhanden und entsprechend günstig war. Eine importierte Kilowattstunde nach Frankreich kostete 3,3 Cent im Jahr 2025, ohne Abgaben und Übertragungsgebühren.

Entwicklung begann in Spanien

Gemäß der Daten zeigt sich die Veränderung am deutlichsten beim Stromaustausch zwischen Spanien und Frankreich. Bis 2019 war Spanien von französischen Importen abhängig. Als 2022 fast die Hälfte der französischen Reaktoren gewartet oder repariert werden musste, konnte Spanien bereits Teile des fehlenden Strombedarfs ausgleichen.

Anschließend reduzierte sich die Abhängigkeit, seit 2024 gibt es keine mehr. Import und Export zwischen beiden Ländern haben sich angeglichen.

Anders sieht es an der italienisch-französischen Grenze aus. In Italien wird weiterhin viel Gas verstromt, während Photovoltaik trotz bester Bedingungen nur eine kleine Rolle spielt. Entsprechend viel Strom wird aus Frankreich importiert, der nur halb so teuer ist wie in Italien. Auf der iberischen Halbinsel liegt der Börsenstrompreis um das Dreifache über dem durchschnittlichen Importpreis nach Frankreich.

Für den deutsch-französischen Stromhandel erwartet Ricardo eine ähnliche Entwicklung wie in Spanien, weil der Ausbau der Photovoltaik hierzulande weiterhin stark zunimmt. Günstiger Solarstrom aus Deutschland dürfte in Frankreich an Bedeutung gewinnen, während in den Nachtstunden Importe aus Frankreich zunehmen sollten. Sobald statt der Knappheit das Überangebot den Handel bestimmt, sinken auch die Kosten.


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