Atomare Abschreckung: USA schaffen Platz für 400 neue Interkontinentalraketen
Die US Air Force(öffnet im neuen Fenster) vermeldet, dass für die zukünftigen Interkontinentalraketen (ICBM) vom Typ LGM-35A Sentinel komplett neue Raketensilos gebaut werden. Baubeginn für den ersten Prototyp der modularen und in Serie herstellbaren Starteinrichtungen war der 27. März 2026.
Die bisherigen Silos für die LGM-30 Minuteman, sowohl Silos als auch Raketen sind mittlerweile zwischen 50 und 60 Jahre alt, waren jeweils Einzelanfertigung mit begrenzter technischer Ausstattung. Klimaanlage, Lithium-Batterien und Stoßdämpfer gegen die Erschütterungen atomarer Explosionen waren die wichtigsten Elemente.
140 Milliarden US-Dollar für die Aufrüstung
400 mit Atomsprengköpfen ausgestattete Raketen in 450 Silos, größtenteils in den zentralen Bundesstaaten der USA angesiedelt, sollen ab 2029 im Zuge des Sentinel-Programms durch neue ICBMs von Northrop Grumman ersetzt werden. Die Silos in Standardbauweise sollen zeitgemäße Kommunikationstechnik erhalten, besseren Zugang für Wartungsarbeiten erlauben und modifizierbar sein. So sind die derzeitig genutzten und zumeist aus einem Stück gegossenen Raketensilos minimal zu niedrig, um die neue Bewaffnung aufzunehmen.
Die Kosten für die Neuaufstellung werden aktuell mit 141 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) beziffert. Hinzu kommen Betriebs- und Wartungskosten, die ebenfalls im Milliardenbereich liegen. Die Demontage der bisherigen Raketen, Starteinrichtungen und Sprengköpfe sowie deren Entsorgung kommen ebenfalls hinzu.
Nutzen der Abschreckung mindestens zweifelhaft
Landgestützte Interkontinentalraketen stellen dabei nur einen Teil der nuklearen Abschreckung der USA dar. Hinzu kommen atomwaffenfähige Bomber und U-Boote, zudem kleine Waffen mit kurzer Reichweite. Insgesamt liegen die Schätzung für die Instandhaltung der gesamten nuklearen Abschreckung bei ungefähr 100 Milliarden US-Dollar im Jahr.
Dass ein solches System, das auch nach einem nuklearen Erstschlag zumindest in Teilen einsatzfähig bleibt, um zu reagieren, seinen Zweck erfüllt, wird darüber hinaus in der Wissenschaft kritisch gesehen(öffnet im neuen Fenster) . So lässt sich aufgrund der Tatsache, dass nach 1945 nie wieder Atomwaffen eingesetzt wurden, kaum ermitteln, ob dies aufgrund oder trotz der nuklearen Abschreckung, die erst zur starken Verbreitung von Atomwaffen beigetragen hat, geschehen ist.
Zudem setzt atomare Abschreckung rationales Handeln voraus. Ein Erstschlag erfolgt demnach nicht, weil in jedem Fall ein Gegenschlag droht. Dann aber wäre ein Erstschlag irrationales Verhalten, das sich eben nicht durch eine möglichst unausweichliche Gegenreaktion abschrecken lässt. Demnach schreckt ein immer mächtigerer Schutzschirm nicht mehr ab, sondern erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unfällen und beabsichtigten Aktivierungen kommt.
Andererseits zeigte der Überfall Russlands auf die Ukraine und die darauffolgende sehr zögerliche Unterstützung durch Europa und die USA, dass atomare Abschreckung auch in konventionellen Kriegen eingesetzt werden kann. Die Frage ist nur, zu welchem Preis.