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Atomenergie: China genehmigt Betrieb des ersten Flüssigsalzreaktors

Um bis zum Jahr 2060 kohlendioxidneutral zu werden, setzt China außer auf erneuerbare Energien auf Atomkraft.

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Atomkraftwerk in China (Symbolbild) (Bild: Oriental Image via Reuters Connect)

Ein neues Atomkraftwerk für China: Die zuständige Aufsichtsbehörde hat den Betrieb des ersten Thoriumreaktors genehmigt. Der Prototyp eines solchen Reaktors entsteht in der Wüste der Provinz Gansu.

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Der Flüssigsalzreaktor (Molten Salt Reactor, MSR) mit der Bezeichnung TMSR-LF1 wurde in Wuwei in der Provinz Gansu errichtet, berichtet die Hongkonger Tageszeitung South China Morning Post (SCMP). Die Anlage hat eine Leistung von zwei Megawatt und wird vom Shanghai Institute of Applied Physics der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betrieben. Die Genehmigung gilt für zehn Jahre.

Flüssigsalzreaktoren werden nicht mit Brennstäben aus Uran betrieben, sondern mit Thorium. Bei einem Unfall in einem solchen Reaktortyp soll weniger radioaktive Strahlung freigesetzt werden. Zudem kann Thorium nicht zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Thorium kommt häufiger vor als Uran, China soll über eine der größten Thoriumreserven der Welt verfügen.

Gekühlt wird nicht mit Wasser

Da als Kühlmittel flüssige Salze eingesetzt werden, können MSR auch in trockenen Regionen gebaut werden. Wuwei liegt am Rande der Wüste Gobi. Weitere Standorte für MSR sind in den Wüsten und dünn besiedelten Gebieten West- und Zentralchinas geplant.

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China will 2060 kohlendioxidneutral sein

Von dort sollen sie künftig die bevölkerungsreichen Provinzen im Osten mit Strom versorgen – zusammen mit Kraftwerken, die Strom aus Wasserkraft, Wind und Sonnenlicht gewinnen. Ziel der Regierung ist es, dass China bis zum Jahr 2060 kohlendioxidneutral wird.

An MSR wird bereits seit mehreren Jahrzehnten in verschiedenen Ländern gearbeitet. In den USA will das von Bill Gates mitgegründete Start-up Terrapower einen Flüssigsalzreaktor bauen. Bisher scheiterten die Projekte an technischen Problemen.

Der Bau des TMSR-LF1 verlief laut SCMP reibungsloser als gedacht: Statt der geplanten sechs dauerte der Bau etwa drei Jahre. Nachdem der Betrieb genehmigt worden ist, sollen jetzt die ersten Tests beginnen. Dazu gehört zunächst eine Annäherung an die Kritikalität, also an den Punkt, an dem eine Kernreaktion sich selbst erhält.